Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Aus der Stadt Polizei sagt nun doch keine Verbrechen voraus
Hannover Aus der Stadt Polizei sagt nun doch keine Verbrechen voraus
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:03 02.12.2015
Von Tobias Morchner
In Niedersachsen wird es vorerst keine Wahrscheinlichkeitsberechnungen von Verbrechen geben. Quelle: dpa
Anzeige
Hannover

Die Wirkung der neuen Methode sein „nach hiesiger Bewertung bislang nicht ausreichend nachgewiesen“, teilte das Ministerium auf Anfrage mit. „Vor diesem Hintergrund wird derzeit kein derartiges Projekt in Niedersachsen initiiert“, heißt es in der Mitteilung weiter.

Für die Test des von IBM entwickelten ComputerprogrammsSPSS Modeler“ hatten die Ermittler den Stadtplan von Hannover in 5166 Felder unterteilt. Jedes Feld hatte die Größe von 150 mal 150 Metern. Die Beamten fütterten anschließend das Programm mit zahllosen Daten aus verschiedenen, veröffentlichten Statistiken für jedes einzelne Feld, unter anderem die Zahlen der Einbrüche der vergangenen Jahre, die jeweilige Tatzeit, die Art der Beute, die Art der Begehungsweise und die Zusammensetzung der Bevölkerung im Stadtteil.

Anhand dieser Daten sollte das Programm die Wahrscheinlichkeit berechnen, mit der in einem bestimmten Gebiet bald wieder Straftaten, insbesondere Einbrüche, geschehen werden. Die Software basiert grundsätzlich auf der Annahme, das Straftäter stets nach ähnlichem Muster vorgehen und sich Kriminalität demzufolge mit einem Algorithmus berechnen lasse. Tatsächlich beobachtet die Polizei seit langer Zeit, dass Autoaufbrecher oder Einbrecher oft in der gleichen Gegend für ihre Beutezüge nutzen. Der Grund dafür liegt auf der Hand: Dort kennen sie sich bereits aus, wissen um die Gewohnheiten der Menschen, die dort leben und auch um die Fluchtwege. Die neue Methode, die aus den USA stammt, ist unter dem englischen Begriff predictive policing (vorhersagenbasierte Polizeiarbeit) bekannt.

Doch die Testergebnisse mit dem neuen Computerprogramm fielen in Niedersachsen offenbar nicht zur Zufriedenstellung des Innenministeriums aus, so dass die Pläne jetzt auf Eis gelegt wurden. Datenschützer hatten bereits beim Bekanntwerden der Testversuche Alarm geschlagen. Es sei nicht klar festgelegt, mit welchen Daten das Programm gefüttert werden und wer den Vorgang überwachen sollte. Zudem kritisierten sie, dass der Datenschutzbeauftragte damals nicht über die Tests mit der neuen Software informiert gewesen war.

Michael Zgoll 02.12.2015
Bärbel Hilbig 02.12.2015