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Aus der Stadt Ratsmehrheit stimmt für Wasserkraftwerk in Döhren
Hannover Aus der Stadt Ratsmehrheit stimmt für Wasserkraftwerk in Döhren
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21:46 11.01.2010
Von Conrad von Meding
So soll es aussehen: Das umstrittene Wasserkraftwerk in Döhren.
So soll es aussehen: Das umstrittene Wasserkraftwerk in Döhren. Quelle: AUF Eberlein
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Anwohner haben gut 200 Unterschriften eggen das geplante Wasserkraftwerk gesammelt, im Rathaus von Hannover kündigten sie am Montag „eine Prozesslawine“ an: „Das wird eine Beschäftigungsförderung für Anwälte.“ Die Anwohner fürchten nasse Keller und Tiefgaragen, dauerhaften Lärm vom Betrieb und erneut Risse in den Gebäuden wie auch schon 2004, als das alte Leinewehr neu gebaut und dafür in Teilen trockengelegt worden war. Ganze Häuserblöcke hätten Risse bekommen, Fliesen seien von den Wänden gefallen, berichtete eine Anwohnerin. Dafür habe die Stadt zwar Entschädigungen gezahlt – nochmal wolle man das aber nicht erleben.

In einer Sondersitzung haben zwei Ratsausschüsse am Montag den Vorvertrag mit dem Investor gebilligt – mit rot-grüner Mehrheit und gegen den Widerstand der Ratsopposition. Gefallen sind die Würfel damit aber noch lange nicht: Jetzt startet das zeit- und kostenintensive Planfeststellungsverfahren mit zahlreichen Gutachten etwa zur Bodenbeschaffenheit oder zur Hydrologie.

Die Turbinen im östlichen Leinearm sollen einen über Jahrhunderte genutzten Wasserkraftstandort wiederbeleben. Wobei Ingenieur Wolfgang Scheffler, der dort wohnt und für die Anlieger spricht, darauf hinwies, dass es einst einen dritten Leinearm gegeben haben muss, der bei Hochwasser überschüssige Fluten abtransportierte: „Der Leinearm ist wohl zugeschüttet worden, als die Neue Heimat das Gebiet bebaut hat, deshalb kann die Situation nicht mit der heutigen verglichen werden.“ Scheffler demonstrierte anhand von Datenreihen, dass für den Kraftwerksbetreiber in den vergangenen Jahren nur selten optimale Wasserstände zur Stromproduktion bestanden hätten – meist lag der Pegel unter der erhofften Höhe von 54,28 Metern über dem Meeresspiegel. Ingenieur Frank Gries von der Firma Heidt & Peters, die für die Stadt häufig als Gutachter arbeitet, zeigte hingegen, wie der Wasserstand künftig flexibel reguliert werden kann – mithilfe eines sogenannten Schlauchwehres, für das das erst 2004 komplett erneuerte große Wehr in Döhren völlig umgebaut werden muss. Am Ende biete es aber einen verbesserten Hochwasserschutz gegenüber der derzeitigen Situation.

Jens Meyburg (FDP) stellte die Frage nach der Wirtschaftlichkeit des Projektes– und prangerte Ungleichbehandlung an, weil die Stadt dem Betreiber kostenlos das Grundstück überlässt. „Jeder Eisdielenbetreiber in Hannover muss zahlen, wenn er zwei Stühle auf den Bürgersteig stellt“, sagte Meyburg: „Hier aber bekommt ein Investor sogar noch eine Geldgarantie.“ Tatsächlich soll der Bauherr 300 000 Euro vorab erhalten, muss dafür aber garantieren, dass er mindestens 1300 Megawattstunden Strom pro Jahr ökologisch produziert – Klimaausgleich für den Bau der Ökosiedlung In der Rehre am Rande Wettbergens, die von den dortigen Bauherren bezahlt wird.

Bei der Abstimmung stellten CDU-Vertreter Natur- und Anwohnerschutzargumente in den Vordergrund, Vertreter von Rot-Grün lobten den Anspruch, mit regenerativer Energie die Klimabilanz in Hannover zu verbessern. Rot-Grün formulierte zudem einen Sonderpassus: Damit möglichst wenig Fische in den Turbinen leiden, sollen moderne Techniken wie etwa Rollrechen zum Einsatz kommen, die aber keinen zusätzlichen Lärm machen dürfen – den Anliegern zuliebe.

Veronika Thomas 11.01.2010
Conrad von Meding 12.01.2010