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Aus der Stadt „Wir wollen zurück zur Normalität“
Hannover Aus der Stadt „Wir wollen zurück zur Normalität“
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09:29 04.10.2014
Von Saskia Döhner
HsH-Präsident Josef von Helden spricht im HAZ-Interview über seine Arbeit und über Zukunftspläne der Hochschule Hannover. Quelle: Jan Philipp Eberstein
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Hannover

Herr von Helden, die ersten 100 Tage als neuer Präsident der Hochschule Hannover (HsH) haben Sie hinter sich. Wie war’s?
Es war extrem viel Arbeit, es ist eine sehr fordernde Position, die mich voll ausfüllt. Das meine ich im positiven Sinn. Das Präsidentenamt ist eine Schlüsselposition in der Hochschule. Es heißt aber auch, dass ich entscheiden und dafür geradestehen muss. Ich kann mich nicht umdrehen und die Entscheidung an jemand anders delegieren. Hinter mir ist dann keiner mehr. In den ersten Monaten habe ich ganz viel zugehört und mir in Ruhe Eindrücke verschafft.

In den vergangenen zwei Jahren hatte es an der HsH ja einige Querelen gegeben. Wie beurteilen Sie die interne Situation an der Hochschule jetzt?
Auf allen Seiten besteht ein großes Bedürfnis, zur Normalität zurückzukehren. Viel Kommunikation in alle Richtungen kann da helfen. Intern war der Zusammenhalt immer groß. Unser Hauptanliegen ist aber nicht die Beschäftigung mit uns selbst, sondern an der HsH gute Bedingungen für die Studierenden zu schaffen. Wir haben als komplett neues Präsidium die große Chance, alle Vorgänge offen und unvoreingenommen zu prüfen und neu zu bewerten.

Welche Ziele haben Sie für Ihre Hochschule?
Für die Bewerber wollen wir eine hochwertige akademische Ausbildung bieten. So haben wir zwei neue innovative Studiengänge konzipiert: Mediendesign­informatik und angewandte Mathematik. Ich habe ein Credo. Arbeitgeber sollen wissen: Wenn jemand von der HsH kommt, können sie ihn quasi blind einstellen. Wir wollen noch stärker in der anwendungsorientierten Forschung werden. Und die HsH soll auch eine attraktivere Arbeitgeberin für ihre Mitarbeiter sein. In unserem Präsidium gibt es mit Prof. Dr. Heike Dieball erstmals jemanden, der für die soziale Öffnung verantwortlich ist. Da geht es nicht nur um Studierende mit ausländischen Wurzeln oder aus bildungsfernen Schichten. Es geht darum, Teilhabe zu ermöglichen. Dazu gehören auch Barrierefreiheit und flexiblere Kinderbetreuungsmöglichkeiten, in enger Verzahnung mit Teilzeitstudiengängen und E-Learning-Angeboten. Letztere fallen in die Zuständigkeit der Vize-Präsidentin Prof. Dr. Marina Schlünz. Eine familienfreundliche Hochschule sind wir schon.

Gute Kinderbetreuungsangebote sind gut, ein fester Job für die Eltern ist aber noch besser. Viele Mitarbeiter an den Hochschulen haben nur auf kurze Zeit befristete Verträge. Wissenschaftsministerin Gabriele Heinen-Kljajic hat jüngst gesagt, dass Dreimonatsverträge für wissenschaftliche Mitarbeiter in keiner Weise zu rechtfertigen sein, wenn die Projekte drei Jahre dauerten.
Das sehe ich auch so. Im wissenschaftlichen Bereich streben wir Arbeitsverträge über eine promotionsadäquate Laufzeit von vier bis fünf Jahren an. Im nichtwissenschaftlichen Bereich sollte ein unbefristeter Arbeitsvertrag der Normalfall sein. Über das neue Fachhochschulentwicklunsprogramm des Landes und die Studienqualitätsmittel in Höhe von rund 3,5 Millionen Euro pro Semester, die den Verlust der Studienbeiträgen ausgleichen, können wir einige befristete Stellen in unbefristete umwandeln.

Ministerin Heinen-Kljajic will die Fachhochschulen bis 2020 mit rund 480 Millionen Euro stärken, die HsH soll rund 9,2 Millionen jährlich erhalten, um 465 Plätze für Studienanfänger zu sichern. Wissen Sie schon genau, wie Sie das Geld einsetzen werden?
Nein, aber wir sind in intensiven Planungen, welche neuen Studiengänge dauerhaft eingerichtet werden sollen. Das Entscheidende am Entwicklungsprogramm ist die Verstetigung dieser Mittel durch das Land über 2020 hinaus. Dieser Schritt war dringend notwendig, denn schließlich haben die Fachhochschulen den Hochschulpakt zu etwa zwei Dritteln getragen.

Welche Kriterien entscheiden, ob sich ein Studienangebot durchsetzt oder nicht?
Zum einen die Nachfrage bei den Bewerbern, dann aber auch die anschließenden Jobchancen auf dem Arbeitsmarkt, Einzigartigkeit und regionale Schwerpunkte. Hier in der Region sind die Autobranche, Banken und Versicherungen stark. Ein wesentliches Merkmal unserer Hochschule sind aber auch die vielfältigen Kooperationen mit kleinen und mittelständischen Unternehmen.

