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Aus der Stadt Porsche-Fahrer scheitert mit Widerspruch
Hannover Aus der Stadt Porsche-Fahrer scheitert mit Widerspruch
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06:36 06.02.2015
Von Tobias Morchner
Mit einem bauähnlichen Porsche soll der 69-Jährige den Blitzer ausgelöst haben. Quelle: Hersteller
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Hannover

Zwar sei er geblitzt worden, aber die Ampel habe definitiv auf Gelb gestanden, der Bußgeldbescheid sei daher haltlos. „Die Lampe hat nicht rot geleuchtet“, beteuerte Klaus-Peter T. vor Gericht immer wieder.

Der Ehemann der Oberbürgermeisterin der Stadt Brandenburg an der Havel hat sich bislang im Straßenverkehr nichts zuschulden kommen lassen. Er kennt sich zudem bestens mit technischen Angelegenheiten aus. In der DDR hatte er zunächst eine Lehre als Radio- und Fernsehtechniker abgeschlossen und anschließend Funktechnik studiert. Später war er unter anderem an der Entwicklung des Farbfernsehens beteiligt. Amtsrichter Koray Freudenberg unterbreitete der 69-Jährige am Donnerstag seine ganz eigene Theorie, warum es höchst fraglich sei, dass die Ampel an jenem 7. April tatsächlich auf Rot gestanden habe.

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Geschäftstermin im Podbi-Park

Er sei wegen eines geschäftlichen Termins im Stammhaus des Keksproduzenten Bahlsen an der Podbielskistraße gewesen, sagte T. vor Gericht. Als er auf dem Rückweg die Kreuzung mit der Straße Vier Grenzen passieren wollte, habe er wegen des dichten Verkehrs kurz bremsen müssen. Anschließend will er seinen mehr als 400 PS starken Porsche noch einmal kurz beschleunigt haben, um noch bei Gelb über die Kreuzung zu kommen. Dreimal seien ihm andere Autofahrer in der Vergangenheit bereits auf sein Fahrzeug aufgefahren. Einen erneuten Unfall habe er durch dieses Manöver vermeiden wollen.

Dabei löste um genau 16.26 Uhr der Blitzer aus. „Die Ampel kann nur dann rot geleuchtet haben, wenn durch sie tatsächlich auch Strom geflossen ist - es wirkt hier die Physik“, sagte der Angeklagte. Deshalb plädierte er dafür, den sogenannten Lampenstromspeicher der Signalanlage auslesen zu lassen. Dazu solle ein zweites Gutachten erstellt werden. Um seine Theorie zu untermauern, hatte er eine kleine Versuchsanordnung mitgebracht, die er am liebsten im Gerichtssaal aufgebaut und vorgeführt hätte.

Ampelanlage funktioniert laut Gutachter

Doch Amtsrichter Freudenberg ließ das nicht zu. „Ihre Frau ist doch selbst an der Spitze einer Stadtverwaltung. Funktionieren bei Ihnen in Brandenburg die Blitzer nicht?“, wollte er von T. wissen. Ein Gutachter sei zu dem Schluss gekommen, dass die besagte Ampelanlage einwandfrei funktioniere. „Der Blitzer ist so konzipiert, dass er erst dann auslöst, wenn ein Wagen, die Haltelinie überfahren hat und die Ampel auf Rot umgesprungen ist“, sagte Freudenberg.

Auf den Fotos der Polizei sei zudem zu sehen, dass sich hinter dem Porsche gar keine anderen Autos befunden haben und somit die Gefahr eines Auffahrunfalls überhaupt nicht gegeben war. Mit diesen Worten lehnte der Amtsrichter den Antrag des Rechtsanwalts des 69-Jährigen, seinen Mandanten freizusprechen, ab. Der Angeklagte muss jetzt nicht nur die 90 Euro Bußgeld bezahlen. Er trägt auch die Kosten des Verfahrens. Noch ist unklar, ob sich der Porsche-Fahrer mit diesem Richterspruch zufriedengeben wird. Eine Woche lang hat er Zeit, über seinen Rechtsbeistand gegen das Urteil des Amtsgerichts Rechtsmittel einzulegen.

Bernd Haase 08.02.2015
08.02.2015
Tobias Morchner 08.02.2015