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Aus der Stadt Polizei testet Vorhersage von Verbrechen
Hannover Aus der Stadt Polizei testet Vorhersage von Verbrechen
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21:00 03.05.2015
Von Tobias Morchner
Mithilfe eines neuen Computerprogramm will die Polizei vorhersagen, wo Verbrechen stattfinden. Quelle: dpa/Symbolbild
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Hannover

Das geht aus der Antwort des Innenministeriums auf eine Anfrage der FDP im niedersächsischen Landtag hervor.

Den Angaben zufolge haben das Landeskriminalamt Niedersachsen und die Zentrale Polizeidirektion, die beide ihren Sitz in der Landeshauptstadt haben, mehrere Monate lang ein Projekt zur vorhersagenbasierten Polizeiarbeit (predictive policing) vorangetrieben. Die Tests werden derzeit ausgewertet. „Das Ziel des Projekts bestand darin, räumlich und zeitlich genaue Vorhersagen für die Begehung von Straftaten zu generieren“, teilt das Innenministerium mit.

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Für die Tests mit der neuen SoftwareSPSS Modeler“. die von IBM entwickelt wurde, haben die Behörden das Stadtgebiet in 5166 Felder unterteilt. Jedes Feld hatte eine Größe von 150 mal 150 Metern. Anschließend fütterten die Ermittler das Computerprogramm mit zahllosen Daten - beispielsweise mit der Zahl der Einbrüche in den vergangenen Jahren, mit Informationen über die Vorgehensweise der Täter, die Tatzeit und die Beute. Aus diesen Daten errechnet das Programm die Wahrscheinlichkeit, mit der in einem bestimmten Gebiet bald wieder ein Einbruch geschehen wird.

Die Software, die auch in anderen Bundesländern getestet wird, basiert auf der Annahme, dass Verbrecher stets nach ähnlichem Muster vorgehen. Tatsächlich beobachtet die Polizei, dass Einbrecher oder auch Autoaufbrecher regelmäßig in die gleiche Gegend zurückkehren. Dort kennen sie sich aus, wissen um die Fluchtwege und um die Gewohnheiten der Menschen, die dort leben. Demzufolge ließe sich Kriminalität mit einem Algorithmus berechnen. Die Polizei würde dann in den Gebieten verstärkt Streife fahren, für die der Computer eine hohe Wahrscheinlichkeit für die Begehung von Straftaten berechnet hat.

Datenschützer halten das für bedenklich. Durch das Programm könnten auch unschuldige Menschen unter Verdacht geraten, sagt der hannoversche Datenschutz-Aktivist Michael Ebeling. Auch die Landtagsfraktion der FDP steht dem Projekt skeptisch gegenüber. „Die Erprobung einer derartigen Software ist eine naheliegender Schritt angesichts der Entwicklung in anderen Technikbereichen, unter anderem bei Google. Die Frage ist nur: Welche Begehrlichkeiten werden dabei geweckt? Können beispielsweise Versicherungen auf die Berechnungen des neuen Programms zugreifen?“, sagt Stefan Birkner, stellvertretender FDP-Fraktionschef im Landtag. Er plädiert für eine frühzeitige und öffentliche Diskussion über das Thema. „Auch hätte aus meiner Sicht der Datenschutzbeauftragte des Landes mit in die Tests der neuen Polizei-Software einbezogen werden müssen“, sagt Birkner.

Das Innenministerium weist die Vorwürfe zurück. „Die in die Berechnung einfließenden Daten ließen keinen Rückschluss auf individuelle Personen zu“, heißt es in der Stellungnahme. Die Beteiligung des Datenschutzbeauftragten sei deshalb nicht erforderlich gewesen.

Conrad von Meding 03.05.2015
Tobias Morchner 03.05.2015
03.05.2015