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Aus der Stadt 23-Jähriger sticht auf Mutter und Ungeborenes ein
Hannover Aus der Stadt 23-Jähriger sticht auf Mutter und Ungeborenes ein
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15:57 15.08.2017
Von Michael Zgoll
Der Angeklagte und sein Anwalt Marco Neumann im Amtsgericht.
Der Angeklagte und sein Anwalt Marco Neumann im Amtsgericht. Quelle: Tim Schaarschmidt
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Hannover

Doch seither versucht die Frau den 23-jährigen Flüchtling aus Syrien und Vater ihres Kindes zu schützen, bezichtigte gar einen anderen des Verbrechens. Seit Dienstag jedoch muss sich der 23-jährige Mamo A. vor einem Schöffengericht am Amtsgericht wegen gefährlicher Körperverletzung und versuchten Schwangerschaftsabbruchs verantworten. Es sind fünf Verhandlungstage angesetzt.

Frau konvertierte zum Islam

Nach eigenem Bekunden studierte A. in Syrien Agrarökonomie, als ihn der Einberufungsbescheid zur Armee ereilte. Er floh ins Ausland, arbeitete unter anderem sechs Monate für Unicef im Irak. Im September 2015 kam er als Asylbewerber nach Deutschland, lebte zunächst in einem Heim in Peine. Dann lernte er die junge Frau aus Hannover kennen, die wenig später zum Islam konvertierte. Im September 2016 heirateten die beiden nach islamischem Recht, nennen sich nach deutschem Recht „verlobt“.

Die Bluttat am Schollweg geschah an einem Dienstagabend gegen 19.15 Uhr. Laut Anklage hatte sich das Paar gestritten, als sich A. seiner Partnerin ohne Vorwarnung von hinten näherte und ein Messer zunächst fünfmal in ihren Rücken stieß. Das Opfer fiel aufs Bett, dann stach der Mann weiter mit der Waffe - Klingenlänge acht Zentimeter - auf die Frau ein. Staatsanwältin Kathrin Söfker nannte das Ganze einen „hinterlistigen Überfall“. A. habe Mutter und Kind zunächst umbringen wollen. Doch als die weinende Frau seinen Arm festhielt und ihm versprach, die Polizei nicht zu verständigen, besann sich der 23-Jährige eines Besseren. A. versuchte die Blutungen zu stillen und alarmierte die Rettungskräfte. Dank einer Notoperation im Friederikenstift konnte sein Opfer gerettet werden.

Polizei nimmt den Falschen fest

Noch am Tatabend bezichtigte die 21-Jährige ihren Ex-Freund, mit dem sie ein bereits vier Jahre altes Kind hat, der Tat. Der Auszubildende wurde in seiner Wohnung in der Calenberger Neustadt festgenommen und saß eine Woche in U-Haft. Seinen Beteuerungen, dass er an jenem Abend in einem Fitnessstudio und anschließend bei seiner Familie gewesen sei, glaubten die Ermittler zunächst nicht. Doch verstrickte sich das genesende Opfer immer mehr in Widersprüche - bis Mamo die Tat gestand. Daraufhin ermittelte die Polizei gegen die 21-Jährige wegen falscher Verdächtigung und Freiheitsberaubung. Dieses Verfahren wurde jedoch vorläufig eingestellt.

A. ist nicht wegen versuchten Mordes oder Totschlags angeklagt, weil er innehielt und versuchte, die Folgen der Tat rückgängig zu machen. Dieser „strafbefreiende Rücktritt“ führte dazu, ihm nur wegen gefährlicher Körperverletzung den Prozess zu machen. Dass er das Leben des Fötus bedrohte, wird juristisch als versuchter Schwangerschaftsabbruch gewertet.

Dienstag erschien die Mutter mit ihrem zwei Wochen alten Säugling vor Gericht. Wie sie dem Vorsitzenden Richter Ulrich Kleinert erklärte, ist die Tochter wohlauf. Ansonsten aber mochte die 21-Jährige den Vater ihres Kindes nicht belasten - und machte Gebrauch von ihrem Aussageverweigerungsrecht.