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Aus der Stadt Privatisierung der Bäder bereitet Hannover Probleme
Hannover Aus der Stadt Privatisierung der Bäder bereitet Hannover Probleme
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06:15 21.11.2012
Von Andreas Schinkel
Das im Jahr 2007 privatisierte Misburger Bad droht zum Millionengrab zu werden. Quelle: Schaarschmidt
Hannover

Wegen massiven Besucherrückgangs, Sanierungsstaus und etlicher Beschwerden von Badegästen sieht sich die Verwaltung genötigt, ihren Jahreszuschuss zu vervierfachen, damit das privatisierte Bad seine Türen nicht sofort schließen muss - von 100000 auf 440000 Euro. Der Betreiber, die holländische Firma Optisport, hat ein Sanierungskonzept erarbeitet, das der HAZ vorliegt. Doch quer durch die Parteien sind sich Ratspolitiker einig, dass die nur sechs Seiten umfassenden Vorschläge zur Rettung des Bads wenig Substanz haben. „Das ist einfach zu dürftig“, sagt SPD-Sportpolitikerin Peggy Keller. So hofft der Betreiber, unter anderem mit bunten Wandgemälden, künstlichen Palmen und Discoabenden mehr Besucher ins Bad zu locken. „Das ist absolut lächerlich“, sagt FDP-Fraktionschef Wilfried Engelke.

Die Kommunalpolitiker überlegen jetzt, wie es mit dem Bad weitergehen kann. CDU und FDP sind sich einig, dass die Stadt über kurz oder lang die Badleitung übernehmen muss. „Die Eigeninitiative des derzeitigen Betreibers tendiert gegen null“, sagt CDU-Sportexperte Dieter Küßner. SPD und Grüne wollen Optisport aber noch zwei Jahre lang eine Chance geben. „Die Stadt muss jedoch genau kontrollieren, ob es Fortschritte gibt“, sagt Keller. Sollte die Bilanz 2014 noch immer mies sein, müsse entweder die Stadt oder ein Schwimmverein das Ruder übernehmen, meint Grünen-Sportpolitiker Mark Bindert. Hinter den Kulissen schließt man in der SPD nicht aus, dass das Bad am Ende aufgegeben werden muss.

Tatsächlich zählt das Bad pro Jahr nur noch 94000 Gäste. Mit 140000 Besuchern aber hatte man nach dem gut elf Millionen Euro teuren Umbau vor vier Jahren gerechnet. Die private Firma s.a.b. hatte das vormalige Stadtteilbad in einen „Gesundheits- und Badepark“ verwandelt. Das Unternehmen musste aber schnell einsehen, dass die Wellnessoase nicht angenommen wurde. Das holländische Unternehmen Optisport sprang ein, ein Besucheranstieg blieb aus. Bezahlt hat die Pannenserie am Ende die Stadt mit einem jährlichen Zuschuss, der nun massiv erhöht werden soll.

Damit hat Hannover jetzt drei „Sorgen-Bäder“. Das Hainhölzer Bad war vor einigen Jahren mit Millionenaufwand zum Naturbad umgebaut und an einen Betreiber übergeben worden. Doch nur wenige Besucher verirrten sich in das Freibad. Am Ende schmiss die Betreibergesellschaft hin, die Stadt musste die Badleitung wieder übernehmen. Rund 330000 Euro beträgt der Zuschussbedarf für das Hainhölzer Bad allein in diesem Jahr. Nicht besser sieht es beim Fössebad aus, das vom Universitätssportclub (USC) und dem Waspo Hannover geführt wird. Das Außenbecken konnte in dieser Saison nicht benutzt werden, weil die Filteranlage beschädigt war. Für knapp zwei Millionen Euro, so schlagen die Betreiber vor, könnte das marode Bad in einen „Sport- und Gesundheitspark“ verwandelt werden. Schon jetzt pumpt die Stadt jedes Jahr Geld ins Fössebad, 2012 beträgt der Zuschuss knapp 430000 Euro.

Grünen-Sportpolitiker Bindert kritisiert, die Stadt habe sich in den vergangenen Jahren zu wenig um ihre Bäder gekümmert. „Dadurch ist ein Sanierungsstau in zweistelliger Millionenhöhe entstanden“, sagt Bindert. Viel Geld sei in prestigeträchtige Projekte geflossen, etwa in die Erweiterung des Sprengel Museums. Nun sei man gezwungen, ähnlich wie für die Schulen ein Sanierungsprogramm für Bäder aufzulegen.

Die SPD-Regionsfraktion lässt sich in Sachen Stadtbahnlinie 10 eine Hintertür offen. Der mögliche neue Endpunkt soll nun vielleicht zwischen Raschplatz und Busbahnhof liegen.

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