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Aus der Stadt Putzfrau bewirft Wohnungstür mit Eiern
Hannover Aus der Stadt Putzfrau bewirft Wohnungstür mit Eiern
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00:15 21.05.2015
Von Michael Zgoll
Quelle: dpa
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Hannover

Der hannoversche Amtsrichter Lars Römermann verurteilte die 38-Jährige wegen ihrer rassistischen Beleidigungen zu einer Geldstrafe von 400 Euro. Doch bleiben Zweifel, ob die Frau aus diesem Urteil ihre Lehren ziehen und die multikulturelle Vielfalt dieser Stadt akzeptieren wird.

Die auf Treppenhäuser spezialisierte Putzfrau wohnt im Erdgeschoss eines siebenstöckigen Mietshauses im Sahlkamp. Zwei Etagen über ihr leben ein 40-jähriger Ivorer und seine 27-jährige Lebensgefährtin mit zwei Kindern. Um den Unmut auf die Familie zu erklären, unterbreitete die 38-Jährige dem Gericht einige befremdliche Geschichten. So habe das Paar gelegentlich Teppich oder Tischdecke auf seinem Balkon ausgeschüttelt, dabei seien Fingernägel und Brotkrumen auf ihren Balkon gesegelt. Diese Brotkrumen, offenbar afrikanischer Herkunft, habe ihr Hund vertilgt - und davon Durchfall bekommen.

Rohes Ei gegen die Wohnungstür

Im September 2014 platzte der Frau der Kragen. Sie tobte durchs Treppenhaus, stieß rassistische Beleidigungen aus und bewarf die Wohnungstür der ivorischen Familie. Vor Gericht räumte die 38-Jährige ein, ein rohes Ei geschleudert zu haben. Doch tatsächlich flogen wohl zwei Wurfgeschosse.

Die beiden Opfer der Beleidigungen blieben vor Gericht sehr ruhig und sachlich. In bestem Deutsch schilderte der Ivorer, dass dem Übergriff im Vorjahr bereits andere, abstruse Verdächtigungen der Treppenhausreinigerin vorausgegangen waren. Unabhängig von der offenbar grundsätzlich fremdenfeindlichen Einstellung der Frau esse man im heimischen Haushalt auch kein afrikanisches Brot, sondern bevorzuge griechisches Fladenbrot. Dass dieses bei Hunden Durchfallerkrankungen verursacht, wies der Mann weit von sich - und merkte an, dass die Krümel auf dem Balkon der 38-Jährigen auch aus irgendeinem anderen Haushalt des siebenstöckigen Hauses stammen könnten.

Der Gerichtstermin war anberaumt worden, weil die Reinigungskraft gegen einen Strafbefehl Einspruch eingelegt hatte. Und auch in der Verhandlung zeigte sich die Frau weiter uneinsichtig. Sie wirkte verspannt, konnte sich nicht zu einer Entschuldigung durchringen. So gab ihr Richter Römermann einen guten Rat mit auf den Heimweg: Sie solle sich zusammenreißen und ihre Einstellung zu Menschen anderer Hautfarbe überdenken - sonst stehe sie bald wieder vor Gericht.

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