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Aus der Stadt Kein Kuchen beim Ortstermin
Hannover Aus der Stadt Kein Kuchen beim Ortstermin
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00:24 11.10.2014
Von Michael Zgoll
Um die Funtkionstüchtigkeit eines Gasherdes zu prüfen, lud der Richter in einer Verhandlung zum Ortstermin.  Quelle: Symbolfoto
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Hannover

Es galt, die Funktionstüchtigkeit eines Gasherds zu prüfen, über den zwei ältere Damen - Vermieterin und Mieterin - über Kreuz geraten waren. Doch die Gerichtsverhandlung in einer Wohnung in der Calenberger Neustadt endete ohne Backprozess. In Gegenwart ihrer Anwälte und des Richters machten die beiden Frauen reinen Tisch und schlossen einen Vergleich.

Die Mieterin wohnt seit mehr als 30 Jahren in der Calenberger Neustadt. Zu Beginn des Mietverhältnisses hatte ihr die Vermieterin einen Gasherd Marke Neff in die Küche gestellt. Dieser hatte, nicht verwunderlich nach all der Zeit, in diesem Sommer seinen Geist aufgegeben. Doch das Nachfolgemodell aus dem Hause Gorenje erfüllte die Erwartungen der Mieterin nicht. Der Backofen, so behauptete sie, sei noch nicht einmal zum Backen eines einfachen Kuchens geeignet; er könne die Temperatur nicht halten. Doch mit ihrer Forderung, einen anderen Herd gestellt zu bekommen, biss die Frau bei ihrer Vermieterin auf Granit. Die Folge: Sie zog vor Gericht.

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Ein erster Verhandlungstermin im September brachte keine Annäherung. So stand denn zur Debatte, einen Sachverständigen mit einem Funktionstest des Herds zu beauftragen. 1000 bis 2000 Euro hätte ein solches Gutachten gekostet. Doch Richter Knepper hatte eine bessere Idee: Er bat zum Ortstermin. Um sich ein möglichst unverfälschtes Bild von den Qualitäten des Gorenje-Herds machen zu können, sollte eine auch für Kochnovizen beherrschbare Fertigbackmischung in die Röhre geschoben werden. Wäre der ordnungsgemäß angerührte und minutengenau erhitzte Zitronenkuchen misslungen, hätte der Herd nicht gut dagestanden.

Doch überraschenderweise blieb der Backofen in der Wohnung der Mieterin am Mittwoch kalt. Denn nach einigen Debatten stimmten die beiden Frauen einem Vergleichsvorschlag zu - einem Kompromiss, den ihnen das Gericht schon im September aufgetischt hatte. Der Gorenje wird laut Vereinbarung aus Wohnung und Mietvertrag entfernt, stattdessen zahlt die Vermieterin der Klägerin einmalig 500 Euro. Von diesem Geld kann sich die langjährige Mieterin nun einen Herd ihrer Wahl kaufen, mit Ober- und Unterhitze ganz nach eigenem Gusto. Und vielleicht lädt sie ihre Vermieterin dann irgendwann einmal zum Kaffeetrinken ein - zu einem Stück Zitronenrührkuchen aus der Packung oder zum Crostata al limone nach eigenem Rezept.

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