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Aus der Stadt Psychisch Kranker greift Kollegin an
Hannover Aus der Stadt Psychisch Kranker greift Kollegin an
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16:57 28.11.2016
Michael K. beim Prozessauftakt. Quelle: Frank Wilde
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Hannover

Warum es genau sie getroffen hat, kann Michael K. nicht sagen. Seine 45-jährige Arbeitskollegin war einfach zur falschen Zeit am falschen Ort. Am Morgen des 18. August arbeitet er mit ihr zusammen im Stöber-Treff, einem Sozialen Kaufhaus in Hainholz. Doch plötzlich tickt der damals 42-jährige K. aus. Er beleidigt die Frau und beschwert sich über vermeintliche Bevorteilung von Türken und Kurden. Dann packt er sie am Hals und würgt sie, bis zwei Sozialarbeiter ihn von seinem Opfer trennen. Die 45-Jährige muss danach ambulant im Krankenhaus behandelt werden. Die Schwellungen heilen, doch psychisch belastet die gebürtige Serbin der Angriff noch immer, wie sie am Montag im Prozess gegen K. vor dem Schwurgericht erzählt.

K. muss sich hier seit Montag wegen versuchten Mordes verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, er habe die Kollegin aufgrund von Ausländerhass töten wollen. Doch dieser Vorwurf ist schnell vom Tisch. Ein Gutachter stützt die Aussage des Angeklagten, dass dieser unter einer paranoiden Schizophrenie leidet und damit schuldunfähig ist. So soll K. beispielsweise Stimmen gehört haben. Nun muss die Kammer unter dem Vorsitz von Richter Wolfgang Rosenbusch entscheiden, ob K. in der geschlossenen Abteilung einer psychiatrischen Klinik untergebracht werden muss oder ob eine ambulante Therapie ausreicht.

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K.s Anwalt Holger Nitz geht davon aus, dass sein Mandant in einem Anfall gehandelt hat und die Frau nicht töten wollte. „Herr K. war wegen seiner Krankheit mit der Gesamtsituation an seinem Arbeitsplatz völlig überfordert.“ Sehr zurückgezogen und verschlossen soll K. sich in dem halben Jahr, das er beim Stöber-Treff arbeitete, gegeben haben. Man hatte schon bemerkt, dass mit ihm etwas nicht stimmte und ihm deshalb einen eigenen Arbeitsplatz eingerichtet, an dem K. möglichst wenig Kundenkontakt hatte. „Trotzdem fühlte er sich von allen ungerecht behandelt“, sagt Nitz. Am Mittwoch soll das Urteil gesprochen werden.

Von Isabel Christian

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