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Aus der Stadt „Prinz“-Stadtmagazin nur noch online
Hannover Aus der Stadt „Prinz“-Stadtmagazin nur noch online
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00:15 02.12.2012
Von Karsten Röhrbein
Das Stadtmagazin „Prinz“ ist künftig nur noch Online verfügbar - die Printausgabe wird eingestellt. Quelle: dpa
Hannover

Statt langer Texte und gefühliger Reportagen im „Neon“-Stil setzten Schumacher und der Hamburger Jahreszeitenverlag stattdessen auf Rabattcoupons und kurze, bunte Info-Häppchen. Der „Prinz“ sei die „erste Uni-Sex-Zeitschrift im Pocketformat, die ihren nutzwertigen Schwerpunkt zum Motto gemacht hat“, jubilierte Verlagsleiter Silvio Kusche. Unter dem Claim „Schnapp dir die Stadt!“ schrumpfte er das Magazin mit der Septemberausgabe aufs A5-Handtaschenformat und zog den Preis kräftig an: Er kletterte von 1,50 Euro auf 2,90 Euro.

Das kam nicht gut an. Vor wenigen Tagen gab der Jahreszeitenverlag bekannt, dass die monatlichen „Prinz“-Printausgaben eingestellt werden. Innerhalb von nur einem Jahr war die Auflage eingebrochen: 19 748-mal verkauften sich alle 14 Lokalausgaben zusammen zuletzt am Kiosk – im Vergleich zum Vorjahreszeitraum verlor das Magazin laut IVW damit 39 123 Käufer. Zusammengerechnet mit den Abozahlen (zuletzt 28 708) bedeutet das einen Auflagerückgang von 45,8 Prozent. „Unsere wirtschaftlichen Erwartungen wurden leider nicht erfüllt, aber es war richtig und wichtig, die finanziellen und ideellen Investitionen zu tätigen und Erfahrungen zu sammeln“, teilte der Verlag wortreich mit. Das Lehrgeld für das Desaster zahlen jetzt die Mitarbeiter: An den 14 Standorten sind rund 60 Jobs bedroht. Dass viele der Redakteure und freien Mitarbeiter beim „Prinz“-Onlineportal unterkommen werden, ist unwahrscheinlich.

Rabattcoupons, Info-Häppchen und austauschbare Titelthemen wie „Flirt­guide“ oder „die heißesten Weihnachtspartys“, das ist die bittere Erkenntnis der „Prinz“-Pleite, waren offenbar die falsche Antwort auf die Frage, wie ein modernes Stadtmagazin aussehen muss. Danach suchen auch andere Verlage. Denn auch die Auflage von Traditionsblättern wie „Zitty“ in Berlin geht angesichts von Gratisterminübersichten im Internet zurück.

Der „Prinz“, so schien es, war mental noch in den sorglosen Neunzigern: Schöne junge Menschen, die dem Leser vom Titelblatt zuprosteten, seichte Wohlfühlinterviews mit Popstars und Hochglanzfotos von Trendbars schmückten das Heft. Vor lauter Tests und Tipps übersah man beim Blättern fast das, was ein Stadtmagazin ja eigentlich ausmacht: die Geschichten aus der Stadt. Statt Lokalkolorit gab es zuletzt gefühlt viel zu viel Lifestyle-Mainstream.

„Hinterher“, sagt Matthias Vieregge, „ist man immer schlauer.“ Der Redaktionsleiter von „Prinz Hannover“, der wie seine Kollegen erst eine Stunde vor der offiziellen Pressekonferenz von dem Aus seines Magazins erfahren hat, wickelt zurzeit die Dezember-Ausgabe ab. Belegexemplare werden verschickt, Gespräche mit Mitarbeitern geführt, die wissen wollen, ob sie denn auch im kommenden Jahr noch Termine erfassen sollen. Mit Sicherheit sagen kann ihnen Vieregge das nicht. „Bislang gibt es kein Konzept aus Hamburg.“

Auch an den anderen 13 Standorten ist die Stimmung auf dem Tiefpunkt. Viele aus der „Prinz“-Belegschaft hielten den Relaunch vor einem Jahr für einen Fehler: Werbekunden, so erzählt einer, hätten damals irritiert gefragt, warum „Prinz“ jetzt nicht mehr der „Neon“ ähnele, sondern eher RTL II.

Irritiert hat auch die Konkurrenz den konzeptionellen Schlingerkurs verfolgt. „Der Richtungswechsel wirkte etwas ziellos“, meint etwa André Buron vom Stadtmagazin „Schädelspalter“. Auch die harte Auflage des 1976 in Hannover gegründeten Blatts ist rückläufig (laut IVW zuletzt knapp 3000 Exemplare), doch der Chefredakteur ist zuversichtlich, dass der Mix aus Terminen, kulturellen und gesellschaftskritischen Themen, der zu 90 Prozent Hannover-Bezug habe, auch künftig seine Leser findet.

Anders als der „Spalter“ präsentiert das „Stadtkind“, das Lars Kompa 2005 in Hannover gegründet hat, seinen Terminteil kostenlos im Internet. „Das kannibalisiert sich nicht“, sagt der Chefredakteur, dessen Low-Budget-Blatt vielen Kolumnisten ein Forum gibt. „Termine sind da Beiwerk.“ Überregionale Themen finden sich so gut wie nicht im „Stadtkind“. Stattdessen versucht Kompa, möglichst viele Gesichter aus Hannover zu zeigen. Die Zielgruppe, die „neue, grüne Mitte“, goutiert das offenbar – auch wenn das „Stadtkind“ im Grunde ein „Klomagazin“ sei, wie Kompa sagt.

Vor-Ort-Journalismus würden auch die „Prinz“-Mitarbeiter in Zukunft gerne machen. Die Betriebsräte verschiedener Lokalausgaben haben den Verantwortlichen in Hamburg am Mittwoch Konzepte vorgelegt, wie der „Prinz“ ihrer Meinung nach auch als Printprodukt aus der Krise kommen könnte: Von der Konzentration auf eine kleinere Zielgruppe ist da die Rede, von Bezahlschranken für ausführliche Online-Gastro-Kritiken und von längeren Texten. Hannover-Chef Vier­egge regt an, den Erfolg von hochwertig aufgemachten, ausgeruhten Magazinen wie „Landlust“ zu analysieren. „Warum gibt es keine ,Stadtlust‘?“, fragt er.

Ob eines der Konzepte die Verleger überzeugt, ist fraglich. Der Betriebsrat rechnet damit, dass noch vor Weihnachten die Kündigungen ausgesprochen werden.

 

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