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Aus der Stadt Schon 70 Fälle: Falsche Polizisten im Raum Hannover unterwegs
Hannover Aus der Stadt Schon 70 Fälle: Falsche Polizisten im Raum Hannover unterwegs
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00:18 29.01.2018
Weil sich wieder vermehrt Trickbetrüger als Polizisten ausgeben, warnen die echten Ermittler vor den Verbrechern. Quelle: Archiv
Hannover

 Die Polizei Hannover warnt vor Trickbetrügern, die sich als Ermittler ausgeben. In den vergangenen Wochen seien wieder vermehrt Anrufe bei Senioren eingegangen. „Im Januar sind bislang 70 Anrufe in unserem Zuständigkeitsbereich registriert worden“, sagt Polizeisprecherin Martina Stern. Betroffen waren sowohl Rentner im Stadtbereich als auch im Umland von Hannover. „Glücklicherweise ist es in den meisten Fällen nur bei Anrufen geblieben“, so Stern weiter. Sowohl die Senioren als auch aufmerksame Bankangestellte hätten aufgepasst und Schlimmeres verhindert.

Lediglich in Barsinghausen hatten die Täter Erfolg. Am 4. Januar gaben sich die Betrüger am Telefon gegenüber einer Seniorin als Kriminalpolizisten aus. Sie sollte ihr Erspartes bei der Bank abheben und vor die Haustür legen. Die Rentnerin folgte der Aufforderung, legte die 13 500 Euro nach draußen. Als sie erneut nachsah, war das Geld verschwunden. Die Täter konnten bislang nicht ausfindig gemacht werden. Am Donnerstag war erneut Barsinghausen mit elf Anrufen verstärkt betroffen, auch in Isernhagen registrierte die Polizei mehrere Betrugsversuche.

Polizei fragt nie telefonisch nach persönlichen Daten

„Daher rufen wir erneut zur Wachsamkeit auf“, sagt Behördensprecherin SternBereits 2016 registrierte die Polizei Hannover einen deutlichen Anstieg von Fällen, in denen sich Trickbetrüger als Polizisten ausgaben. Im Vergleich zum Vorjahr stiegen die Zahlen um 56 auf 129 Taten. Niemand sollte am Telefon Angaben zu Vermögensverhältnissen, Kontoverbindungen oder anderen persönlichen Daten machen. „Polizeibeamte erfragen personenbezogene Daten niemals am Telefon“, so Stern. Manche Trickbetrüger versuchen es mit Lügengeschichten oder wollen ihre Opfer einschüchtern. Falls falsche Polizisten angerufen haben, sollten umgehend die echten Ermittler informiert werden. Gleichzeitig appelliert Stern an Bankmitarbeiter, „Auszahlungen auffällig hoher Geldsumme“ der Polizei zu melden.

Die Polizei Hannover warnt vor Trickbetrügern, die sich als Ermittler ausgeben. Um die richtigen Beamten schnell zu erkennen, hat die Polizeidirektion Hannover Fotos eines Dienstausweises und einer Dienstmarke veröffentlicht.

Doch nicht nur am Telefon geben sich Verbrecher als Polizisten aus. Die Trickbetrüger klingeln auch an Haustüren und überrumpeln die Senioren. Selbst wenn die vermeintlichen Beamten in Uniform auftreten, sollten Betroffene ihnen nicht blind vertrauen oder sich einschüchtern lassen. „Die Dienstausweise sollten sorgfältig geprüft werden“, sagt Stern, „im Zweifel kann auch bei der örtlichen Dienststelle nachgefragt werden.“ Fremde sollten grundsätzlich nicht ins Haus gelassen werden. Alle Polizisten müssen ihren Ausweis oder im Fall der Kriminalpolizei die Dienstmarke grundsätzlich mit sich führen. Auf Nachfrage müssen sie vorgezeigt werden, sofern es die Situation zulässt. Merken die Beamten, dass sie bei ihrer Arbeit behindert werden sollen, müssen sie gar nichts zeigen.

Grüne Ausweise und kleine Metallmarken

Der Dienstausweis besteht aus grünem Schreibleinen oder einem gleichwertigen Material. Neben dem Polizeistern stehen Vor- und Familienname, Amtsbezeichnung sowie Dienstnummer auf dem Dokument. Darüber hinaus ist ein Foto des Beamten zu sehen, der Ausweis ist unterschrieben und trägt ein Dienstsiegel. Kriminalbeamte tragen darüber hinaus eine ovale Dienstmarke aus Messinglegierung bei sich. Der 60 Millimeter lange und 40 Millimeter breite sowie 2,5 Millimeter dicke Anhänger zeigt auf der Vorderseite den Schriftzug „Kriminalpolizei“ in Versalien und den Polizeistern. Auf der Rückseite sind das Landeswappen, das Wort „Niedersachsen“ und eine Nummer zu sehen. Auf dem Rand der Münze ist „Bundesrepublik Deutschland“ eingeprägt. Weitere Hilfe und Informationen zum Thema Trickbetrug bieten der Seniorenbeirat unter Telefon (05 11) 16 84 37 97 und die Präventionsbeamten der Polizei unter (05 11) 10 90.

Prozess gegen Trickbetrüger beginnt Montag

Ein Prozess gegen vier mutmaßliche Betrüger, die ihre Opfer durch Trickanrufe dazu brachten, Bargeld vor dem Haus zu deponieren und – vermeintlich – von der Polizei in Sicherheit bringen zu lassen, beginnt am Montag am Landgericht Hannover. Auf der Anklagebank sitzen vier Männer türkischer Abstammung, die auf diese Weise 130.000 Euro erbeutet haben und zum Großteil in die Türkei transferiert haben sollen. Am Telefon sollen sie sich als Polizeibeamte oder Staatsanwälte ausgegeben haben. Für diesen Strafprozess hat die 19. Große Strafkammer 22 Sitzungstermine angesetzt.

Am Landgericht Hildesheim läuft derzeit ein Verfahren gegen zwei Männer, die im Zuge dieser Betrugsmasche offenbar als Geldabholer unterwegs waren; einer von ihnen hat bereits ein Teilgeständnis abgelegt. In den dort angeklagten Fällen wurden Seniorinnen aus Sarstedt, Gifhorn und Bad Münder mithilfe falscher Polizisten um gut 57.000 Euro gebracht – und auch hier versetzte am Telefon ein „Staatsanwalt Rosenbaum“ die Opfer in Angst und Schrecken, um sie zur Herausgabe ihrer Ersparnisse zu bewegen.    miz

Von Peer Hellerling

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