Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Aus der Stadt Polizei untersucht Diskotumulte
Hannover Aus der Stadt Polizei untersucht Diskotumulte
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
Jetzt kostenlos Testen Zur Anmeldung
22:58 13.07.2009
Von Vivien-Marie Drews
Der Ort des Geschehens: die Diskothek Studio 6 am Raschplatz. Quelle: Martin Steiner
Anzeige

Die meisten pöbelten nur, zwei 18- und 20-jährige Männer aber gingen mit Fäusten aufeinander los. Unbekannte griffen aus dem Schutz der Gruppe heraus drei Jugendliche mit Flaschen und einem Schlagholz an. Die Polizei griff ein, doch die Masse ignorierte die Beamten zunächst. Erst durch den Einsatz von Pfefferspray gelang es der Polizei, die Situation unter Kontrolle zu bringen. Neun Personen wurden verletzt.

Was genau die Tumulte am frühen Sonntagmorgen auslöste, ist weiterhin offen. In drei von vier Körperverletzungsdelikten ermittelt die Polizei gegen Unbekannt. Als sicher gilt, dass ein Angriff mit Flaschen und Fäusten auf zwei 21 und 24 Jahre alte Männer während einer sogenannten Asia-Party in der Diskothek Studio 6 dem Streit auf dem Raschplatz vorausging. Das bestätigte gestern die Geschäftsführerin der Diskothek. Sicherheitskräfte hätten die Täter vor die Tür gesetzt. Die Polizei riefen sie nach Angaben der Beamten jedoch nicht. Durch Zufall waren Polizisten auf die stark blutenden Opfer aufmerksam geworden, als die das Studio 6 durch einen Nebenausgang verließen. Die Beamten forderten Verstärkung an. Wenig später standen die Einsatzkräfte der aufgeregten Masse gegenüber. Warum die rund 250 Jugendlichen das Studio 6 so plötzlich verlassen hatten, ist den Ermittlern bisher ein Rätsel. Die Polizei will nun das Gespräch mit den Betreibern der Diskothek suchen – auch in Hinblick auf zukünftige Veranstaltungen.

Anzeige

Asia-Partys seien dafür bekannt, dass die Stimmung unter den Gästen schnell kippen könne. Das berichten Angehörige der hannoverschen Gastroszene. Die Landeshauptstadt hat sich demnach als Veranstaltungsort für diese Partys etabliert. Ein Grund dafür ist offenbar die in Laatzen ansässige „Congregation der Vereinigten Vietnamesischen Buddhistischen Kirche in Deutschland“. Ihre Pagode „Vien Giac“ in der Karlsruher Straße ist Anlaufstelle für Buddhisten aus ganz Deutschland. Parallel zu den großen Veranstaltungen in der Pagode – aber auch darüber hinaus – organisieren junge Asiaten die Partys am Abend. Dafür mieteten sie bereits verschiedene Diskotheken an

„Wir haben von diesen Partys gehört und auch, dass es dort Spannungen gibt“, sagt Thich Hanh Gioi, Vize-Abt der Congregation in Laatzen. Die Congregation habe keinen Kontakt zu den Veranstaltern. Welche Konflikte unter den jungen Asiaten für Spannungen sorgen, kann der Vize-Abt nur mutmaßen. „Wir beobachten mit Sorge, dass asiatische Jugendliche, die in der dritten Generation in Deutschland leben, sehr intensiv nach ihren Wurzeln suchen.“ Mitunter würden dadurch alte Konflikte neu geschürt – etwa zwischen Süd- und Nord-Vietnamesen. Der Polizei sind keine derartigen Konflikte in Hannover bekannt. Die Ermittlungen in dem Fall dauern an.

Conrad von Meding 14.07.2009
Veronika Thomas 13.07.2009
Anzeige