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Aus der Stadt Rechnung nach zehn Jahren ist nichtig
Hannover Aus der Stadt Rechnung nach zehn Jahren ist nichtig
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21:23 22.12.2014
Von Michael Zgoll
Wie Richter Reinhard Wiehe urteilte, stehe es nicht im Belieben des Zahnarztes, wann er eine Rechnung erstellt. Quelle: Symbolbild
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Hannover

Wie Richter Reinhard Wiehe urteilte, stehe es nicht im Belieben des Zahnarztes, wann er eine Rechnung erstellt. Vielmehr müsse er seine Abrechnungen innerhalb „angemessener Frist“ erstellen und zustellen - und acht oder zehn Jahre seien sicher nicht angemessen.

Eine Beamtin aus Hannover hatte den nahe Freudenstadt residierenden Zahnarzt im Sommer 2001 während eines Schwarzwaldurlaubs aufgesucht. Es ging um die Wurzelbehandlung eines Zahns, im Kiefer oben rechts heftig schmerzend. An elf Tagen nahm die Frau im Behandlungsstuhl Platz, hoffte auf die Rettung des entzündeten Zahns - letztendlich vergebens. Denn der Schwarzwald-Doktor hatte den Wurzelstift falsch platziert, sodass der Patientin der Wackelkandidat nach dem Urlaub von einem anderen Mediziner gezogen werden musste. Als dann Monat um Monat und Jahr um Jahr keine Rechnung aus dem Schwarzwald kam, meinte die Beamtin, aus dem Schneider zu sein.

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Umso größer war ihr Erstaunen, als sie im November 2011 eine Rechnung erhielt. Noch erstaunlicher: Die Kostenaufstellung über 4082 Euro datierte vom 11. August 2009. Doch der Zahn, eine gerechtfertigte Forderung eintreiben zu dürfen, wurde dem Doktor von Reinhard Wiehe gezogen. Niemand habe ihn daran gehindert, so der Richter, seiner Patientin zeitnah eine Rechnung zu schreiben. Auch habe ihm klar sein müssen, dass er eine Urlauberin verarztete, die er nach 2001 wahrscheinlich nie wiedersehen würde. Durch seine Untätigkeit habe der Mediziner einen „Vertrauenstatbestand“ geschaffen; irgendwann habe sich die Patientin darauf einrichten dürfen, dass er seine Forderung nicht mehr geltend mache. Auch habe der Doktor keinerlei Grund benannt, der zehn Jahre nach der Behandlung einen Honoraranspruch rechtfertigen würde.

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