Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Aus der Stadt Putenfleisch mit resistenten Keimen belastet
Hannover Aus der Stadt Putenfleisch mit resistenten Keimen belastet
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
10:15 13.01.2015
Von Veronika Thomas
Keime wie der methicillinresistente Staphylococcus aureus (MRSA) verunreinigen Putenfleisch. Quelle: Jürgen Berger / Spl / Agentur F
Anzeige
Hannover

Ein Großteil des in Deutschland verkauften Putenfleisches ist nach einer Untersuchung des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND) mit antibiotika­resistenten Keimen belastet. Auf 88 Prozent der bei Discountern gekauften Fleischproben von Aldi, Lidl, Netto, Penny und Real wiesen Prüfer im Labor sowohl MRSA-Keime als auch sogenannte ESBL-bildende Keime nach. Insgesamt wurden rund 60 Proben unter anderem in den Regionen Berlin, Hamburg, Dresden, Hannover, Göttingen, München und Köln getestet.

Von den 57 Proben wiesen nach Angaben des BUND 50 durchgängig hohe Belastungen auf; sieben waren unbelastet. Von den fünf bei Aldi, Real, Netto, Penny und Lidl aus Hannover getesteten Proben waren alle mit MRSA-Keimen belastet, das Putenfleisch von Aldi war außerdem mit ESBL-bildenden Keimen belastet. Nach Angaben des BUND erhalten mehr als 90 Prozent der Puten aus industrieller Haltung während der Mast Antibiotika. Das begünstige die Bildung resistenter Keime, die mit dem Fleisch in die Küchen der Verbraucher gelangten. Das Fleisch für die Tests stammte ausnahmslos von den Top Ten der deutschen Geflügelbranche wie Heidemark, der PHW- oder der Sprehe-Gruppe.

Anzeige

In Deutschland sterben nach Schätzungen der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene jährlich bis zu 40.000 Menschen, weil Antibiotika nicht mehr wirken. Darüber hinaus könnten antibiotikaresistente Keime selbst schwere Infektionen auslösen, sagte BUND-Sprecher Rüdiger Rosenthal. ESBL-produzierende Darmkeime könnten insbesondere bei Kindern, alten und chronisch kranken Menschen eine Behandlung mit Antibiotika erschweren.

Für den BUND sind die Testergebnisse ein klares Zeichen für den fortgesetzten Antibiotikamissbrauch in der Geflügelwirtschaft und mitverantwortlich dafür, dass wichtige Medikamente ihre lebensrettende Wirkung verlieren. „Verboten werden muss jetzt vor allem der Einsatz von den in der Humanmedizin nicht selten überlebenswichtigen Reserve­antibiotika“, sagte die BUND-Agrarexpertin Reinhild Benning.

Rosenthal rät Verbrauchern, auf Putenfleisch von Biohöfen oder Haltungen mit eigener Schlachtung zurückzugreifen. Dort hatte ein Vergleichstest keinerlei Belastungen mit antibiotikaresistenten Keimen ergeben. Bei der Verarbeitung von Fleisch aus Massentierhaltung sollten strengste Hygieneregeln beachtet werden. Das Fleisch müsse immer durchgebraten werden, um alle Keime abzutöten. Fleisch und Gemüse sollten auf getrennten Schneidebrettern verarbeitet und zerkleinert werden. Bei offenen Wunden an den Händen sollten vorsichtshalber Handschuhe übergezogen werden.

13.01.2015
Mathias Klein 13.01.2015
Aus der Stadt Anschlag auf „Charlie Hebdo“ - Salafisten leugnen islamistisches Attentat
Tobias Morchner 13.01.2015