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Aus der Stadt Demonstranten fordern Halim-Dener-Platz
Hannover Aus der Stadt Demonstranten fordern Halim-Dener-Platz
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00:17 03.07.2017
Von Tobias Morchner
Quelle: Christian Behrens
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Hannover

Dem Aufruf der Organisatoren waren am Freitagnachmittag nach Angaben der Polizei rund 300 Menschen gefolgt. Gegen 17 Uhr versammelten sie sich auf dem Steintorplatz, jenem Ort an dem der damals 16 Jahre alte Kurde 1994 ums Leben kam. Sie hatten Spruchbänder und verschiedene Flaggen dabei, verteilten an die Umstehenden Handzettel. Die Polizei kontrollierte, ob auf den T-Shirts oder den Fahnen der Teilnehmer Zeichen verbotener Organisationen, beispielsweise der immer noch als Terrorgruppierung eingestuften kurdischen Arbeiterpartei PKK zu entdecken seien. Fündig wurden die Beamten allerdings nicht. Dann legten die Demonstranten auf dem Platz eine Schweigeminute in Gedenken an Halim Dener ein.

Kurdische und linke Gruppierungen sind für den vor 23 Jahren in Hannover erschossenen Halim Dener auf die Straße gegangen. Sie fordern einen gleichnamigen Platz.

"Wir werden bis zum Ende durchhalten und kämpfen mit allen uns zur Verfügung stehenden demokratischen Rechten, bis es einen Platz für Halim Dener gibt", sagt Abdullah Efe vom kurdischen Dachverband NAV-DEM. Der Bezirksrat Linden-Limmer hatte zunächst beschlossen, ein Teilstück des Pfarrlandplatzes in Linden nach Dener zu benennen. Oberbürgermeister Stefan Schostok (SPD) und der Verwaltungsrat kippten allerdings den Beschluss und verwiesen ihn zurück an den Bezirksrat. Der stimmte nach langer Diskussion erneut für die Benennung. Deswegen hat der Oberbürgermeister jetzt die Kommunalaufsicht eingeschaltet. "Andere Städte haben ja bereits gezeigt, wie es auch in Hannover gehen könnte", sagt Dirk Wittenberg vom Jugendzentrum in der Kornstraße. In Hamburg habe der Stadtbezirksrat von Ottensen einen Platz gegen den Widerstand des Rathauses nach Cemal Altun benannt - einem Asylbewerber, der 1983 aus Angst vor der Abschiebung aus dem sechsten Stock des Verwaltungsgerichts Berlin sprang und dabei ums Leben kam. "Gäbe es in Hannover einen Halim Dener Platz, müsste der natürlich mit Leben gefüllt werden, beispielsweise mit Konzerten, Filmvorführungen oder Lesungen", sagt Wittenberg. Wann die Kommunalaufsicht eine Entscheidung fällen wird, ist noch offen.