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Aus der Stadt Insolvenzverwalter soll abkassiert haben
Hannover Aus der Stadt Insolvenzverwalter soll abkassiert haben
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00:27 26.06.2014
Von Michael Zgoll
Quelle: Archiv (Symbolbild)
Hannover

Wegen Untreue und Bestechlichkeit im geschäftlichen Verkehr müssen sich seit Motnag ein Insolvenzverwalter, seine Lebensgefährtin sowie zwei Mitarbeiter der früheren SEB-Bank – 2011 von der Santander Consumer Bank übernommen – am Landgericht Hildesheim verantworten. Der Mann ist angeklagt, bei 33 Firmeninsolvenzen ohne Wissen von Schuldnern und Gläubigern und mithilfe versteckter Provisionen – „Kickback-Zahlungen“ genannt – in die eigene Tasche gewirtschaftet zu haben; die übrigen Angeklagten sollen ihm dabei geholfen haben. Das Verfahren könnte länger dauern: Die Terminierung der 5. Großen Wirtschaftsstrafkammer unter Vorsitz von Richter Helmut Blaschek reicht zunächst bis August.

Es waren überwiegend Betriebe aus der Baubranche, die der Insolvenzverwalter zwischen 2005 und 2009 abwickelte, doch auch ein Autohaus oder eine Molkerei waren darunter. Die Firmen waren unter anderem in Hannover, Neustadt am Rübenberge, Stendal und Halle angesiedelt. Die ungerechtfertigten Zahlungen an den Verwalter und seine Lebensgefährtin, so die Staatsanwaltschaft, betrugen 162.000 Euro.

Die Verlesung der Anklageschrift sowie zwei Erklärungen von Verteidiger Prof. Michael Nagel und Rechtsanwalt Matthias Waldraff, der einen SEB-Mitarbeiter vertritt, zeichneten schon am ersten Verhandlungstag ein recht klares Bild der Vorgänge. Der Insolvenzverwalter suchte 2004 eine neue Geschäftsbank, die schwedische SEB wollte sich als Verwalterbank etablieren. Damit war der Insolvenzverwalter für die Banker als Kunde interessant, brachte er doch sechs bis sieben Millionen Euro Massevermögen mit.

Doch er wollte, so erklärte Anwalt Waldraff im Namen eines Bankmitarbeiters, dass als Belohnung für den Wechsel zur SEB „etwas hängenbleibt“. Daraufhin heckten die Beteiligten einen Plan aus: Das Geld aus den Insolvenzverfahren sollte nicht konservativ auf Giro- oder Festgeldkonten angelegt, sondern mithilfe einer neu gegründeten Vermögensgesellschaft gemehrt werden. Gewinnen wollten alle: Das Massevermögen sollte wachsen, die Bank profitieren - und der Insolvenzverwalter ein außergewöhnlich großes Stück vom Kuchen abbekommen. Von der jährlichen Verwaltungsgebühr von 1,75 Prozent strich er offenkundig 0,75 Prozent ein - dem Vorwurf nach als verdeckte Provision, die über Scheinrechnungen beglichen wurde. Diese Rechnungen, die später auch von seiner 51-jährigen Lebensgefährtin ausgestellt wurden, wiesen Beratertätigkeiten auf, die laut Anklage nie in dieser Form erbracht wurden. Die Geschäfte flogen 2009 aufgrund eines internen Hinweises aus der Bank auf, es folgten Durchsuchungen bei SEB und Konkursverwalter.

Verteidiger Nagel wies darauf hin, dass sein Mandant durch zivilrechtliche Forderungen in Höhe von Hunderttausenden Euro ruiniert und physisch wie psychisch angeschlagen sei. Er warf den Ermittlern vor, es habe kein faires Verfahren gegeben. Von verdeckten Vermittlungsprovisionen könne keine Rede sein, die Rechnungen seien durch erhöhten Verwaltungsaufwand gerechtfertigt. Wie Anwalt Waldraff sagte, habe der Justiziar der SEB-Bank das interne Kalkulationsmodell als ein Geschäft im „legitimen Graubereich“ bezeichnet - das aber zugegebenermaßen „kein lupenreines Bankgeschäft alter Schule“ sei.

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