Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Aus der Stadt Poller-Posse: Jetzt spricht der Dezernent
Hannover Aus der Stadt Poller-Posse: Jetzt spricht der Dezernent
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:16 03.05.2015
Von Tobias Morchner
Foto: „Im Grundsatz richtig“: Harald Härke, als Dezernent für die IT-Anlage der Stadt zuständig
„Im Grundsatz richtig“: Harald Härke, als Dezernent für die IT-Anlage der Stadt zuständig. Quelle: von Ditfurth
Anzeige
Hannover

Gut gemeint – aber im Ergebnis völlig übertrieben“: Rathaus-Personalmanager Harald Härke hat am Mittwoch die Hintergründe der Pollerposse aufgeklärt, die in Hannover seit Tagen für Spott sorgt. „Wir sind über das Ziel hinausgeschossen“, sagt Härke ehrlich: „Aber wir haben dann schnell reagiert. Und der Stadt ist kein Schaden entstanden.“

Der unterirdische Technikraum in der Leinstraße, dessen Zugänge anfangs von ganzen 21 Pollern geschützt wurden, sei „ein wichtiger Knotenpunkt in der Netzstruktur der Stadt“, betont Härke. Die Verwaltung betreibt ein eigenes Intranet mit unterirdischem Kabelsystem, an das außer zahlreichen Bürostandorten auch alle Schulen, die städtischen Pflegeheime oder etwa die Feuerwehrstandorte angeschlossen sind. Von solchen unterirdischen Technikräumen gebe es zahlreiche in Hannover, betont Härke. „Normalerweise liegen sie unter Bürgersteigen, sodass wir ständig an die Schachtdeckel herankommen können, weil niemand darauf parkt.“

Härke verteidigt Polleraustausch

Im Fall der Leinstraße aber habe der Zugang wegen anderer Rohre und Leitungen nur an den Straßenrand gelegt werden können – und sei sehr häufig zugeparkt gewesen. „Das ist sensible Technik, wir müssen da im Notfall ständig Zutritt haben“, sagt Härke. Deshalb sei es „im Grundsatz richtig“ gewesen, dass die Mitarbeiter der IT-Abteilung, für die er zuständig ist, dort Sperren haben aufbauen lassen.

Die Bilder zum Pollerwald in Hannover.

Dass bei einem offiziellen Ortstermin mit der für Straßenfragen zuständigen Tiefbauabteilung die Installation von 21 Pollern verabredet worden und ein entsprechender Auftrag an eine Firma geschrieben worden sei, „das war sicherlich zu viel des Guten“. 5000 Euro hat das Projekt nach Angaben der Stadt gekostet. Idee sei gewesen, zwar das Parken von Autos zu verhindern, aber das Abstellen von Fahrrädern auf dem wenige Quadratmeter großen Areal zu ermöglichen – deshalb die eng gesetzten Pfosten.

Was aber dann am Dienstag passiert ist und der Stadt neuen Spott eingebracht hat, das verteidigt Härke vehement. Nachdem die HAZ ausführlich über die Pollerposse berichtet hatte, habe man reagiert und die 21 eckigen, rot-weißen Poller demontiert und durch zehn runde, silberfarbene Exemplare ersetzt. Aus ästhetischen Gründen, wie es bei der Stadt anschließend hieß. „Die Mitarbeiter haben die übertriebene Pollerzahl sehr schnell reduziert und ohne, dass weitere Kosten entstanden sind“, lobt Härke.

Für ihn ist der Vorgang damit erledigt. Für zahlreiche Kommunalpolitiker nicht – sie wollen die Pollerposse auch noch im nächsten Bauausschuss des Rates öffentlich zum Thema machen. Härke sieht dem gelassen entgegen. „Nun ist auch mal gut mit der Polleraufregung“, sagt er.

Von Tobias Morchner und Conrad von Meding

Rund oder eckig ist Jacke wie Hose

Herr Schepers, an der Leinstraße hat die Stadt erst ein kleines Wäldchen aus 21 rot-weißen Pollern aufgestellt. Nach allgemeiner Verwunderung wurden diese dann gegen zehn runde Poller ausgetauscht. Aus ästhetischen Gründen. Ein abrupter Kurswechsel in der Pollerpolitik. Wie bewerten Sie als Designexperte die neuen Absperrpfosten?

Tendenziell gilt wohl, dass wir runde Formen gegenüber eckigen als angenehmer wahrnehmen. Doch seien wir ehrlich: Ob rund oder eckig, das ist bei Pollern Jacke wie Hose. Poller müssen vor allem Signalcharakter haben. Rot-weiße Streifen sind da sinnvoll; unsere Wahrnehmung ist auf sie konditioniert. Das weiß jeder, der in der Fahrschule einmal Verkehrszeichen gelernt hat. Und bei Pollern zählt nun mal vor allem der Sicherheitsaspekt.

Damit reduziert man Poller doch auf ihren reinen Nutzwert ...

Nun ja, sie haben im Straßenverkehr ja auch durchaus eine Funktion: Als Autofahrer kann man froh sein, wenn man sie sieht, ehe man sie hört. Es gibt Städte wie Amsterdam oder Düsseldorf, die ihre Poller überdies mit einer Art Wappen versehen und so zu Imageträgern machen.

Geht es denn nicht um Möblierung des urbanen Raums? Die Verschmelzung von Trivial- und Hochkultur? Haben nicht auch Poller ein Recht auf ästhetische Qualität?

Sicher. Es geht um ,Public Design’, ein Thema, das man durchaus ernst nehmen soll: Mit erleuchteten Sitzbänken und den „Bus Stop“-Haltestellen hat Hannover gezeigt, wie sich öffentlicher Raum kreativ gestalten lässt. Wenn so viele Poller an einem Ort stehen wie in der Leinstraße, werden sie ästhetisch in dieser Fülle als aufdringlich wahrgenommen. Form und Farbe des einzelnen Pollers sind da fast egal. Vielleicht wäre es eine gute Idee gewesen, das Gartenamt um eine Absperrung in Gestalt blühender Pflanzen zu bitten. Das hätte einen ganz eigenen Reiz haben können.

Mit dem Design-Experten Wolfgang Schepers, viele Jahre Direktor des Museums August Kestner, sprach Simon Benne.

Mehr zum Thema

Kopfschütteln, Staunen, Rätselraten: Der HAZ-Bericht über die 21 Poller hinter der Markthalle hat am Wochenende allerhand Aufmerksamkeit erregt. Doch mit dieser Reaktion hat wohl niemand gerechnet: Die Stadt hat die umstrittenen 21 Poller entfernen lassen – und an derselben Stelle zehn andere Modelle installiert.

29.04.2015

Die 23 frisch einbetonierten Poller an der Leinstraße sorgen für Wirbel. Heftige Kritik an der Baumaßnahme der Stadt, die rund 5000 Euro gekostet hat, kommt aus den Reihen der CDU. Die Metallpfosten an der Leinstraße sind jedoch nur eine Übergangslösung - die Stadt prüft nun Alternativen.

Tobias Morchner 30.04.2015

Eine ungewöhnliche Baumaßnahme sorgt derzeit für verdutzte Gesichter bei Passanten hinter der Markthalle: Auf engstem Raum wurden dort 23 Absperrpfosten in den Asphalt eingelassen. Sie sollen das Parken auf den Einstiegen für wichtige Leitungsschächte verhindern – warum dazu aber derart viele Poller nötig sein sollen, bleibt vorerst ein Rätsel.

Michael Soboll 26.04.2015
30.04.2015
Michael Zgoll 02.05.2015
Saskia Döhner 02.05.2015