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Aus der Stadt Randale überschattet Sieg von Hannover 96 gegen Dynamo Dresden
Hannover Aus der Stadt Randale überschattet Sieg von Hannover 96 gegen Dynamo Dresden
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09:03 01.11.2012
Tumultartige Szenen vor der AWD-Arena in Hannover. Quelle: Droese
Hannover

Die Lage eskaliert gegen 19 Uhr am Südeingang der AWD-Arena. Die Stimmung unter den Dresdener Fußballfans ist aggressiv. Sie wollen keine Kontrollen am Einlasstor – und brechen durch. Zu Dutzenden stürmen sie auf die Ordner los, klettern über Zäune, demolieren die Absperrungen. Dem Sicherheitspersonal an den Eingängen wird die Lage zu gefährlich, die Ordner weichen machtlos zur Seite. Die Fans rennen ins Stadion, zünden ihre verbotenen bengalischen Feuer. Rauch zieht auf über der AWD-Arena. Erst als die Bereitschaftspolizei eingreift, die in Schutzanzügen verpackten Beamten Ketten bilden und die Fußballanhänger massiv zurückdrängen, beruhigt sich die Lage. Doch die erste Bilanz ist alles andere als erfreulich: Mehrere Personen werden verletzt, wie viele, ist zunächst unklar. In der Leitstelle im Stadion verfolgt Innenminister Uwe Schünemann (CDU) die Geschehnisse, vor dem Südeingang hat Hannovers Polizeivizepräsident Thomas Rochell Stellung bezogen.

„Wir wussten, dass die Dresdener Hooligans durchbrechen wollen“, sagt Polizeisprecher Dirk Hallmann später. Dafür seien die Fußballanhänger aus Sachsen bekannt. Sie versuchten so, die Kontrollen zu umgehen und verbotene Feuerwerkskörper ins Stadion zu bringen. Die Polizei Hannover habe sich auf genau dieses Szenario vorbereitet. Die Dinge gerieten dennoch außer Kontrolle.

Dabei hatte der Fußballtag eigentlich ganz ruhig begonnen. Rund zehntausend Fans waren im Laufe des Tages nach Hannover gereist, um am Abend die komplette Südtribüne der AWD-Arena zu füllen. Das hat es noch nie gegeben in der Geschichte des Gastgebers Hannover 96 – ein Viertel des Stadions wird dem Gegner überlassen. Aber während die Anhänger von Dynamo Dresden auf den Rängen später nicht zu übersehen und überhören sein werden, bleibt es in der Innenstadt in den Stunden vor dem Spiel ruhig.

Am späten Nachmittag suchen einige Dresdener Fans die Kneipen in der Altstadt auf. Viele sind es nicht. Sie wissen: Dieser Bereich ist 96-Revier. In einem Lokal lehnen kräftige Männer an der Theke, einer trägt eine Glatze, Kapuzenpullover, Turnschuhe. Bier steht auf dem Tresen. Sie wollen nichts zu tun haben mit der Zeitung. Kein Foto, kein Wort. „Haut ab!“, ruft einer. Dann spricht jemand aus der Runde im Sinne aller: Nach dem Spiel wollen sie alles geben, darauf könne man sich verlassen.

Gegen 18 Uhr erreichen Hunderte Dynamo-Fans mit Pkw und Bussen den Obi-Parkplatz an der Elise-Meyer-Allee in Linden. In Begleitung der Polizei sollen sie von dort zum Stadion ziehen. Doch manche Dresdener haben keine Lust, sich an die Vorgaben der Polizei zu halten. 15 Personen werden in Gewahrsam genommen.

Für das Pokalspiel zwischen Hannover 96 und Dynamo Dresden am Mittwoch trifft die Polizei starke Sicherheitsvorkehrungen. Mehr als 10.000 Dynamo-Anhänger, darunter 500 Hooligans, werden in Hannover erwartet.

Zur gleichen Zeit ändert sich auch die Lage in der Altstadt vorübergehend. An der Markthalle gehen etwa 50 Fußballanhänger aufeinander los. Die Polizei greift ein, schnell ist die Situation wieder unter Kontrolle. Doch keiner weiß, wie lange die Ruhe währt. Die Stimmung ist angespannt. Fotografen werden von Fußballfans aus Dresden immer wieder massiv bedroht.

Über das soziale Netzwerk Facebook hält die Polizei die Fans über die Lage auf dem Laufenden. Gegen 19.30 Uhr veröffentlichen die Beamten eine klare Ansage: „Unterlasst den Druck auf die Eingänge. Wir werden massiv gegen all diejenigen vorgehen, die versuchen, dort durchzubrechen. Ein Wasserwerfer wird jetzt in Stellung gebracht.“ Fans von Dynamo Dresden eilt der Ruf voraus, nicht zu den friedlichsten in Deutschland zu gehören. Darauf war die Polizei Hannover eingestellt – und vorbereitet.

Aber die Sache mit der Friedfertigkeit ist mitunter eine Sache der Interpretation, es kommt darauf an, mit wem man spricht. Marcel, 27, Vereinsmitglied von Dynamo Dresden, sagt: „Das sind nur eine Handvoll Leute.“ Und sein Kumpel Silvio, 38, meint: „Die Medien spielen das immer hoch.“ Den beiden Dresdenern gefällt, dass Hannover 96 entschieden hat, den Dynamo-Fans die komplette Südtribüne zu überlassen. Den ganzen Abend über brennen dort die Bengalos. Auch auf den anderen Tribünen werden Feuerwerke gezündet. Es steigt noch mehr Rauch auf, über der AWD-Arena an diesem Fußballabend. Marcel und Silvio sehen nicht, was daran problematisch sein sollte. „Da stirbt keiner, da wird keiner erschossen. Das gehört einfach dazu.“

Manche 96-Fans sehen das genauso. Nicht nur am Südeingang musste die Polizei am Mittwoch eingreifen. Im Norden versuchten auch hannoversche Fans, das Stadion zu stürmen.

Von Tobias Morchner und Gunnar Menkens

Dieser Artikel wurde aktualisiert.

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