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Aus der Stadt Ex-Polizist bedroht Prostituierte mit Waffe
Hannover Aus der Stadt Ex-Polizist bedroht Prostituierte mit Waffe
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00:19 30.05.2015
Von Jörn Kießler
Die Seriennummer auf Handschellen mit denen die Frau gefesselt wurde führte die Fahnder geradewegs zu ihrem Kollegen. Quelle: dpa/ Symbolfoto
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Hannover

Die Staatsanwaltschaft wirft dem ehemaligen Polizisten vor, im vergangenen Jahr eine Prostituierte mit seiner Dienstwaffe bedroht und mit Handschellen gefesselt zu haben. Nachdem die Anschuldigungen gegen den heute 53-Jährigen bekannt wurden, quittierte der Oberkommissar nach 36 Jahren seinen Dienst bei der Polizeidirektion Hannover.

"Insgesamt ist er wegen vier Straftaten angeklagt", sagt Oberstaatsanwalt Thomas Klinge. "Sexuelle Nötigung mit einer Waffe, Körperverletzung sowie zwei Verstöße gegen das Waffengesetz." Einen Teil der Taten, hat der Mann bereits eingeräumt. "Jedoch widersprechen wir dem Vorwurf der schweren sexuellen Nötigung", sagt Rechtsanwalt Matthias Waldraff, der den ehemaligen Polizisten vertritt. 

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Am Freitag, den 6. Juni 2014, soll dieser gemeinsam mit einer Prostituierten, die er auf dem Straßenstrich an der Herschelstraße mitgenommen hatte, in seinem Privatwagen auf einen Parkplatz nahe dem Güterbahnhof am Weidendamm gefahren sein. Dort hatten er und die damals 33-Jährige zunächst einvernehmlichen Sex. Das soll dem Angeklagten jedoch nicht gereicht haben. Als er die Frau aufforderte, sich von ihm fesseln zu lassen und diese sich weigerte, soll er seine Waffe gezogen und sie bedroht haben. Anschließend fesselte er sie mit Handschellen an die Kopfstütze des Beifahrersitzes in seinem Auto

Anhand der Handschellen überführt

In diesem Moment kam der 33-Jährigen ein Paar zu Hilfe, das zu Fuß am Güterbahnhof unterwegs war. "Als der Mann an die Scheibe des Autos schlug, sah mein Mandant seinen Fehler ein und öffnete die Tür", sagt Waldraff. Gemeinsam schafften es das Paar, die Prostituierte aus dem Wagen zu ziehen. Dabei nahm die Frau die Handschellen mit, die sie wenig später der Polizei übergab und Anzeige erstattete.

Mit Hilfe der Fesseln kamen die Beamten ihrem Kollegen dann auch auf die Spur. Die Seriennummer der registrierten Handschellen führte die Polizei geradewegs zu dem 53-Jährigen. Zudem stellten Fahnder in der Wohnung und dem Spind des Beamten 275 Schuss Munition sicher, die nicht für seine Dienstwaffe bestimmt waren. Wo sich die Waffe befindet, für die die 9mm-Patronen bestimmt sind, ist unklar. 

"Meinem Mandanten tut die ganze Sache sehr leid", sagt Waldraff. "Er will sich in der Verhandlung auch bei seinem Opfer entschuldigen."  Zudem führte seine Reue dazu, dass der Polizeioberkommissar nicht nur seinen Dienst quittierte, sondern offenbar auch, dass er seine Tat jetzt einräumte.  "Diese Tatsache kann sich auch positiv auf das Urteil des Richters auswirken", sagt Oberstaatsanwalt Klinge. Dennoch droht dem 53-Jährigen mindestens eine Haftstrafe von fünf Jahren.

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