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Aus der Stadt „Nur Pseudobeteiligung für die Öffentlichkeit“
Hannover Aus der Stadt „Nur Pseudobeteiligung für die Öffentlichkeit“
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00:16 29.07.2014
Von Bernd Haase
Die umstrittene Stromautobahn zwischen Wilster in Schleswig-Holstein und Grafenrheinfeld in Niederbayern soll Windstrom aus dem Norden in den Süden Deutschlands transportieren. Quelle: dpa /Symbolbild)
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Hannover

„Es gibt keinen sachlichen Diskussionsprozess, sondern nur eine Pseudobeteiligung für die Öffentlichkeit“, sagte de Witt am Sonnabend bei einer Informationsveranstaltung im Regionshaus in Hannover. Der Experte für großangelegte Planungsverfahren berät die Region und weitere benachbarte Landkreise in Sachen Südlink.

Die Stromautobahn zwischen Wilster in Schleswig-Holstein und Grafenrheinfeld in Niederbayern soll Windstrom aus dem Norden in den Süden Deutschlands transportieren, damit es dort nicht dunkel wird, wenn im Rahmen der von der Bundesregierung beschlossenen Energiewende im Jahr 2022 die letzten Atomkraftwerke abgeschaltet werden. Betreiber und Planer der Trasse ist das holländische Staatsunternehmen Tennet, Genehmigungsbehörde ist die Bundesnetzagentur. Der bisher vorgesehene, ein Kilometer breite Korridor würde die Region Hannover auf Burgwedeler Stadtgebiet erreichen, im Osten an Hannover vorbei Richtung Süden führen und in Pattensen das Regionsgebiet verlassen.

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Tennet hatte seit Bekanntwerden des Korridors im Februar eine ganze Reihe an Informationsveranstaltungen sowohl für die Öffentlichkeit als auch für Kommunalpolitiker und Verbände angeboten. Zwei davon fanden in Großburgwedel und Lehrte statt und waren gut besucht. Das liegt daran, dass viele Menschen sich nicht damit abfinden wollen, in Zukunft 70 Meter hohe Strommasten vor der Haustür stehen zu haben. An einigen Orten entlang der Trasse haben sich Bürgerinitiativen gegründet. Die meisten sehen die Notwendigkeit des Stromtransports und der dadurch benötigten neuen Leitungen durchaus ein. Sie fordern aber wahlweise andere Streckenverläufe oder eine unterirdische Führung durch Erdkabel.

„Tennet hat die Bürger viel und häufig beteiligt, aber das ist eine Showveranstaltung“, kritisierte de Witt vor 200 Besuchern im Regionshaus. Grund sei, dass einzelne mit der komplexen Materie rund um Netzausbau und Energiewende überfordert seien. „Außerdem gibt es noch keinen konkreten Antrag für den Trassenverlauf, so dass noch gar nicht fest steht, wer direkt betroffen ist“, erklärte der Berliner. Wenn dieser Antrag vorliege, seien die Fristen für die weiteren Planungsabschnitte einschließlich des endgültigen Genehmigungsverfahrens „irreal kurz“.

Antrag wird erst im Herbst gestellt

Tennet hat versprochen, bisher eingegangene Bedenken und Anregungen der Bürger einschließlich Änderungsvorschläge zum Verlauf des Korridors abzuarbeiten und gegebenenfalls auch zu berücksichtigen. Das verzögert den Prozess. Ursprünglich wollte das Unternehmen den Antrag noch vor den Sommerferien stellen. Als neuen Termin nannte Thomas Wagner, eigens berufener Referent für Bürgerbeteiligung bei Tennet, den Herbst. Mutmaßungen eines Besuchers, politzischer Druck etwa aus Bayern würde das Verfahren verzögern, verwies der Vizepräsident der Bundesnetzagentur, Peter Franke, ins Reich der Fabel.

Die Veranstaltung trug den Titel „Region im Dialog“, litt aber teilweise darunter, dass einzelne Vertreter etwa aus der Kommunalpolitik sie als willkommene Gelegenheit betrachteten, öffentlich Grundsatzreferate zum Thema Energiewende zu halten. Beim Publikum kam das weniger an. Am Ende blieb eine Erkenntnis, die Regionspräsidente Hauke Jagau schon in seinen Grußworten zu Beginn der Veranstaltung gesagt hatte: „Konsens herrscht darüber, dass wir eine Energiewende brauchen und dass es auch danach überall in Deutschland Strom geben sollte.“ Alles andere sei eigentlich ein Expertenthema und deshalb schwierig.

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