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Aus der Stadt Bürger wollen gegen Müllgebühr klagen
Hannover Aus der Stadt Bürger wollen gegen Müllgebühr klagen
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00:15 16.01.2014
Von Mathias Klein
Die Müllgebühren werden bei der aha steigen.
Das hannoversche Abfallunternehmen aha erhöht die Gebühren und muss sich auf Widerstand der Bürger einstellen. Quelle: dpa (Symbolfoto)
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Hannover

Bisher hatte die Neuordnung des Gebührensystems vor allem im Umland für Aufregung gesorgt. Jetzt sind auch viele Hannoveraner wegen zum Teil drastischer Mehrkosten erheblich verärgert, einige wollen das Unternehmen vor dem Verwaltungsgericht verklagen. In zahlreichen Fällen haben sich die Kosten für die Bürger verdoppelt.

Die 80 Mitarbeiter des Unternehmens im Callcenter seien „gut beschäftigt“, berichtete aha-Sprecherin Helene Herich. Auch bei der HAZ meldeten sich am Montag verärgerte aha-Kunden. „Wir denken mit Nachbarn über eine Sammelklage nach“, berichtete zum Beispiel Joachim Klemm aus Hannover-Wettbergen. Der 60-Jährige und seine Frau haben bisher 129,60 Euro pro Jahr für die 80-Liter-Tonne mit 14-täglicher Leerung gezahlt. Jetzt sollen es 222,60 Euro sein. „Die Nachbarn sind alle erbost“, betonte Klemm und fügte an: „Mit dieser Erhöhung hat aha eine rote Linie überschritten“.

„Das ist unmöglich“, schimpfte Alfred Sachsenweber aus Davenstedt. Für sein Haus mit insgesamt fünf Bewohnern in drei Wohnungen zahlte er bislang 187,80 Euro, jetzt soll er 360,60 Euro überweisen, ein Anstieg von mehr als 92 Prozent. Noch drastischer fällt die Steigerung, bei den Hannoveranern aus, die vor ihrem Einfamilienhaus eine 60-Liter-Restmülltonne mit 14-täglicher Leerung stehen haben. Sie müssen statt 97,80 Euro im Jahr künftig 192,60 Euro zahlen. So geht es zum Beispiel Andreas Schlensag aus Bothfeld. Ihn hat die neue Gebühr überrascht. „aha hat die ganze Sache schlecht kommuniziert“, meinte er. Zuständig für den Müll in der Landeshauptstadt und im Umland ist die Region Hannover. Die Regionsversammlung hatte im Sommer die neue Gebührenstruktur beschlossen. Bisher hatte es in der Landeshauptstadt und im Umland zwei unterschiedliche Müllsysteme und auch zwei unterschiedliche Gebührensysteme gegeben. Die Hannoveraner haben bisher nur für das Tonnenvolumen bezahlt, jetzt kommt auch eine Grundgebühr dazu.

Für jeden der 578 .000 Haushalte in der Region Hannover fallen jetzt durchschnittlich 25,01 Euro pro Jahr mehr für die Müllentsorgung an, sagte aha-Sprecherin Herich am Montag. Das ergibt Mehreinnahmen von rund 14,5 Millionen Euro. Ob aber diese Summe am Jahresende tatsächlich zusammenkomme, ist unklar, wie Herich betonte. Denn die Bürger könnten jederzeit das Tonnenvolumen ändern. Das Unternehmen benötige für die Umstellung des Müllsystems im Umland für dieses und das vergangene Jahr insgesamt 19,2 Millionen Euro, erläuterte sie. Das Abfallentsorgungsunternehmen dürfe keine Gewinne machen. „Alle Mehreinnahmen fließen wieder zurück ins System“, fügte Herich an. Die Sprecherin verteidigte die Gebührenreform ausdrücklich, räumte aber ein, dass es dadurch „zwangsläufig zu einer Umverteilung“ komme. Bei einer solchen Umstellung gebe es immer Gewinner und Verlierer. Preiswerter werde beispielsweise der Bioabfall.

Die Kostensteigerung für viele Haushalte hängt laut Herich mit mehreren Faktoren zusammen, unter anderem auch mit der neuen Grundgebühr. Die Grundgebühr habe einen Anteil von 29 Prozent an den Gesamtkosten der Abfallentsorgung. „Damit werden die kostenlosen Leistungen von aha wie die Wertstoffhöfe oder die Sperrmüllabfuhr finanziert“, sagte Herich.

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