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Aus der Stadt Polizei hatte Hinweise auf mehrere Attentäter
Hannover Aus der Stadt Polizei hatte Hinweise auf mehrere Attentäter
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00:23 21.11.2015
Am Tag nach der Terrorwarnung ist noch ein Absperrband der Polizei vor der HDI-Arena in Hannover zu sehen. Quelle: Stratenschulte
Hannover

Wie die HAZ aus Sicherheitskreisen erfuhr, hatten die Behörden „konkrete Hinweise auf Personen, die sich in Hannover aufhalten sollten“. Dem Vernehmen nach soll es sich um vier Männer und eine Frau gehandelt haben.

Nicht nur das Fußballspiel wurde eineinhalb Stunden vor Anpfiff abgesagt. Auch Konzertveranstalter wurden von der Polizei vor der Gruppe gewarnt. Ihnen blieb selbst überlassen, ob sie ihre Gäste nach Hause schicken wollten. Ein Jazz-Konzert im Pavillon und der Auftritt des Komikers Helge Schneider in einer Buchhandlung wurden daraufhin abgesagt. Ein Konzert in der Tui-Arena fand hingegen statt.

Das Länderspiel Deutschland-Niederlande wurde im November 2015 abgesagt. Für die ganze Stadt Hannover wurden scharfe Sicherheitsmaßnahmen getroffen.

Offenbar hatte das Bundesamt für Verfassungsschutz am Dienstag eine schriftliche Mitteilung erhalten, die zunächst übersetzt werden musste. Darin wurden die Behörden in Deutschland offenbar gewarnt, Islamisten könnten versuchen, Sprengstoff in ein Fahrzeug mit Berechtigungsschein zu schmuggeln und in oder am Stadion zur Explosion zu bringen.

Krankenwagen im Stadion durchsucht

Tatsächlich durchsuchten Beamte im Stadion einen Krankenwagen. Die Polizisten waren auf das Fahrzeug aufmerksam geworden, weil die Sanitäter es fluchtartig verlassen hatten – sie waren offenbar von der Durchsage, das Stadion zu räumen, verschreckt worden. Auch ein Technikwagen des ZDF wurde durchsucht, wie der Sender mitteilte.

Insgesamt sei die „Detailschärfe“ der Informationen – wohl von einem V-Mann eines französischen Geheimdienstes – „viel tiefer“ gewesen als im vergangenen Februar. Damals wurde der Braunschweiger Karnevalsumzug Schoduvel nach einem Tipp eines Informanten aus der islamistischen Szene an den niedersächsischen Verfassungsschutz abgesagt. Ob es überhaupt konkrete Anschlagspläne gab, wurde nie aufgeklärt.

Nachrichten aus deutschen Salafistenkreisen

In Berliner Sicherheitskreisen gibt es zudem Erkenntnisse, wonach in der Nacht zu Dienstag auch aus deutschen Salafistengruppen Nachrichten auftauchten, nach denen das Fußballspiel zum Ziel einer gewalttätigen Aktion werden könnte. Diese Informationen werden von hohen Polizeibeamten als „eher unpräzise“ eingestuft. Derselbe Informant soll auch maßgeblich für die Absage des Schoduvel in Braunschweig gewesen sein, hieß es. In Niedersachsen wurde das am Mittwoch nicht bestätigt.

Keine akute Gefährdung am Mittwoch

Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius gab am Mittwoch vorerst Entwarnung. „Es gibt Stand heute keine akuten, keine konkreten Hinweise darauf, dass eine weitere Gefährdung in Hannover besteht“, sagte der SPD-Politiker. Ministerpräsident Stephan Weil bezeichnete die Absage wegen der „konkreten Hinweise auf konkrete Gefahren“ als gerechtfertigt. Weder Weil noch Pistorius wollten aber bestätigen, woher die Hinweise kamen und welcher Art sie waren. Pistorius sagte am Mittwoch aber: „Wer in dieser Lage gesagt hätte, wir ziehen das jetzt aus Gründen der Staatsräson durch, der ist falsch im Amt.“

Am Tag nach der Terrorwarnung ist in Hannover wieder Ruhe eingekehrt. Allerdings sind noch viele Fragen offen.

Festnahmen oder Sprengstofffunde konnte die Polizei bis Mittwochabend dennoch nicht vermelden. Nach Angaben von Einsatzleiter Thomas Rochell ermitteln die Beamten aber wegen des Vorbereitens eines Sprengstoffanschlages gegen unbekannt. Die Staatsanwaltschaft Hannover werde prüfen, ob sie die Generalbundesanwaltschaft einschaltet. Knapp 2900 Polizeibeamte aus Bund und Ländern seien am Dienstagabend im Einsatz gewesen.

Innenminister will Islamisten noch stärker überwachen

Als Konsequenz aus dem Terroralarm in Hannover wolle Niedersachsen als gefährlich eingestufte Islamisten intensiver ins Visier nehmen, sagte Pistorius. Bereits am Abend des Länderspiels hatte ein Spezialeinsatzkommando in Hildesheim mehrere Männer vorläufig festgenommen. Man beobachte nach den Anschlägen von Paris und im Zusammenhang mit dem Fußballspiel in Hannover die islamistische Szene, hieß es dazu aus dem Landeskriminalamt.

Von T. Morchner, J. Kießler, K. Doeleke und D. Wonka

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