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Aus der Stadt Polizei nutzt Facebook bei Brügge-Spiel
Hannover Aus der Stadt Polizei nutzt Facebook bei Brügge-Spiel
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09:39 16.02.2012
Von Tobias Morchner
Die Polizei hat einen neuen Facebook-Account angelegt. Quelle: Rainer Dröse
Hannover

Der Polizei steht am Donnerstag einer der heikelsten Einsätze seit Langem ins Haus. Die Einsatzkräfte müssen dafür sorgen, dass die Europa-League-Begegnung zwischen Hannover 96 und dem FC Brügge ausschließlich als sportlicher Höhepunkt in die Vereinsgeschichte eingeht und nicht von Krawallen überschattet wird.

Um mit den insgesamt rund 700 Fußballchaoten aus den Reihen der Brügger Fans und den heimischen Ultras, aber auch mit friedlichen Anhängern während des Einsatzes in Kontakt zu bleiben, greift die Behörde zu einem neuen Mittel: Über eine speziell eingerichtete Seite auf der Internetplattform Facebook wollen die Polizisten ständig den Kontakt halten. Auf der Seite „Polizei Hannover aktuell“ wird über polizeiliche Maßnahmen berichtet, zudem sollen Verkehrshinweise weitergegeben und Festnahmen gemeldet werden. Außerdem könnten über diesen Kanal Falschinformationen aus Fankreisen, die ebenfalls über soziale Netzwerke verbreitet würden, korrigiert werden, sagt Einsatzleiter Guido von Cyrson. „Wir wünschen uns, dass unsere offene Kommunikation über Facebook Gewalt und Konflikten vorbeugen wird.“

Die Polizei wird mit einem massiven Aufgebot in der Stadt präsent sein. Mehrere Hundertschaften, speziell ausgebildete Konfliktmanager und, wenn nötig, Wasserwerfer werden am Donnerstag das Innenstadtbild prägen. Dies bedeute allerdings nicht, dass sich Passanten und friedliche Fußballfans nicht ungehindert in der City bewegen könnten, sagt der Einsatzleiter. „An alle gewaltbereiten Ultras und Hooligans geht aber ein klares Signal: Wer randaliert, wird eingesperrt“, sagt von Cyrson.

Die Besonderheit, mit der die Polizei im Zuge der Partie zu kämpfen hat, ist die frühe Anreise der belgischen Fans. Die ersten Busse werden bereits gegen 14 Uhr das Stadion im Bereich des Südeingangs erreichen. Angepfiffen wird das Spiel in der Arena jedoch erst um 21 Uhr. Die Belgier, das haben sie im Internet bereist verabredet, wollen sich die Wartezeit in der irischen Kneipe „Dublin Inn“ an der Marktkirche vertreiben – in unmittelbarer Nähe eines beliebten Treffpunktes der 96-Ultras. Einsatzleiter von Cyrson appelliert deshalb an alle Stadionbesucher, sich friedlich zu verhalten. Ansonsten könne es passieren, dass im Rückspiel am 23. Februar „wieder viele Tausend friedliche Fans wegen des Verhaltens einiger Unverbesserlicher in Sippenhaft genommen“ würden.
Der Beamte spielt damit auf die Vorgänge rund um das Aufeinandertreffen der Roten mit Standard Lüttich im Herbst 2011 an. Im damaligen Hinspiel hatten belgische Polizisten miterlebt, wie 300 zum Teil vermummte 96-Anhänger versuchten, die Busse der belgischen Gäste anzugreifen. Zuvor hatten Mitglieder der Ultras die Gäste massiv provoziert und mit Flaschen beworfen. Diese Eindrücke schilderten die belgischen Kollegen den Verantwortlichen der Stadt Lüttich. Die reagierten und erließen vorsorglich für die hannoverschen Fans massive Einschränkungen für das Rückspiel in Belgien.

Auch beim Spiel am Donnerstag werden belgische Kollegen die hannoverschen Polizisten unterstützen. „Auch sie werden ihre Berichte schreiben“, sagt Guido von Cyrson. Noch habe die Stadt Brügge erklärt, alle Fußballfreunde aus Hannover uneingeschränkt willkommen zu heißen. „Sollte es am Donnerstag in Hannover abermals zu Zwischenfällen kommen, wird die Stadt Brügge ihre Haltung vielleicht noch einmal überdenken“, sagt der Einsatzleiter.

Problemzone Kramerstraße

In ihrer Empörung über die zunehmenden Probleme mit Fußballchaoten bekommen die Geschäftsleute aus der Innenstadt Unterstützung durch die City-Gemeinschaft. „Mit Sorge betrachten wir die Entwicklung in der Kramerstraße“, sagt Sprecher Martin Prenzler. Die Handelsunternehmen und die Gewerbetreibenden hätten es dort ausgesprochen schwer. Das macht Prenzler unter anderem an folgender Beobachtung fest: „In der Kramerstraße haben sich zwei Gastronomiebetriebe etabliert, die sich ausschließlich auf die Problemfans von Hannover 96 spezialisiert haben.“ Ganz extrem sei es in den Sommermonaten, wenn die sogenannten Fans vor den Spielen die Straße blockierten und ihren Müll auf der Straße entsorgten. „Während des Spiels halten sich dort dann die Leute auf, die Stadionverbot haben“, erklärt Prenzler. Auch Alexander Bobzien vom Verein Altstadt-Hannover ist mit den Problemen rund um die Kramerstraße vertraut. Er plädiert deshalb für einen runden Tisch: „Alle Betroffenen, die Stadt, die Polizei, die Wirte, die Einzelhändler und der Fanbeauftragte sollten sich zusammensetzten, um ein Konzept für die Altstadt an Spieltagen von 96 auszuarbeiten.“ Die Situation, die man dort regelmäßig im Zusammenhang mit den Fußballspielen vorfinde, sei „nicht schön“, sagt Bobzien.

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