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Aus der Stadt RAF nutzte „Wienerwald“ in Hannover als Terroristen-Treff
Hannover Aus der Stadt RAF nutzte „Wienerwald“ in Hannover als Terroristen-Treff
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21:18 10.02.2011
Von Wiebke Ramm
An der Limmerstraße in Hannover-Linden lag einst das Restaurant „Wienerwald“, in dem sich die RAF-Terroristen trafen. Quelle: HAZ-Archiv

Die konspirative Wohnung der RAF im Lindener Ihme-Zentrum ist ab 1976 nicht nur Treffpunkt, sondern Ausbildungsort von Terroristen für die Anschlagsserie im sogenannten Deutschen Herbst gewesen. „Ich habe in Hannover anderen RAF-Mitgliedern beigebracht, wie man Stempel herstellt und solche Dinge“, sagte der frühere RAF-Terrorist Peter-Jürgen Boock gestern an seinem zweiten Tag als Zeuge vor dem Oberlandesgericht Stuttgart.

Auch das RestaurantWienerwald“, das es damals an der Limmerstraße nahe dem Ihme-Zentrum gab, diente den Terroristen als Treffpunkt zur Vorbereitung der „Offensive 77“, die mit dem Mord an Buback begann und mit dem an Schleyer endete. Von dort aus vernetzte sich die Gruppe per Telefon, dort trafen sie sich mit weiteren RAF-Mitgliedern, die nichts von der Wohnung im Ihme-Zentrum erfahren sollten.

Boock sagte, er habe im „Klotz“, wie sie das Ihme-Zentrum intern nannten, unter anderem Silke Maier-Witt das Fälschen von Dokumenten wie Personal- und Studentenausweisen, Führerscheinen und Autokennzeichen gelehrt. Das Appartement 436 im 5. Stock an der Ihmepassage 10 war „die Werkstatt“ der RAF. „Ich habe eigentlich zu der Zeit fast alle Papiere der Gruppe gefertigt“, sagte Boock am Donnerstag. Ob er auch die Ausweise für Verena Becker, der in Stuttgart der Prozess wegen des Anschlags auf Generalbundesanwalt Siegfried Buback gemacht wird, hergestellt hat, wisse er nicht mehr. Es seien einfach zu viele Fälschungen gewesen.

Auf Nachfrage des Vorsitzenden Richters gab der 59-Jährige an, dass er neben der früheren RAF-Terroristin Maier-Witt, die wegen der Entführung und Ermordung von Arbeitgeberpräsident Hanns Martin Schleyer verurteilt worden ist, noch „drei oder vier“ weitere Mitglieder des harten Kerns der RAF unterrichtet habe. Deren Namen erinnere er jedoch nicht mehr. Zum innersten Kreis gehörten damals etwa elf Terroristen.

In der Wohnung an der Ihme hatte Boock auch Waffen hergestellt. So habe er selbst die Mordwaffe, mit der am 7. April 1977 Buback und seine beiden Begleiter in Karlsruhe erschossen wurden, präpariert. Er habe bei dem Gewehr „den Mündungsdämpfer und den Schaft“ abgesägt. „Das habe ich gemacht“, sagte Boock und erklärte: „Wenn man das alles wegmacht, dann ist das Gewehr plötzlich klein und handlich.“

Boock ist der Hauptzeuge der Anklage im Prozess gegen Verena Becker. Ihr wird vorgeworfen, den Mord an Buback maßgeblich geplant zu haben. Boocks Aussage in Stuttgart-Stammheim entlastet Becker jedoch mehr, als dass er sie belastet. Gestern betonte er erneut, dass er nicht wisse, wer die Tat konkret begangen habe. Das Prinzip der RAF sei gewesen: „Jeder sollte nur so viel wissen wie unbedingt nötig.“ Heute geht Boocks Aussage weiter.

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