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Aus der Stadt Proteste gegen Haarmann-Musical
Hannover Aus der Stadt Proteste gegen Haarmann-Musical
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00:19 06.05.2015
Von Simon Benne
Gegen eine Musical-Aufführung über Fritz Haarmann und seine Zeit wehrt sich der Neffe eines Opfers. Quelle: dpa/Symbolbild
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Hannover

Die geplante Inszenierung eines Musicals über den Serienmörder Fritz Haarmann stößt auf Protest: „Es ist perfide, dass Haarmann zum Kunstobjekt stilisiert werden soll“, sagt Christoph Veltrup. Der 73-Jährige ist selbst Neffe eines Haarmann-Opfers. Der Serienmörder hatte einst den Bruder seiner Mutter getötet: „Wenn ich an Haarmann denke, habe ich den Schmerz meiner Mutter vor Augen“, sagt Veltrup. Dem Schauspiel Hannover droht er mit juristischen Schritten, wenn die „perversen Pläne“ umgesetzt werden sollten.

Der Dramatiker Nis-Momme Stockmann arbeitet derzeit an dem Musical „Amerikanisches Detektivinstitut Lasso“, das am 6. Februar im Schauspielhaus Premiere feiern soll. Darin geht es um den 1925 hingerichteten Serienmörder, der zwischen 1918 und 1924 etwa 24 junge Männer in seine Wohnung gelockt, missbraucht und getötet hat.

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Dass der prominente Verbrecher heute in Hannover zunehmend wie eine lokale Marke gesehen wird, passt Veltrup nicht: „Es tut dem Image der Stadt nicht gut“, sagt er. „Haben wir keine anderen Berühmtheiten?“ Er fürchtet, dass mit der Kommerzialisierung des Kriminalfalls die Monströsität von Haarmanns Verbrechen aus dem Blick geraten könnte: „Plant Oldenburg etwa schon künstlerische Aktionen für den Altenpfleger, der dort jüngst zum Serienmörder geworden ist?“, fragt er sarkastisch.

Veltrup kämpft seit Jahren gegen alle Aktivitäten zum Thema Haarmann an, die ihm geschmacklos erscheinen. Einiges hat er - teils gerichtlich - unterbunden. Auf seine Initiative stoppte eine Würstchenbude den Verkauf von „Haarmann-Leckereien“. Als das Sprengel-Museum 1992 einen Haarmann-Fries des Bildhauers Alfred ­Hrdlicka erwarb, protestierten er und viele andere gegen die Ausstellung. Das Kunstwerk verschwand fast dauerhaft im Depot des Museums. Veltrup ging auch gegen eine Haarmann-Kunstmeile auf die Barrikaden, die zur Expo geplant war. Er protestierte 2004 gegen ein Haarmann-Würfelspiel in einer Kundenzeitschrift der Stadtwerke, die sich umgehend entschuldigten, und später gegen eine Haarmann-Figur auf einem Adventskalender.

Prinzipiell sei er nicht gegen eine künstlerische Auseinandersetzung mit dem Thema, versichert er. Als 1995 der Film „Der Totmacher“ mit Götz George als Haarmann in die Kinos kam, durfte er ihn vorab sehen: „Ich halte den Film für sehr gelungen“, sagt Veltrup. „Ich bezweifle jedoch, dass ein Musical prinzipiell eine angemessene Form ist, sich mit Haarmann auseinander zu setzen.“

Inzwischen hat er zahlreiche Politiker angeschrieben, um sie auf das Thema Haarmann aufmerksam zu machen. Auch, dass es im Sprengel-Museum Überlegungen gibt, Hrdlickas Haarmann-Fries öffentlich zu zeigen, beunruhigt ihn: „Das Denkmal darf auf keinen Fall aus dem Keller kommen.“

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