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Aus der Stadt Quälte Trinkkumpan sein Opfer zu Tode?
Hannover Aus der Stadt Quälte Trinkkumpan sein Opfer zu Tode?
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00:24 02.03.2015
Von Michael Zgoll
Totschlag, Raub und gefährliche Körperverletzung: Diese Taten soll Michal K. im Zustand veminderter Schuldfähigkeit begangen haben. Quelle: Symbolbild
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Hannover

Totschlag, Raub und gefährliche Körperverletzung: Diese Taten soll Michal K. im Zustand veminderter Schuldfähigkeit begangen haben. Äußern wollte sich der Angeklagte beim Prozessauftakt nicht - doch Zeugenaussagen deuten darauf hin, dass K. das Opfer bereits Stunden vor der Tat heftig malträtierte.

Eine 62-jährige Diakonin, morgens beim Walken, findet Ruben B. am 17. September um 6.40 Uhr unter dem Baugerüst eines Hauses am Walter-Wülfing-Ufer. Das führt dazu, dass die Polizei später spekuliert, ob sich B. vom Gerüst gestürzt hat oder unfreiwillig heruntergefallen ist. Doch diese Überlegungen sind schnell hinfällig. Zu Füßen von B., der reglos, mit blutverschmiertem Kopf, voller Hämatome und nur halb angezogen daliegt, sitzt Michal K., eine Bierflasche in der Hand. Er hocke dort schon eine halbe Stunde, erklärt er der Frau. Beschimpft den am Boden Liegenden plötzlich als „scheiß Jude“. Die Diakonin fürchtet um das Leben des Opfers, läuft auf die Brücke, bittet eine auf die Stadtbahn wartende Frau, die Polizei zu rufen. Doch die Rettungskräfte kommen zu spät - B. ist offenbar schon seit Stunden tot.

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Täter stahl sich klammheimlich davon

Michal K. hat sich klammheimlich entfernt, wird jedoch am Nachmittag in einer Wohnung in Linden-Süd festgenommen. „Lebt er noch?“, ist eine seiner ersten Fragen an die Polizeibeamten. Im Gesicht hat er Blutspuren, redet wirres Zeug und ist aggressiv.

Ruben B. wurde in Kolumbien geboren. Er kam mit drei Jahren nach Deutschland, wurde adoptiert, soll in Frankfurt aber eine unschöne Kindheit mit mehreren Heimaufenthalten erlebt haben. Sein größtes Problem wurde der Alkohol, in Hannover kam er in Kontakt mit der Trinkerszene. Er sammelte Flaschen, arbeitete in einer Fahrradwerkstatt. Und offenbar war der psychisch angeschlagene Mann das klassische Opfer. Wehrte sich nicht, wenn ihn Kumpane aus der Obdachlosenszene ärgerten. Oder schlugen. Versuchte immer witzig zu sein, machte den Kasper. Doch Michal K., gerade aus dem Gefängnis entlassen, nutzte das gnadenlos aus.

Opfer wurde gequält und gedemütigt

Am Nachmittag vor dem grausigen Fund am Ihme-Ufer tranken die beiden Männer in der Lindener Wohnung Bier und Wodka in rauen Mengen. Eine Bekannte, die ein paar Stunden dabei war, sagte am Freitag: „Michal hat sich einen Spaß daraus gemacht, Ruben zu quälen.“ Der aus Polen stammende K. forderte den Älteren auf, das Trikot der polnischen Fußball-Nationalmannschaft zu küssen. Schlug ihm mit einem Besenstiel auf den Kopf. Steckte ihm einen Nasenhaartrimmer in die Nase. Auch soll K. seinem Opfer 80 Euro entwendet haben, die dieser kurz zuvor von seinem Betreuer ausgehändigt bekommen hatte. Und das Opfer? Ließ sich alles gefallen.

Was in den frühen Morgenstunden des Folgetages genau geschah und warum Ruben B. starb - das ist bislang noch nicht zur Sprache gekommen. Der Prozess wird Mitte März fortgesetzt.

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