In einem Punkt kommt das Land Ihnen aber nicht entgegen: Für Fachhochschulen soll es kein eigenes Promotionsrecht geben. Ärgert Sie das?
Es gehört zu unserem gesetzlichen Auftrag, zu forschen. Und ich werde die Besten nur bekommen, wenn ich ihnen auch eine Promotionsmöglichkeit biete. Zumindest in forschungsstarken Bereichen halte ich ein eigenes Promotionsrecht für wünschenswert, wenn schon kein generelles FH-Promotionsrecht eingeführt wird.

Was wären denn die forschungsstarken Bereiche an der HsH?
Wir sind in vielen Bereichen forschungsstark und führen derzeit eine Strategiediskussion über die Schwerpunktbildung. Im Thema „Stadt der Zukunft“ – gerade ja auch ein hochaktuelles Thema in Stadt und Region Hannover – lassen sich beispielsweise unsere vielfältigen Kompetenzen in Bereichen wie Energieeffizienz, Elektromobilität, Verfahrenstechnik, Nachwachsende Rohstoffe, Informatik, Wirtschaftswissenschaften, Design, Medien und Soziales prima bündeln. Außerdem wollen wir die Zusammenarbeit mit Universitäten und außeruniversitären Forschungseinrichtungen wie an der HsH etwa am Institut für Biokunststoffe und Bioverbundwerkstoffe ausbauen.

Die Landeshochschulkonferenz spricht immer wieder von einer chronischen Unterfinanzierung und einem Sanierungsstau, gerade was die Gebäude angeht.
Dem kann ich nur zustimmen. Die Grundfinanzierung der Hochschulen muss gestärkt werden, wir brauchen Planungssicherheit. Lang vernachlässigte Bauvorhaben müssen dringend in Angriff genommen werden, auch an der HsH.

Was zum Beispiel?
Am Ricklinger Stadtweg entsteht eine neue Mensa für rund sechs Millionen Euro, in ein neues Studierendenzentrum wollen wir rund zehn Millionen Euro investieren. Der Standort in Ahlem soll langfristig gesichert werden. In den nächsten vier bis fünf Jahren werden wir wohl noch übergangsweise Räume in der Bismarckstraße in der Südstadt nutzen müssen.

Und was passiert dann mit den Gebäuden an der Bismarckstraße?
Das weiß ich nicht. Die Gebäude gehören dem Land.

Interview: Saskia Döhner

Zur Person

Josef von Helden ist seit Mai Präsident der Hochschule Hannover. Gerade hat der verheiratete Vater eines 21-jährigen Sohns und einer 20-jährigen Tochter seinen 50. Geburtstag gefeiert. Ein Problem habe er mit der neuen Null bei seinem Alter nicht, sagt er. Er halte es eher mit Reinhard Mey: „50? Was, jetzt schon?“ Der Informatikprofessor arbeitet seit 1999 an der HsH, er war dort sieben Jahre Dekan und neun Jahre Senatsmitglied. Studiert und promoviert hat er an der RWTH Aachen. Vier Jahre arbeitete er in der freien Wirtschaft und hat dort gelernt, dass gut ausgebildete Mitarbeiter das wichtigste Potenzial eines Unternehmens sind. Der HsH-Präsident stammt aus der Nähe von Mönchengladbach, und für Mönchengladbach schlägt auch immer noch sein Fußballherz. Inzwischen aber auch für Hannover 96. Seine berufliche Heimat ist die HsH, mit seiner Familie („mal Zweisamkeit mit Hund, in den Semesterferien dann Sechser-WG“) lebt er in Wennigsen am Deister. Er joggt gern mit seinem Retriever und fährt seit Jahren in den Skiurlaub zum Großglockner nach Österreich.  

Zweitgrößte Hochschule in Hannover

Die Hochschule Hannover (HsH, früher Fachhochschule) ist mit 9000 Studenten nach der Leibniz-Uni die zweitgrößte hannoversche Hochschule. An fünf Fakultäten werden mehr als 50 Studiengänge angeboten. Neben Elektrotechnik- und Informationswissenschaften werden Maschinenbau, Bioverfahrenstechnik, Wirtschaft, Informatik, aber auch Sozial- und Gesundheitswesen gelehrt. An der Expo-Plaza sind zudem Medien-, Design- und andere Kreativstudiengänge angesiedelt. Der Sitz des Präsidiums ist im Planet MID, dem früheren Bertelsmann-Pavillon. Der zentrale Campus ist am Ricklinger Stadtweg, Außenstellen gibt es in Ahlem und am Nackenberg in Kleefeld (frühere Evangelische Fachhochschule). Übergangsweise wird auch das frühere Uni-Gebäude in der Bismarckstraße mitgenutzt.

Bis zum Amtsantritt von Heldens hatte die HsH länger als ein Jahr kein regulär gewähltes Präsidium. Im März 2013 war das Führungsteam um Prof. Rosemarie Kerkow-Weil zurückgetreten. Vorausgegangen war ein Streit zwischen dem Senat und Teilen der Professorenschaft, der in der Abwahl des Präsidiums gipfelte. Im Kern ging es dabei um Besoldungszulagen der Professoren. Jetzt ist das Präsidium wieder komplett. Die HsH-Professorinnen Marian Schlünz und Heike Dieball sind nebenamtliche Vize-Präsidentinnen. Thorsten Schumacher ist neuer hauptamtlicher Vize-Präsident. Er war im vergangenen Sommer vom Land an die Hochschule abgeordnet worden, um den Interimspräsidenten Lothar Hühnerbein zu unterstützen.

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