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Aus der Stadt Polizei verstärkt Kampf gegen Internetangriffe
Hannover Aus der Stadt Polizei verstärkt Kampf gegen Internetangriffe
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00:15 08.02.2013
Wachrütteln und sensibilisieren: Polizeipräsident Axel Brockmann.
Wachrütteln und sensibilisieren: Polizeipräsident Axel Brockmann. Quelle: Behrens
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Hannover

Über sein Auskommen kann Stefan K. eigentlich nicht klagen. Der 33-Jährige betreibt einen Elektronikversandhandel in Hannover. Das Geschäft läuft gut, er kann zehn Mitarbeiter beschäftigen. Wie schnell es mit dem sorgenfreien Geschäftsleben vorbei sein kann, musste K. aber bereits einmal erleben. Von heute auf morgen war die Internetseite des Onlineshops
offline, das Unternehmen war Opfer von Cyberkriminalität geworden. Drei Wochen musste der Elektronikversandhandel mit Sitz in Hannover ohne Internetseite auskommen. Parallel forderten Unbe-kannte per Erpresserschreiben Geld zur Rücknahme einer sogenannten D-Dos-Attacke, die mit der Website einen zentralen Punkt des Versandhandels lahmgelegt hatte.

Darauf eingelassen hat sich K. nicht. Im Gegenteil. Der Jungunternehmer schaltete die Polizei ein und investierte in IT-Experten, die die Website seines Unternehmens wiederherstellten und gegen Angriffe von Cyberkriminellen besser sicherten. Letztendlich kostete die „sehr, sehr unangenehme Angelegenheit“ Stefan K. viel Nerven – und eine fünfstellige Summe.

Über die vier Jahre zurückliegende 
Attacke kann K. mittlerweile ruhig und sachlich berichten. Fünf Täter, die im Durchschnitt gerade mal 16 Jahre alt waren, wurden überführt, die Internetseite seines Unternehmens läuft längst wieder stabil. Gleichwohl ist das Gerechtigkeitsempfinden von K. verletzt. „Wir dürfen uns das nicht bieten lassen“, sagt er.

Deshalb hat er auch nicht lange gezögert, als die Polizei Hannover ihn als Beispiel für ein gestern präsentiertes Präventionsprojekt gegen heimliche Internetangriffe in Hannover heranzog. „Hannover-Botfrei“ lautet der Name der Kampagne, die mit Postkarten, Plakaten und eigener Internetseite (hannover-botfrei.de) auf Gefahren im Internet aufmerksam machen will. „Wachrütteln und sensibilisieren“, nennt Polizeipräsident Axel Brockmann die Ziele der Kampagne und verweist auf einen „erschreckend hohen Anteil“ von Internetnutzern, die sich „blauäugig und naiv“ im Netz bewegen. Auf der anderen Seite stehen oft junge Täter, die dank leicht zu bedienender Programme, und eines florierenden Austauschs in speziellen Foren ihre kriminellen Kräfte bündeln.

Die Folgen sind drastisch: Deutschlandweit sollen durch Internetangriffe Schäden in dreistelliger Millionenhöhe entstanden sein. Tendenz: steigend. „Bei uns schlagen täglich mehrere Hundert Personen auf“, erzählt Thorsten Kraft vom Verband deutscher Internetwirtschaft (Eco), der sich gemeinsam mit Polizei, Stadt und Region Hannover in der Präventionskampagne engagiert. Dass auch die Stadt mit an Bord ist, hebt Kraft hervor. Jene Kooperation sei ein Fingerzeig für die Politik. „Internetangriffe sind ein gesellschaftliches Problem, der Staat muss sich da aktiver einmischen“, sagt Kraft.

„Hannover-Botfrei“ geht es um die Aufklärung von privaten Nutzern, aber auch explizit um Unternehmer wie Stefan K. Denn gerade aufseiten der Wirtschaft sehen Experten noch große Zurückhaltung. 2012 wurden lediglich sieben Fälle in Hannover angezeigt. Die Dunkelziffer, da sind sich die Experten einig, soll aber viel höher liegen. „Wir vermuten, dass es große Ängste um die Reputation bei den Unternehmen gibt“, sagt Ulrich Jahns, Leiter des Kommissariats für Internetkriminalität.

Stefan K. hatte keine Angst. Nach der Attacke auf sein Unternehmen zögerte er nicht und schaltete die Polizei ein. Doch trotz positiven Ausgangs und Ermittlung der Täter will K. sich keine Illusionen machen: In den vergangenen Jahren blieb seine Website von Angriffen verschont, doch wirklich sicher wird sich K. wohl nie mehr im Internet fühlen.

Sicher ins Netz:

Programme aktualisieren: Bringen Sie Ihre Programme auf den neuesten Stand.

Antivirenprogramme nutzen: Ulrich Jahns, Leiter des Kommissariats für Internetkriminalität, empfiehlt kostenpflichtige Programme, da diese mehr Funktionen bieten.

Misstrauen bewahren: Öffnen Sie keine E-Mails von Absendern, die Sie nicht kennen.

Zurückhaltung: Surfen Sie im Internet  ohne Administratorenrechte.

Regelmäßiges Aufräumen: Nutzen Sie sogenannte Cleaner, die den Rechner aufräumen.

Jan Szyszka

Juliane Kaune 08.02.2013
Juliane Kaune 08.02.2013