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Aus der Stadt Keine Scheu vor Eis und Schnee
Hannover Aus der Stadt Keine Scheu vor Eis und Schnee
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22:53 04.12.2013
Von Michael Zgoll
Foto: Hannovers Radfahrer werden immer winterfester.
Hannovers Radfahrer werden immer winterfester. Quelle: Conrad von Meding (Archiv)
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Hannover

Radfahren nur im Sommer, das war einmal: Immer mehr Radler satteln auch im Winter auf. In Hannover gibt es inzwischen 100 Kilometer Radwege, die der Abfallentsorgungsbetrieb aha bei Schnee und Eis ebenso bevorzugt räumt wie Hauptverkehrsstraßen. aha hat zudem eine 30-Kilometer-Teststrecke durch List, Vahrenwald und Sahlkamp eingerichtet, deren Radwege im Ernstfall von speziellen Kehrmaschinen mit salziger Solemischung besprüht werden. Auch sind mit Spikes bestückte Winterreifen für Fahrräder schon länger auf dem Markt. Nun soll ein neues Produkt von Continental – ohne Spikes – bei Nässe und Schnee besonders gut greifen; zum Leidwesen vieler Radfahrer ist es aber derzeit nicht in allen Größen lieferbar.

Tipps zum Winterdienst

Wichtige Infos zum Winterdienst gibt es auf der Internetseite von aha.

Die ersten Glatteistage der frischen Wintersaison hat Hannover bereits hinter sich, die ersten Stürze von Radlern wurden auch schon gemeldet. Ein deutliches gemindertes Unfallrisiko besteht auf einem Kurs von Bödeker- und Ferdinand-Wallbrecht-Straße über Vahrenwalder Straße, Sahlkamp und Eulenkamp bis zur Podbi: Dort waren die Solesprüher von aha in den vergangenen Tagen bereits im Einsatz. Auch auf dem 100-Kilometer-Radwegenetz, berichtet Pressesprecherin Anke Voigt, sei punktuell schon gestreut worden. Auf diesen Trassen von Abelmann- bis Wallensteinstraße räumt der Abfallwirtschaftsbetrieb im Bedarfsfall auch an den Wochenenden; der Einsatz von Salz ist hier ebenfalls nicht untersagt.

Seit geraumer Zeit verkauft das Zweirad-Center Stadler in Linden-Süd jeden Winter rund 15 Prozent mehr Winterreifen als im Vorjahr, schätzt Niederlassungsleiter André Klunker. Falle Schnee, schnelle die Nachfrage oft so rasant in die Höhe, dass die Winterware ausverkauft sei. Für Daniel Schramm, Leiter der BOC-Filiale in Wülfel, hat der Boom 2010 begonnen – und nimmt immer mehr Fahrt auf. „Seit Ende Oktober haben wir schon halb so viele Winterreifen verkauft wie in der gesamten Wintersaison davor“, sagt er. „Winterreifen für Zweiräder sind qualitativ besser geworden“, nennt Harald Hogrefe vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) einen gewichtigen Grund. „Für den Alltagsradler in einer Stadt wie Hannover, der das ganze Jahr über umweltfreundlich unterwegs sein will, machen solche Reifen durchaus Sinn“, ergänzt der Sprecher des örtlichen ADFC.

Doch hat jede Bauart Stärken und Schwächen. Gut aufgepumpte Spikesreifen der neuesten Generation weisen auf Asphalt weniger Rollwiderstand auf, nageln weniger stark und sind somit leiser als die Bereifung früherer Jahre. Die beste Wirkung auf eisglattem Untergrund entfalten die Pneus allerdings, wenn sie bei relativ wenig Luftdruck breit aufliegen. „Wenn man Spikes mit sehr wenig Luft fährt, besteht aber wiederum das Risiko, dass einzelne Stifte herausgedrückt werden“, weiß Daniel Schramm. Nichtsdestotrotz gelten Spikesreifen, wie sie beispielsweise Marktführer Schwalbe in mehreren Varianten anbietet, auf eisglatten Straßen als beste Wahl.

