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Aus der Stadt Als wäre das Empire nie untergegangen
Hannover Aus der Stadt Als wäre das Empire nie untergegangen
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00:21 07.06.2014
Von Simon Benne
Foto: Herzöglich-Herzlich: Prinz Andrew begrüßt die britische Ehrenwache am Schloss.
Herzöglich-Herzlich: Prinz Andrew begrüßt die britische Ehrenwache am Schloss. Quelle: Julian Stratenschulte/dpa
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Hannover

Sonst sieht man Soldaten in leuchtend roten Uniformen und mit schwarzen Bärenfellmützen ja nur noch in Kostümfilmen. Hier aber ist alles echt: Die Soldaten der 1. Britischen Panzerdivision ebenso wie die Frauen mit den ausladenden Hüten und die Herren mit der steifen Oberlippe.

Der Britische Botschafter hat die traditionelle „Queen's Birthday Party“ aus Anlass des 300. Jubiläums der hannoversch-britischen Personalunion in diesem Jahr von Berlin nach Hannover verlegt – und Ehrengast im Herrenhäuser Schloss, wo sich Uniformierte und rund 1000 Partygäste tummeln, ist kein Geringerer als Prinz Andrew. „Die Stadt beeindruckt ihn sehr“, sagt Botschafter Simon McDonald mit gebotener Höflichkeit: „Schließlich ist sie ein wichtiger Teil der Geschichte seiner Familie.“

Der Herzog von York hat schon einen arbeitsreichen Tag hinter sich, als er in Herrenhausen ankommt: Nach dem Frühstück in Kastens Hotel Luisenhof war der 54-Jährige im Landesmuseum, später sprach er mit TUI-Managern über die Karrierechancen junger Trainees in der Tourismusbranche, und nach dem Mittagessen im Gästehaus der Landesregierung hat er noch einen Abstecher in den Georgengarten gemacht, um zugegen zu sein, wenn eine Rose auf George I. getauft wird. Lauter Dinge, die ein Royal so tut.

Am Abend von Prinz Andrews Besuch in hannover steht in Herrenhausen eine Gartenparty zu Ehren der Queen auf dem Programm: Der britische Botschafter hat die traditionelle Party wegen des 300. Jubiläums der Personalunion in diesem Jahr von Berlin nach Hannover verlegt.

Im Herrenhäuser Schloss steht zunächst ein Vortrag auf dem Programm. Britische Saalordner weisen das Publikum an, sich für den Duke of York zu erheben, als Prinz Andrew in den Raum kommt. Wenn der zweitälteste Sohn der Queen auf Reisen geht, ist jeder Schritt durchs Protokoll geregelt, nichts dem Zufall überlassen. Für einen Royal gehört es gewissermaßen zum Stellenprofil, auch im Korsett immer locker zu lächeln und ungezwungen zu wirken. Und das kann Prinz Andrew, die Nummer fünf der britischen Thronfolge, wahrhaft königlich: „Relax!“, sagt er dem Publikum, als er an seinem Platz angekommen ist, und bedeutet den Gästen mit einer kaum wahrnehmbaren Handbewegung, sich wieder zu setzen.

Der britische Historiker David Starkey bricht in seinem geistreichen Referat eine Lanze für die lange verkannten Könige der Personalunion: „Das war der Beginn einer neuen Ära“, sagt er über die Georges, die vor 300 Jahren aus Hannover nach England kamen, um über das britische Weltreich zu herrschen. Das viktorianische Zeitalter, das nach dem Ende der Personalunion 1837 anbrach, habe die Ära der „Hanoverians“ als unmoralisch und sittenlos verdammt: „Leider wurden sie nie ganz rehabilitiert“, bedauert er. Prinz Andrew scheint zu nicken.

Nach dem akademischen beginnt der gemütliche Teil: Der Botschafter bittet in den Garten. Canapés und Drinks werden gereicht. Ernst August Erbprinz von Hannover ist gekommen, ebenso wie Alexander Fürst zu Schaumburg-Lippe oder Oberbürgermeister Stefan Schostok, der am Abend zuvor mit Prinz Andrew im Rathaus gegessen hat. Britische Offiziere nippen an ihren Gläsern, als wäre das Empire nie untergegangen.

Als sich plötzlich ein heftiger Regenschauer überm Schloss entlädt, droht die Feier im Chaos zu enden. Die Gäste flüchten ins Haus. Ohne Mikrofon hält Prinz Andrew im Festsaal eine witzige Ansprache ans Festvolk: „It’s a great Pleasure to be in english Weather“, scherzt er. Dann würdigt er die historische Verbindung zwischen Hannover und Großbritannien und die Könige aus Hannover. Später erhebt er sein Glas auf den Bundespräsidenten – und als die deutsche Nationalhymne gespielt wird, legt er die Hände an die Hosennaht. Danach erklingt die Hymne, die zu Händels Zeiten mit dem Text „Heil dir, Hannover, Heil!“ gesungen wurde – „God save the Queen“.

Am Ende geht es wieder hinaus in den Garten – zum „Beating Retreat“. Bei dem militärischen Zeremoniell spielen Soldaten aus schottischen Regimentern im Highland Dress auf Dudelsäcken. Das Heeresmusikkorps intoniert „Alte Kameraden“. Der Prinz steht mit unbewegter Festtagsmiene da. Und als die Party vorbei ist, macht er sich auf dem Weg zum Flieger. Vielleicht feiert er ja daheim in London mit seiner Mutter noch im kleinen Kreis weiter.

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