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Aus der Stadt Anwalt schickt Aushilfe als Sündenbock vor
Hannover Aus der Stadt Anwalt schickt Aushilfe als Sündenbock vor
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00:15 05.03.2015
Von Michael Zgoll
Hier wurde der Anwalt geblitzt.
Hier wurde der Anwalt geblitzt. Quelle: Philipp von Ditfurth
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Hannover

Sein Punktekonto in der Flensburger Verkehrssünderdatei ist schon gut gefüllt, jeder weitere Punkt würde zu einem länger währenden Führerscheinentzug führen. Ursprünglich hatte das Amtsgericht gegen den Anwalt wegen falscher Verdächtigung einen Strafbefehl von 6000 Euro erlassen. Die gestrige Verhandlung endete mit einer Einstellung des Verfahrens - gegen Zahlung einer Geldbuße von 2000 Euro.

Der 65-Jährige war im Mai 2014 am Steuer seines BMW geblitzt worden. Das Foto in der Akte lässt keinen Zweifel an der Identität des Anwalts. Ende Juni sandte er den Anhörungsbogen zurück an die Ordnungsbehörde. Gefahren sei ein anderer, stand dort zu lesen – ein Teilzeitbeschäftigter aus der Rechtsanwaltskanzlei, der für Botengänge und -fahrten zuständig ist. Unterschrift? Fehlanzeige.

Aushilfe als Sündenbock

Doch ein aufmerksamer Mitarbeiter in der Bußgeldstelle erkannte den Verkehrssünder auf dem Foto wieder. Spätere Ermittlungen ergaben, dass die Schrift auf dem Anhörungsbogen nicht diejenige des 65-Jährigen war; spekuliert wurde am Montag im Gerichtssaal, dass jemand aus der Kanzlei oder seinem persönlichen Umfeld zum Stift gegriffen hat. Und natürlich drängte sich der Staatsanwaltschaft schnell der Verdacht auf, dass der Advokat die Aushilfe als Sündenbock vorgeschickt hatte, um nicht über die Schwelle der Acht-Punkte-Grenze in Flensburg zu geraten.

Der Angeklagte kam am Montag nicht zum Gerichtstermin, hatte sich krank gemeldet. Sein Verteidiger Jörn Mätzing erklärte namens seines Mandanten, der Anhörungsbogen sei „auf unerklärliche Weise“ zur Bußgeldstelle geraten. Und der 65-Jährige könne auch nicht sagen, wer die falschen Angaben notiert habe. Mätzing spekulierte, dass in der etwas chaotisch organisierten Praxis manche Sachen schon mal „außer Kontrolle geraten“ könnten.

Ein Rotlichtsünder in Robe

Richter Jörn Thyen wies darauf hin, dass der BMW-Fahrer selbst schon viele Jahre als Strafverteidiger unterwegs ist: „So dämlich kann man doch gar nicht sein, dass er glaubte, damit durchzukommen.“ Doch um weitere langwierige Ermittlungen zu vermeiden, stimmten Richter und Verteidiger schließlich dem Einstellungsangebot der Staatsanwältin zu, inklusive 2000 Euro Geldbuße. Das eigentliche Ordnungswidrigkeitenverfahren aber steht immer noch aus. Nach wie vor drohen dem Rotlichtsünder in Robe 150 Euro Geldstrafe, ein Monat Fahrverbot und der - gefürchtete - achte Punkt in der Verkehrssünderkartei.

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