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Aus der Stadt 30 Euro für den Doktortitel aus dem Internet
Hannover Aus der Stadt 30 Euro für den Doktortitel aus dem Internet
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09:09 07.11.2013
Von Mathias Klein
Per Internetüberweisung zum Doktortitel: Bei der Miami Free Independent Church kann jeder zum Titelträger werden.
Per Internetüberweisung zum Doktortitel: Bei der Miami Free Independent Church kann jeder zum Titelträger werden. Quelle: Screenshot
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Hannover

Es war ganz einfach: Stefan P. musste nur 30 Euro überweisen, ein paar Tage später hatte er seinen Doktortitel per Post und die dazugehörige Urkunde – auf Büttenpapier mit Wachssiegel. Das war im September 2012, seitdem nannte er sich „Dr. h. c. of psychic sciences, MIC Institute, USA“. Am Mittwoch musste sich der 41-Jährige Hannoveraner dafür vor dem Amtsgericht verantworten.

„Titelmissbrauch“ lautet der Vorwurf der Staatsanwaltschaft. Das Vergehen kann mit einer Geldstrafe oder einer Gefängnisstrafe von bis zu einem Jahr geahndet werden. Der studierte Pädagoge berichtete dem Richter, dass sein Themenvorschlag für eine Doktorarbeit vom Winnicott Institut in Hannover als „unwissenschaftlich“ abgelehnt worden war. In seinen Mails sei er dann auf das Angebot einer angeblichen Kirche in Miami gestoßen, gegen eine Spende einen Ehrendoktortitel (Dr. h. c.) zu erhalten. In den USA dürfen Kirchen gegen Spenden Ehrendoktoren vergeben.

Die Miami Free Independent Church bietet unterschiedliche Doktortitel an, unter anderem als Ehrendoktor der Ufologie oder Ehrendoktor des Exorzismus. Das Angebot gibt es noch immer, derzeit kostet ein Doktortitel 100 Euro. Wer sich gleich mit einem Professorentitel schmücken will, muss 150 Euro überweisen. „Im Internet habe ich mich informiert, wenn ich bestimmte Regeln einhalte, dann wäre das rechtskonform“, sagte der „Dr. h. c.“ in der Gerichtsverhandlung.

„Dummheit schützt vor Strafe nicht“, sagte Richter Hans-Jochen Siecken. „Da muss man doch selbst drauf kommen, dass man einen Titel, der per Mail angeboten wird, nicht führen darf“, betonte er. Ähnlich äußerte sich auch der Verteidiger von Stefan P., Ulrich Kühlke. Die Kirche werbe zwar damit, dass der Kauf des Doktortitels legal sei. „Aber das war natürlich absoluter Schwachsinn, diesen Titel zu kaufen“, sagte er.

Zugleich bat Kühlke Richter Siecken zu berücksichtigen, dass sich sein Mandant derzeit auf die Prüfung zum Kinder- und Jugendpsychotherapeuten vorbereite. Eine Bestrafung wegen des falschen Doktortitels könnte sich auf die weitere berufliche Entwicklung von Stefan P. negativ auswirken, gab der Rechtsbeistand zu bedenken.

Nach zehnminütiger Verhandlung wurde das Verfahren am Mittwoch eingestellt. Stefan P. zahlt 800 Euro an die Landeskasse. „Das gilt nicht als Strafe, sondern als Denkzettel“, sagte Richter Siecken. „Und das nächste Mal sollten sie nicht alles glauben, was die Leute ihnen sagen.“ Die vermeintliche Kirche in Miami hat übrigens ein Industriemechaniker aus Schleswig-Holstein gegründet. Der Mann aus Lübeck soll mit den Titeln inzwischen mehrere 100.000 Euro eingenommen haben. Er bietet unter anderem auch Adelstitel an. Der Lord of Kerry kostet 49,90 Euro, der Graf von Falkenstein 79,90 Euro.

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