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Aus der Stadt Radeln im Dienst der Wissenschaft
Hannover Aus der Stadt Radeln im Dienst der Wissenschaft
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20:20 14.08.2013
Von Bernd Haase
Die Wissenschaftler von der Hochschule Hannover wollen herausfinden, wie sich mehr Nutzer für Elektrofahrräder begeistern lassen können Quelle: Frank Wilde
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Hannover

Die Stadt Hannover und die Metropolregion lassen das für das kommende Jahr geplante Verleihsystem für Elektrofahrräder wissenschaftlich von der Hochschule Hannover begleiten. Zweck des Projekts: „Wir wollen sowohl herausfinden, wie man die Fahrzeuge optimieren kann, als auch, wie sich mehr Nutzer für Elektrofahrräder gewinnen lassen“, sagt Sven Frederic Andres, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Fakultät für Maschinenbau.

Beim städtischen Elektrofahrradverleih werden sogenannte Pedelecs zum Einsatz kommen. Geplant ist zunächst ein Netz von zehn Stationen mit je sechs Rädern, deren genaue Standorte noch nicht feststehen. „Die Auswahl ist Teil unserer Arbeit“, sagt Andres. Fest stehe aber, dass die Plätze in der Innenstadt, in der Nähe von Hochschulen und zu ausgewählten Haltestellen des Nahverkehrs liegen sollen. Insgesamt fließen knapp zwei Millionen Euro in das auf zunächst drei Jahre angelegte Pedelec-Projekt, zu dem auch ein zweites Vorhaben im Landkreis Goslar gehört.

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Während in Hannover die Funktionalität der Räder im Stadt- und Pendlerverkehr im Vordergrund steht, geht es im Harz eher um touristische Aspekte. Die Stadt Hannover ist mit 750.000 Euro dabei. Sie sucht derzeit für den Fahrradverleih, für den es in dieser Form bisher kein Vorbild in deutschen Städten gibt, in einer europaweiten Ausschreibung einen Betreiber. Erst dann werden auch die Preise feststehen, die für das Ausleihen verlangt werden, sowie die genauen Buchungsmodalitäten. Geplant ist, dass Kunden per Handy oder per Internet buchen und zahlen.

Die Wissenschaftler von der Hochschule Hannover wollen derweil herausfinden, wie sich mehr Nutzer für Elektrofahrräder begeistern lassen können – „auch vor dem Hintergrund, ob und wie das Angebot später fortgeführt und sogar noch ausgeweitet werden kann“, sagt Andres. Elektrorädern hafte häufig noch das Image eines Seniorengefährtes an. „Dabei sind sie unter bestimmten Gesichtspunkten, beispielsweise als Transportfahrrad, auch für junge Nutzer interessant“, sagt Andres. Eine weitere Zielgruppe seien Unternehmen, die Wert auf Mitarbeitergesundheit legen und ihre Belegschaft zum Radeln animieren wollen.

Auch um die technische Ausstattung kümmern sich die Mitarbeiter der Hochschule. Stephen Hölzel von der Fakultät für Elektrotechnik hat gestern ein Modell präsentiert, das über ein induktives Ladesystem für den Akku sowie einen Mechanismus verfügt, bei dem das Aggregat nicht nur für den Antrieb genutzt, sondern auch durch Muskelkraft wieder aufgeladen werden kann (siehe Kasten). Wer sehen will, wie das funktioniert: Auf der IdeenExpo, die in eineinhalb Wochen auf dem Messegelände startet, ist die Hochschule vertreten und baut einen Elektrofahrrad-Parcours auf.

So funktionieren Pedelecs

Elektrorad oder E-Bike lautet der Oberbegriff für Fahrräder, die nicht ausschließlich durch Muskelkraft angetrieben werden. Bei den Pedelecs handelt es sich um die gebräuchlichste Variante. Der Radler erhält durch einen Akku Tretkraftunterstützung; das Fahren fällt leichter. Allerdings schaltet sich das Aggregat bei Tempo 25 aus – wäre das nicht der Fall, würde das Pedelec rechtlich als Mofa gelten, was bei manch anderem E-Bike der Fall ist. Wer mit dem Gefährt schneller fahren will, muss schwitzen. Die Reichweite, bis zu der der Akku hilft, hängt von der Intensität der Nutzung ab. Schöpft man den eingebauten Rückenwind voll aus, kommt man etwa 50 Kilometer weit, bevor das Gerät ausgetauscht oder aufgeladen werden muss.

An der Hochschule Hannover haben die Wissenschaftler neue Ladetechniken entwickelt. Zum einen kann ein Akku über ein Modul an der Vordergabel mit Magnetstrom aufgeladen werden, wenn man es in einen speziellen Ständer schiebt; der Fahrer muss nicht mehr mit Kabeln hantieren. Zum anderen kann das Aggregat während des Fahrens durch Muskelkraft gespeist werden. Dann allerdings, so ergab ein Selbstversuch des Autors, fällt das Treten so schwer, dass dafür eigentlich nur Gefällestrecken infrage kommen.

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