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Aus der Stadt Prozess um Hanfanbau in Bruchbude
Hannover Aus der Stadt Prozess um Hanfanbau in Bruchbude
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18:42 18.12.2014
Von Michael Zgoll
Bei der Razzia flogen 15 Anpflanzungen auf.
Bei der Razzia flogen 15 Anpflanzungen auf. Quelle: dpa (Symbolbild)
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Hannover

Mithilfe einer großangelegten Razzia in sechs Bundesländern sollten am 24. Juni dieses Jahres Betreiber von Marihuanaplantagen dingfest gemacht werden; tatsächlich flogen 15 Anpflanzungen auf. Der Schwerpunkt der Durchsuchungen lag mit 42 von 66 Objekten im Raum Hannover, von 45 Verdächtigen kamen drei gleich in Untersuchungshaft. Diese Männer im Alter von 31, 36 und 49 Jahren müssen sich seit Donnerstag vor dem Landgericht Hannover wegen bandenmäßigen Handeltreibens mit Betäubungsmitteln verantworten.

Die Staatsanwaltschaft wirft den drei Angeklagten vor, seit September 2013 ein Indoorplantage in Gommern (nahe Magdeburg) betrieben zu haben. Für wenig Geld kauften Ahmet T., Jochen K. und Florian K. eine echte Bruchbude auf einem abgelegenen Grundstück - die Angaben der zwei Männer, die bislang bei der Polizei ausgesagt haben, schwanken zwischen einem Kaufpreis von 4000 bis 11 000 Euro. Die Angeklagten durchbrachen eine Decke und legten Wasserleitungen zur Bewässerung in den ersten Stock, installierten dort Lampen und Lüfter. In der oberen Etage gediehen die Hanfpflanzen, im Erdgeschoss hausten die kriminellen Gärtner.

Auf 535 Pflanzen stießen die Ermittler im Juni 2014, davon waren 325 an die 1,30 Meter hoch und damit erntereif, der andere Teil war bereits abgegrast. Knapp 15 Kilogramm Marihuana fielen den Polizeibeamten bei der Durchsuchung der Räumlichkeiten in die Hände. Die Staatsanwaltschaft wirft den Angeklagten vor, die Plantage gemeinsam finanziert und den Betrieb arbeitsteilig organisiert zu haben. Ahmet T. ist wegen weiterer 72 Straftaten angeklagt: 70-mal soll er mehrere Kilo Drogen in kleinen Portionen in Hannover und Garbsen verkauft, außerdem zusätzlich drei Kilo angekauft haben.

Ein Geständnis ist gut möglich

Ausgangspunkt der deutschlandweiten Ermittlungen waren ein Großhandel für Treibhaustechnik in Laatzen und ein sogenannter Growshop in der hannoverschen Südstadt. In dem Hinterhofladen für Raucherbedarf und Treibhaustechnik werden (nach wie vor) Bewässerungssets, Wärmelampen, Dünger und Messgeräte verkauft - etwa zur Aufzucht von Tomaten oder Salat. Tipps zum Cannabis-Anbau, so sagten die Mitarbeiter bereits im Sommer, würden sie niemandem geben. Ausgehend von diesem Geschäft hatten die Ermittler eine Telefonüberwachung begonnen - und wurden bei etlichen Anrufern fündig.

Der Prozess vor der 3. Großen Strafkammer unter Vorsitz von Renata Bürgel startete Donnerstag mit Hindernissen. Weil die Verteidiger Antje Heister, Clemens Anger und Christoph Rautenstengel etliche Akten erst am Vortag oder noch gar nicht bekommen hatten, beantragten sie eine Aussetzung des Verfahrens. Diesen Antrag lehnte die Kammer zwar ab, ließ aber zumindest den nächsten, terminierten Verhandlungstag im Dezember ausfallen. Somit haben die Anwälte bis zum 8. Januar Zeit, die Akten zu studieren und sich mit ihren Mandanten zu besprechen. Ob anschließend die anberaumten 20 Verhandlungstage bis Ende März notwendig sind, erscheint fraglich. Gestern fanden erste Verständigungsgespräche zwischen den Verfahrensbeteiligten statt, die noch ohne Ergebnis endeten. Allerdings ist es gut möglich, dass die Angeklagten im Januar ein Geständnis ablegen.

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