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Aus der Stadt Präsidium der Hochschule Hannover wehrt sich gegen Abwahl
Hannover Aus der Stadt Präsidium der Hochschule Hannover wehrt sich gegen Abwahl
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09:51 01.12.2012
Von Juliane Kaune
Der markante Rundbau an der Expo-Plaza ist Sitz der Hochschule Hannover.
Der markante Rundbau an der Expo-Plaza ist Sitz der Hochschule Hannover. Quelle: Dröse
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Hannover

Das haben Präsidentin Prof. Rosemarie Kerkow-Weil und ihre drei Stellvertreter am Freitag deutlich gemacht. „Wir nehmen die Kritik sehr ernst, aber wir sind ein gutes Team und wollen weiter für die Perspektiven der Hochschule arbeiten“, stellt Kerkow-Weil klar. Um einen objektiven Blick auf die Arbeit des Präsidiums zu ermöglichen, solle eine externe Wirtschaftsprüfungsgesellschaft eingeschaltet werden.

Wie berichtet, will der Senat der Hochschule (früher Fachhochschule) am 17.Dezember einen Antrag stellen, das vierköpfige Präsidium nach nur einem Jahr Amtszeit abzuwählen - ein landesweit bisher einmaliger Vorgang. Der nächstmögliche Termin für die Abwahl, für die eine Dreiviertelmehrheit im Senat nötig ist, wäre der 10. Januar. Das gewählte 13-köpfige Gremium spiegelt das Meinungsbild an der HsH wider, ihm gehören Vertreter aller Hochschulgruppen an - von der Professorenschaft über Vertreter der wissenschaftlichen Mitarbeiter bis zu studentischen Vertretern.

Der Abwahlantrag sei für das Präsidium „sehr überraschend“ gekommen, sagt der für Forschung zuständige Vize-Präsident Prof. Henning Ahlers. Spannungen zwischen Professorenschaft und Hochschulleitung hätten sich schon länger abgezeichnet. Dass der Senat das Präsidium nun aber absetzen wolle, habe sie „erstaunt“, sagt auch Kerkow-Weil.

Die Wissenschaftler werfen dem Führungsteam vor, das Gespräch mit den Mitarbeitern zu verweigern und Entscheidungen ohne hinreichende Rücksprache zu treffen. Langjährige Zulagen für Professoren sollten gestrichen werden, es fehle Transparenz bei der Budgetplanung, und die interne Kommunikation liege faktisch brach, heißt es.

Nach Darstellung des Präsidiums ist der entscheidende Punkt für die Missstimmung die Diskussion um Leistungszulagen für die Professoren. „Angesichts der schwierigen Finanzlage der Hochschule können wir die bisherige Praxis nicht mehr verantworten“, erklärt die zuständige hauptamtliche Vize-Präsidentin Ines Schwarz. 2011 habe es im Haushalt ein Defizit von 1,24 Millionen Euro gegen, bei einem Gesamtetat von 45,7 Millionen. Rund 400000 Euro des Defizits gingen auf Zulagen zurück, die der Amtsvorgänger Kerkow-Weils gewährt habe, obwohl das entsprechende Budget ausgereizt gewesen sei. Von 240 Professoren hätten 97 Anspruch auf die Zusatzzahlungen von durchschnittlich 1080 Euro brutto im Monat, ein Drittel davon unbefristet. Darum könne man anderen Kollegen derzeit keinen entsprechenden Obolus mehr gewähren; 22 Neuanträge auf Zulagen lägen auf Eis. Schwierig sei es, in dieser Lage neue Professoren zu gewinnen, weil der Spielraum für finanzielle Anreize stark eingeschränkt sei.

Die Präsidiumsvertreter betonen unisono, dass sie die Finanzlage nicht zu verantworten hätten. „Wir haben von unseren Vorgängern eine Erbschaft übernommen, die man privat besser ausgeschlagen hätte“, sagt Ahlers. Ein zentraler Punkt sei die fast einjährige Vakanz der Stelle des hauptamtlichen Vize-Präsidenten, dem die Wirtschaftsführung obliegt. Erst im Dezember 2011 habe die Stelle wieder besetzt werden können. Kerkow-Weil musste wegen einer Konkurrentenklage zehn Monate warten, bis sie im August 2011 ihr Amt antreten konnte. „Wir müssen jetzt aufräumen, und das ist für viele Kollegen sehr ungewohnt“, sagt die Präsidentin, die unter ihrem inzwischen verstorbenen Amtsvorgänger Prof. Werner Andres schon Vize-Präsidentin für Lehre war. Die Kritik der Professoren, Gelder kämen in den Studiengängen nicht an, weist das Präsidium zurück: Noch lägen fast acht Millionen Euro auf den Konten der Fakultäten. Laut Präsidium hat es Gesprächsangebote an den Senat gegeben, ein Mediator sollte vermitteln. „Das wurde abgelehnt“, sagt Ahlers.

In der Professorenschaft gärt es weiter. „Die Missstimmung liegt nicht nur an der Finanzlage“, sagt ein Professor der Fakultät V, der namentlich nicht genannt werden will. „Demokratische Entscheidungsprozesse werden an der Hochschule außer Kraft gesetzt - das Vertrauen ins Präsidium ist nachhaltig gestört.“

Im Wissenschaftsministerium heißt es, die Situation an der HsH werde sehr genau beobachtet. Sollte der Senat das Präsidium abwählen, muss danach der Hochschulrat angehört werden, dem ausschließlich externe Vertreter angehören. Der Vorsitzende des Gremiums, Valentin Schmidt, erklärte am Freitag auf Anfrage: „Aus meiner Sicht hat ein Abwahlantrag keine Chance.“

Kommentar

Verfahrene Lage

Es ist ein landesweit beispielloser Vorgang: Das gesamte Präsidium einer Hochschule soll abgewählt werden – nach nur einem Jahr Amtszeit. Wenn sich der Senat zu einem solchen Schritt entschließt, muss einiges im Argen sein. Das lässt sich nicht auf einen Streit um finanzielle Zulagen reduzieren. Präsidentin Rosemarie Kerkow-Weil war mit dem Anspruch angetreten, mehr Kommunikationskultur in die Hochschule zu bringen. Das hat sie offenbar nicht geschafft. Wenn mögliche Fehler von Vorgängern den Neustart erschwert haben sollten, muss es gelingen, dies so transparent zu machen, dass sich die Professoren nicht vor vollendete Tatsachen gestellt fühlen. Gleichwohl riskiert der Senat mit seinem Abwahlantrag viel. Sollte das Präsidium abgesetzt werden, müsste die Hochschule erneut über Monate mit einer Übergangslösung leben – wie schon vor dem Amtsantritt von Kerkow-Weil. Das würde die Zukunftsplanung weiter erschweren. Andrerseits ist kaum vorstellbar, wie Präsidium und Professorenschaft bei einem derart gestörten Vertrauensverhältnis wieder zusammenfinden sollen. Es ist eine äußerst verfahrene Situation, in der die Hochschule Hannover steckt.

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