Auch der Weltkonzern Continental experimentiert mit Fahrradwinterreifen, will sich auf dem Markt profilieren. Vor Jahren erlitt man Schiffbruch mit einem Modell, in das Mikrogranulat eingearbeitet war. Nun aber gibt es eine an die Pkw-Technologie angelehnte Neuentwicklung mit einer verhältnismäßig weichen Gummimischung, die gute Traktion bis minus 25 Grad verspricht. „Bei häufig wechselnden Bedingungen im Winter ist der Reifen optimal“, meint Conti-Produktmanager Sascha Heller aus dem Werk Korbach, wo die Fahrradreifen produziert werden. Besonders griffig sei der neue Premium-Faltreifen Top Contact Winter auf nassem Asphalt und Schnee, eingeschränkt tauglich auf Eis.

Doch sind viele Radler und Fahrradhändler aus Hannover derzeit verärgert, weil der frisch gebackene Winter-Allrounder zwar als 26-Zöller und schmaler 28er lieferbar ist, aber nicht in der viel gefragten Größe von 28 Zoll mit 42er Breite. „Ich habe diesen Reifen auf Wunsch etlicher Kunden schon im Oktober bestellt, aber die Großhändler haben einfach nichts auf Lager“, klagt etwa Geschäftsführer Michael Schauerte vom gleichnamigen Fahrradgeschäft in der Südstadt. „Die Nachfrage ist extrem hoch, das haben wir offenbar falsch eingeschätzt“, gibt Conti-Manager Heller zu. Zum nächsten Winter solle es diese Engpässe aber nicht mehr geben, man wolle dem zunehmenden Bedürfnis nach Zweiradmobilität zu jeder Jahreszeit gerne Rechnung tragen. Bis dahin müssen Radfahrer möglicherweise auf andere Winterreifen ausweichen, um auf Kurs zu bleiben – es könnte schon sehr bald wieder rutschig werden.

Anlieger müssen Gehwege räumen

Vielleicht fällt schon morgen der erste Schnee in diesem Jahr – doch der Abfallwirtschaftsbetrieb aha ist gerüstet. 260 Mitarbeiter und 100 Streu- und Räumfahrzeuge stehen bereit, um 2000 Kilometer Straßen und Fußgängerüberwege in Hannover von Schnee und Eis zu befreien – und zahlreiche Radwege.

Viel befahrene Haupt- und Durchgangsstraßen sowie Zufahrten zu Krankenhäusern, Feuerwachen und Polizeidienststellen werden zuerst geräumt, und das auf einer Streckenlänge von 450 Kilometern. In einer zweiten Stufe kümmern sich die Winterdienstler von aha um kleinere Verbindungsstraßen. Um Pflanzenwelt und Grundwasser vor Salz zu schützen, sind abstumpfende Streumittel wie Splitt und Sand erste Wahl; nur bei außergewöhnlichen Witterungsverhältnissen kommt Feuchtsalz zum Einsatz.

Für die Sicherheit auf Gehwegen sind die anliegenden Grundstückseigentümer verantwortlich. Die Räum- und Streupflicht, darauf weist der Abfallwirtschaftsbetrieb hin, kann sich je nach Lage des Grundstücks auch auf die Gehwege zu den Haltestellen öffentlicher Verkehrsmittel erstrecken. Auf Bürgersteigen darf nur Split oder Sand verwendet werden, Salz ist lediglich auf Treppen und Rampen erlaubt. Anlieger sollen, so die Bitte von aha, auch die Zugänge zu den Müllbehältern schnee- und eisfrei halten.

Die Pflicht zum Freihalten der Bürgersteige bei Eis und Schnee besteht werktags von 7 bis 22 Uhr sowie sonn- und feiertags von 8 bis 22 Uhr. Der Abfallentsorger hat im Stadtgebiet mehr als 1000 Streusandkisten aufgestellt, aus denen sich die Bürger kostenlos bedienen können.

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