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Aus der Stadt Darum haben Kinder so viel Spaß an Halloween
Hannover Aus der Stadt Darum haben Kinder so viel Spaß an Halloween
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18:21 29.10.2017
Von Jutta Rinas
„Angstlust“: Psychotherapeutin Eva Busch empfiehlt Eltern, Kindern ihre Freiheit zu lassen. Quelle: Clemens Heidrich
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Frau Busch, Halloween steht vor der Tür: traditionell ein Tag der Geister und Gespenster. Warum haben Kinder so viel Spaß am Gruseln?

Sie haben Spaß an dem Gefühl von Macht, das sie beim Erschrecken haben. Wenn ein Kind in einem Halloweenkostüm einen Erwachsenen so richtig erschreckt, fühlt es sich stark. Es merkt, wie viel es als kleiner Mensch bewirken kann.

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Paula und Philipp Beck probieren mit Mutter Stefanie Kostüme für Halloween an.

Was unterscheidet das gruselig schöne Gefühl von echter Angst?

Man ist nicht wirklich bedroht. Halloween ist eben nur ein Spiel, ein großes Theater mit Figuren, vor denen wir uns gruseln, obwohl wir genau wissen, dass es sich nicht um echte Vampire oder Werwölfe handelt. Kinder beginnen sehr früh, den Unterschied zwischen Imagination und Realität zu lernen. Wenn der Opa plötzlich so tut, als würde er die Nase stehlen, in dem er sie zwischen Zeige- und Mittelfinger klemmt und dann die Hand wegzieht, erschrecken sie sich - und genießen den Moment. Angstlust nennt man das auch.

Manchmal geht es an Halloween martialisch zu. Blut trieft von den Kostümen. Der größte Verkleidungsschocker ist oft der größte Hit. Manchen Eltern ist das zu brutal. Wie finden Sie entsprechende Sorge?

Albern. Die Sehnsucht, Abenteuer zu erleben, Risiken einzugehen, ist angeboren. Kinder müssen lernen, sich mit ihren Aggressionen auseinanderzusetzen - und sie wollen es auch. Beim Cowboy-und-Indianer-Spiel wird ja auch dauernd geschossen und gemetzelt. Wenn Eltern versuchen, Kinder vor allem zu beschützen, was nicht lieb und weich ist, enthalten sie ihnen einen wichtigen Teil ihrer Erlebniswelt vor.

Gibt es eine konkrete Regel, was man Kindern wann zumuten kann?

Je kleiner Kinder sind, desto weniger ist Gefühl für das „Als ob“ ausgeprägt. Wenn Kinder schlecht geträumt haben, müssen die Eltern manchmal unterm Bett nachschauen, ob dort nicht ein Gespenst hockt.

Halloween-Partys

Eine Übersicht, wo Sie in Hannover Halloween feiern können, finden Sie hier.

Und zu Halloween?

Da ist für Kinder wichtig, dass es deutliche Signale für den Spielcharakter gibt. Den meisten Masken sieht man das Künstliche, Unechte ja an. Bei einem dreijährigen Kind löst eine Vollmaske trotzdem Angst aus. Es hat keinen Augenkontakt, kann sich nicht mit Blicken über die Absichten des Anderen versichern. Im Kindergarten sollte man Halloween mit Schminke, aber ohne Masken feiern.

Für manche Kinder sind Halloweenfeiern dennoch ein echter Horror. Sie fürchten sich wirklich vor all den Gruselmasken und Verkleidungen. Was können Eltern tun?

Sie sollten das ernst nehmen. Vielleicht gehen sie, wenn es möglich ist, mit. Ansonsten: Man muss Halloween nicht feiern. Wie viel Maß an Angstlust und Spannung ein Kind aushalten will, hat auch etwas mit dem Charakter zu tun.

Interview: Jutta Rinas

Zur Person

Eva Busch ist die Leiterin des Winnicott-Instituts in Hannover. Die analytische Psychotherapeutin für Kinder und Jugendliche ist 1955 geboren. Das Institut ist ein psychosoziales Zentrum in Maschseenähe mit breitem Therapie- und Beratungsangebot, Ambulanz und einem medizinischen Versorgungszentrum. Hier werden Kinder- und Jugendlichen­-Psychotherapeuten ausgebildet, es gibt es auch Fort- und Weiterbildungen für Beratung und Therapie.

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