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Aus der Stadt Region Hannover observiert gefährliche Hunde
Hannover Aus der Stadt Region Hannover observiert gefährliche Hunde
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20:32 18.05.2015
Von Michael Zgoll
Tödliche Beißerei: Ein Jagdhund der hier gezeigten Rasse Deutsch Drahthaar (links) verletzte ein etwas kleineres, aber durchaus kräftiges Tier der Kampfhundrasse Staffordshire Terrier (r.) so schwer, dass dieses eingeschläfert werden musste. Quelle: Symbolbilder/Montage
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Hannover

Verordnete Auflagen können die Verpflichtung zum Anlegen eines Maulkorbs oder ein ständiger Leinenzwang sein. Diese Observierung läuft wie in Agentenfilmen ab: Mitarbeiter beobachten Grundstücke, fotografieren Hund und Halter und führen Buch über ihre Beobachtungen. Vor dem Amtsgericht wurde gestern der Fall eines 72-jährigen Arztes verhandelt, der gegen einen Bußgeldbescheid über 1000 Euro Einspruch eingelegt hatte. Seine Jagdhündin namens Lotte, ein Deutsch Drahthaar, hatte einen Kampfhund so schwer verletzt, dass dieser eingeschläfert werden musste. Daraufhin stufte die Region Lotte als gefährlich ein – und verhängte Sanktionen.

Drei Mitarbeiterinnen des Teams Veterinärwesen, so Regionssprecherin Sonja Wendt, kümmern sich um die Observierung von Hunden und deren Haltern – neben ihren sonstigen Aufgaben bei der Region. Sie werden aber nur aktiv, wenn sich Bürger melden, die Verstöße gegen Leinen- oder Maulkorbgebote beobachtet haben wollen. Im Jahre 2014 stufte die Region 24 Hunde als gefährlich ein, in diesem Jahr waren es bislang neun. In der Hälfte der Fälle seien bei den Behörden Hinweise eingegangen, dass Hundehalter gegen die Auflagen verstießen, so Wendt. Hier habe man eine Observierung veranlasst.

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Die zehnjährige Deutsch-Drahthaar-Hündin Lotte war im April 2014 aus einem versehentlich offenstehenden Gartentor auf die Straße einer Umlandkommune gerannt. Dort gab es eine Beißerei mit einem Hund, der von seiner Halterin ordnungsgemäß an der Leine geführt wurde – laut Zeugenaussagen ein American Staffordshire Terrier, der mit Lotte schon lange spinnefeind war. Der Jagdhund verletzte den älteren Terrier so schwer im Analbereich, dass dieser trotz zweier Operationen wenige Tage später eingeschläfert werden musste. Daraufhin verpasste die Region der angriffslustigen Hündin wegen ihrer „besonderen Gefährlichkeit“ einen Maulkorb und verdonnerte ihren 72-jährigen Halter, das Tier ständig an der Leine zu führen.

Aufgrund von Hinweisen aus der Nachbarschaft machten sich Mitarbeiterinnen vom Veterinäramt im August auf den Weg und beobachteten den Arzt und sein Tier – einmal morgens von 7.40 bis 9 Uhr, einmal von 8 bis 9 Uhr. In einem Bericht stand zu lesen, dass der Besitzer um 8.03 Uhr mit Hund und Rad aus der Garage gekommen, Richtung Stadtpark geradelt und um 8.43 Uhr wieder zurückgekehrt sei. Somit habe er seinen Hund „mindestens 40 Minuten auf öffentlichen Wegen Gassi geführt“ – mit Leine, aber ohne Maulkorb. Eine Nachbarin steuerte minutengenau drei weitere Verstöße bei, darunter auch einen Spaziergang ohne Leine. Im Oktober erließ die Region einen Bußgeldbescheid von 1000 Euro.

Daraufhin legte Lottes Halter, ein passionierter Jäger, einen Hundeführerschein ab. Die Hündin wurde einem Wesenstest unterzogen, den sie mit Bravour bestand. Daraufhin hob die Region zunächst den Beißkorbzwang auf, im Februar auch den Leinenzwang.

Amtsrichter Melle Klinkenborg reduzierte das gegen den Hundehalter verhängte Bußgeld auf 250 Euro, da von dem Jagdhund offenkundig keine Gefährdung mehr ausgehe. Der Arzt berichtete nach der Verhandlung, dass die Observierung bei ihm Misstrauen gesät habe. Als ihn jüngst ein Mann angesprochen habe, ob er Lotte streicheln dürfe, habe er spontan überlegt, ob dieser wohl im Auftrag der Region unterwegs sei.

Bernd Haase 21.05.2015