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Aus der Stadt Rätselraten über den Abgang von Kleine
Hannover Aus der Stadt Rätselraten über den Abgang von Kleine
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21:52 24.07.2014
Von Albrecht Scheuermann
Derzeit wird das Sparkassen-Hochhaus am Raschplatz für 100 Millionen Euro umgestaltet. Es ist nicht die einzige Baustelle, die auf den neuen Chef wartet. Foto: von Ditfurth Quelle: Philipp von Ditfurth
Hannover

Der 54-Jährige hatte am Mittwoch völlig überraschend sein Amt niedergelegt. Sein Vertrag läuft zum Jahresende aus, bis dahin befindet er sich im Sonderurlaub. Als Begründung für den Schritt wurden nach der Sondersitzung des obersten Entscheidungsgremiums der Sparkasse, des Verwaltungsrates, lediglich „persönliche Gründe“ genannt.

 Alle Beteiligten, die genauere Details kennen, hüllen sich in Schweigen - das heizt die Gerüchteküche an. Menschen, die es wissen müssten, sind sich sicher, dass es sich um einen verkappten Rauswurf handelt. Kleine soll selbst die Gründe dafür geliefert haben. „Der Verwaltungsratsspitze blieb nichts anderes übrig, als seine Ablösung zu betreiben“, erklärte ein Insider. Allerdings gibt es auch Vermutungen, dass hinter den Vorgängen eine Intrige stecken könnte, deren Urheber „im politischen Raum“ zu finden seien. Andere Kenner der Szene weisen diesen Verdacht jedoch zurück.

Seinem Nachfolger bei der Sparkasse hinterlässt Kleine jedenfalls auch eine Baustelle. Um die Kosten zu senken und das Institut „zukunftsfähig zu machen“, sollen 200 von insgesamt 1900 Vollzeitstellen bis 2015 wegfallen. Inzwischen wurde allerdings ein Vertrag mit der Gewerkschaft ver.di geschlossen, um den Jobabbau im Einvernehmen über die Bühne zu bringen. Entlassungen sind ausgeschlossen. „Der Haustarifvertrag zur Zukunftssicherung ist aktuell der einzige seiner Art in Deutschland“, hatte Kleine Ende März betont.

Und dann bleibt da eine Baustelle im wörtlichen Sinn: Derzeit wird das Hochhaus am Raschplatz als Verwaltungssitz der Sparkasse für mehr als 100 Millionen Euro völlig umgestaltet.

Kleines Verdienste für das hannoversche Geldinstitut sind unbestritten. Er hatte den Chefposten 2004 in einer schwierigen Situation angetreten. Erst kurz zuvor war die sechstgrößte Sparkasse Deutschlands durch die Fusion von Stadtsparkasse und Kreissparkasse entstanden. Diese war noch lange nicht verarbeitet. Vor allem die Kreissparkasse hatte erhebliche Erblasten mitgebracht, die Mitarbeiter der beiden Häuser grenzten sich voneinander ab, und auch an der Spitze knirschte es gewaltig: Bernhard Schäfer (früher Kreissparkasse) und Harald Quensen (früher Stadtsparkasse) konnten gar nicht miteinander.

Als neuer Spitzenmann gelang es Kleine jedoch, die Fraktionskämpfe im Haus zu beenden und das Zusammenwachsen zu fördern. Vor allem sah es Kleine als seine Aufgabe an, der Sparkasse zu einer aktiveren Rolle am Markt und damit zu höheren Einnahmen zu verhelfen. Die Mitarbeiter sollten nicht in den Filialen auf Kundschaft warten, sondern selbst für mehr Geschäft sorgen. „Vertrieb zieht“, war seine Devise.

Kleine ist ein kontaktfreudiger Mensch, der sowohl innerhalb der Sparkasse als auch außerhalb in den unterschiedlichsten Gremien das Gespräch suchte - von der Sparkassenorganisation über die Kommunalpolitik bis zur Bankenaufsicht. Er gilt jedoch auch als ein Fachmann, der sich in den Details etwa des Kreditgeschäftes bestens auskannte.

Kleine ist durch und durch ein Sparkassen-Mann. Einen Großteil seines 1976 begonnen Berufslebens hat er bei der Sparkasse Bremen verbracht. Dort hatte er es bis zum Vorstandsmitglied gebracht, bevor er das Angebot aus Hannover annahm.

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