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Aus der Stadt Kochen fürs Selbstbewusstsein
Hannover Aus der Stadt Kochen fürs Selbstbewusstsein
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22:38 02.06.2017
Von Saskia Döhner
Kochen verbindet: Petra Schulze-Ganseforth (v. li.), Rania Daoud, Najah Zeinab, Integrations-Managerin Ruth Hartmann Hevidar Rasho und Pia Liebermann. Quelle: Samantha Franson
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Hannover

Integrationsprojekte gibt es viele“, sagt Unternehmensberaterin Petra Schulze-Ganseforth, „aber die meisten richten sich an Männer. Die lernen Deutsch und sollen in den Arbeitsmarkt integriert werden, die Frauen hat kaum jemand im Blick.“

„Mehr als Kochen“ ist ein Projekt von Frauen für Frauen. Ein halbes Jahr lang haben sich die Frauen im Wunstorfer Flüchtlingsheim alle zwei Wochen getroffen und zusammen gekocht, oft auch mit ihren kleinen Kindern. Jedes Mal war eine andere Syrerin für das dreigängige Menü verantwortlich, vom Einkaufen übers Kochen bis zum Aufräumen hinterher. Erstmals seien in dem Bildband Rezepte in deutscher und arabischer Sprache veröffentlicht, die über Generationen in den Familien nur mündlich weitergegeben worden seien.

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Mit dabei waren Syrerinnen ganz unterschiedlicher Herkunft - solche fast ohne Schulbildung, aber auch Akademikerinnen. „Das Verbindende war das Kochen“, sagt Schulze-Ganseforth bei der Vorstellung des Bildbandes. Die Essenszubereitung habe in Syrien eine ganz andere Bedeutung als in Deutschland, sie dauere oft Stunden, gegessen werde dann in großen Gruppen.

„Ich habe mitgemacht, weil ich Kontakte schließen wollte“, sagt Englischlehrerin Rania Daoud (33), die mit ihrer 61-jährigen Mutter aus Damaskus nach Wunstorf gekommen ist. „Die syrische Küche ist ganz anders als die deutsche, es ist schön, dass wir das zeigen konnten.“ Mutter Najah Zeinab würde am liebsten in einem syrischen Restaurant am Herd stehen: „Ich koche so gern.“

Für die Flüchtlinge seien die Kochtage auch eine Bestätigung gewesen, die ihr Selbstbewusstsein gesteigert hätten. „Die Herausforderung macht stolz, nun wissen die Frauen, dass sie auch in Deutschland alles meistern können“, betont Pia Liebermann. Sie leitet das Flüchtlingsheim, in dem die Frauen die erste Zeit nach ihrer Ankunft gelebt hatten. Hevidar Rasho (28), Kurdin aus Aleppo, hat zwei Kinder (zwei und fünf Jahre alt). Wenn diese größer seien, würde sie auch gern arbeiten, sagt sie. Dabei ist sie offen für alles. „Ich würde gerne ausprobieren, was ich machen könnte.“

In dem Bildband sind nicht nur Rezepte, sondern auch die Geschichten der Frauen dokumentiert. „Wir haben nicht so sehr nach der Vergangenheit und Flucht gefragt, sondern nach vorn geblickt und uns nach Wünschen und Hoffnungen erkundigt“, berichtet Schulze-Ganseforth. Rasho erzählt, dass ihr auch die Begegnung mit Frauen aus anderen Teilen Syriens gefallen habe.

Das Kochprojekt war der erste Schritt. Jetzt soll es weitergehen - mit der Integration in den Arbeitsmarkt. Einige Teilnehmerinnen wollen in der Gastronomie tätig sein, eine als Schneiderin arbeiten, andere als Friseurinnen. Und regelmäßig treffen wolle man sich außerdem, ergänzt Pia Liebermann.

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