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Aus der Stadt 600 Euro für einen Kniff ins Bein
Hannover Aus der Stadt 600 Euro für einen Kniff ins Bein
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22:19 17.01.2014
Quelle: Kristoffer Finn
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Hannover

Der Verdächtige habe ihm damals Schürfwunden an den Armen zugefügt, sagt der Beamte. Zudem habe er Schmerzen an Oberschenkel und Hals erlitten. Als Ausgleich dafür verlangt er nun 600 Euro. Zwar wurde O. bereits in einem Strafverfahren schuldig gesprochen, Widerstand gegen einen Vollzugsbeamten geleistet zu haben. Das Schmerzensgeld an den Polizisten will er aber nicht zahlen. „Ich habe P. nicht angegriffen und schon gar nicht verletzen wollen“, sagte O. gestern vor Gericht. Er habe sich nur vor Angriffen geschützt.

Am 21. Juni kam O. gemeinsam mit seiner Freundin und drei weiteren Bekannten von der Fête de la Musique. Gegen 23.40 Uhr zogen sie Richtung Hauptbahnhof, als sie von zwei Polizisten in Zivil angehalten wurden. P. und ein 44-jähriger Kollege von der Polizeiinspektion Mitte fahndeten nach Personen, die Drogen bei sich hatten. Um die Gruppe um O. kontrollieren zu können, wollten sie die Personalien aufnehmen. O. hatte jedoch keinen Personalausweis dabei, dafür eine geringe Menge Marihuana. Daraufhin wurde er vorläufig festgenommen.

Bis zu diesem Punkt stimmen die Aussagen der Parteien überein. Der Polizist sagt, O. habe sich geweigert, Namen und Adresse anzugeben. O. bestreitet das. Wegen einer Zigarette eskalierte die Situation letztlich. Die zündete sich O. an, obwohl die beiden Polizisten es ihm verboten hatten. Er habe sie dem Angeklagten daraufhin abgenommen. O. sagt, man habe ihm die Kippe aus dem Mund geschlagen.

Ab diesem Zeitpunkt ging alles schnell. Den aufgebrachten O. sah P. als Gefahr für seinen Kollegen und reißt ihn zu Boden. Bei dem Versuch, dem Verdächtigen Handfesseln anzulegen, habe dieser ihn dann in den Oberschenkel gezwickt, sagt P. Das leugnet O. nicht. P. gibt zu, dem Angeklagten daraufhin zweimal mit der Faust ins Gesicht geschlagen zu haben. Die auf der Wache gemachten Fotos von diesem Tag bestätigen das. Auf dem Weg zum Polizeiauto habe der Angeklagte ihn dann mehrfach ans Schienbein getreten, sagt P. Er habe ihm daraufhin mehrfach sein Knie in den Magen gerammt.

Zwei Zeugen sollen bei dem nächsten Termin gehört werden, dann will die Richterin entscheiden. „Sie sollten sich aber noch einmal überlegen, ob sie die Angelegenheit nicht außergerichtlich klären wollen“, mahnte sie gestern den Kläger. „Man muss nämlich überlegen, ob ihr Handeln in einer vernünftigen Verhältnismäßigkeit zu dem Verhalten des Angeklagten stand.“

Jörn Kießler

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