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Aus der Stadt Region steckt Millionen in Straßensanierung
Hannover Aus der Stadt Region steckt Millionen in Straßensanierung
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00:18 19.06.2015
Von Andreas Schinkel
Aufwendige Sanierungen: Die historische Leinebrücke bei Schloss Ricklingen ist eine von acht Brücken im Umland Hannovers, die die Region jetzt erneuert. Die historische Stahlkonstruktion steht unter Denkmalschutz.Foto: Riedel
Aufwendige Sanierungen: Die historische Leinebrücke bei Schloss Ricklingen ist eine von acht Brücken im Umland Hannovers, die die Region jetzt erneuert. Die historische Stahlkonstruktion steht unter Denkmalschutz. Quelle: Bernd Riedel
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Hannover

In den kommenden Jahren werden sich die Bewohner der Region Hannover auf etliche Straßenbaustellen gefasst machen müssen. 70 Bauvorhaben nimmt die Regionsverwaltung in den kommenden fünf Jahren in Angriff - von der Brückenerneuerung über Fahrbahnsanierung bis zum Ausbau von Radwegen. „Es geht hier nicht nur um Fragen des Fahrkomforts, sondern vor allem um Verkehrssicherheit“, sagt Verkehrsdezernent Ulf-Birger Franz (SPD). Schließlich seien auf Kreisstraßen außerhalb der Ortschaften Geschwindigkeiten von bis zu 100 Kilometern pro Stunde erlaubt. Um noch mehr Umlandbewohner zu ermuntern, aufs Rad umzusteigen, soll bei jeder Straßensanierung innerhalb einer Ortschaft geprüft werden, ob ein Fahrstreifen für Radler abgeteilt werden kann. Dazu muss die Fahrbahn aber mindestens sechs Meter breit sein.

Radschnellwege stehen nicht auf dem Programm

Ausgenommen von der Bauoffensive sind die sogenannten Radschnellwege. Sie sollen Pendlern ermöglichen, rasch vom Umland in die City Hannovers zu gelangen. Das Vorhaben zieht sich jedoch seit Jahren hin, lediglich Radschnellwege nach Lehrte und Laatzen seien „in Planung“, sagt Franz.

Eine Spitze gegen seinen Parteifreund, Hannovers Oberbürgermeister Stefan Schostok, kann sich der Verkehrsdezernent nicht verkneifen. „In der Region legen wir nicht spektakuläre Sonderprogramme zur Erneuerung von Straßen auf“, sagt Franz und spielt damit auf Schostoks umstrittenes Programm zur Grundsanierung von 200 Straßen in Hannover an. In die Kritik ist das Vorhaben des OB deshalb geraten, weil bei einer Grundsanierung auch die Bürger zur Kasse gebeten werden. Sie tragen unterm Strich die Hälfte der Kosten.

Stadtpolitik streitet im Straßensanierung

„Uns kommt es darauf an, kontinuierlich in den Erhalt der Straßen und Radwege zu investieren“, sagt Franz. Deshalb untersuche und bewerte man regelmäßig den Zustand der Kreisstraßen. „Wenn wir unsere Straßen vernachlässigen, müssen wir künftig deutlich mehr Geld in die Hand nehmen“, sagt der Verkehrsdezernent und gibt damit die Argumentation der CDU im Rat Hannovers wieder. Die Christdemokraten hatten der Stadtverwaltung vorgeworfen, sich jahrelang nicht genug um den Straßenerhalt gekümmert zu haben, sodass jetzt eine kostspielige Kompletterneuerung fällig wird - zu Lasten der Bürger.

Durchschnittlich 6,6 Millionen Euro will die Region bis 2019 jährlich in die Straßen, Radwege und Brücken investieren. Die Bauvorhaben reichen von neuen Asphaltdecken für ein paar Zehntausend Euro bis zu millionenschweren Neubauten von Bahnüberführungen. Einige der ungewöhnlichsten Vorhaben im Überblick:

Acht Brücken lässt die Region neu bauen

Historische Eisenbrücke in neuem Glanz: Insgesamt acht Brücken lässt die Region neu bauen. Die meisten von ihnen sind schnöde Zweckbauten. Anders die historische Leinebrücke bei Schloss Ricklingen. Die denkmalgeschützte Eisenkonstruktion lässt die Region derzeit für mehr als eine halbe Million Euro sanieren. Die Farbe auf den Eisenteilen wird entfernt, die Konstruktion neu beschichtet. „Die Farbe wird 25 Jahre halten“, sagt Conrad Vinken, Leiter des Fachbereichs Straßenunterhaltung.

Neue Brücke auch für Otter: Bei Ehlershausen verläuft die Kreisstraße über die Neue Aue. Die Brücke will die Region erneuern, was bei dem Funktionsbau nicht weiter schwierig ist, wäre da nicht ein Tier, das sich in dem Fluss herumtreibt. „Wir müssen eine Otterberme bauen“, sagt Planer Vinken. Dabei handelt es sich um einen speziell für Otter angelegten Weg unterhalb der Brücke und außerhalb des Wassers. Der ist nötig, weil Otter nicht unter Brücken hindurchschwimmen. „Das ist ihnen zu unheimlich“, sagt Vinken. Das Halbdunkel der Brücke zu Fuß zu durchqueren, scheint für die Tiere kein Problem zu sein. „Wir legen eine Otterberme nicht zum ersten Mal an“, sagt Vinken.

Provisorische Brücke ersetzt temporär die Aue-Brücke

Provisorische Brücke: Problemen mit Tieren gibt es beim Bau der Brücke über die Burgdorfer Aue bei Lehrte nicht. Doch die Kreisstraße nahe der Autobahn 2 wird bei Staus und Unfällen oft als Umleitung ausgewiesen. Während der Bauzeit soll eine provisorische Brücke die Durchfahrt gewährleisten. „Ansonsten würde der Umleitungsverkehr durch Lehrte führen“, sagt Dezernent Franz.

Mehr Komfort in Isernhagen: Mit 1,5 Millionen Euro gehört der Ausbau der Kreisstraße zwischen Isernhagen K.B. und F.B. zu den aufwendigsten Bauvorhaben. Nicht nur die Fahrbahn soll erneuert werden, auch das Entwässerungssystem will die Region verbessern. Zudem will man den Radweg verbreitern und die Parkplätze neu ordnen. Der Radweg werde immer wieder von parkenden Autos blockiert, meinen die Verkehrsplaner.

Mit dem Rad nach Thönse: Zwischen den Ortschaften Neuwarmbüchen und Thönse klafft eine Lücke im Radwegenetz. Im kommenden Jahr soll sie geschlossen werden. Entlang der Kreisstraße 116 legt die Region einen Radweg an, der über den Kreisel an der Oldhorster Kreuzung führt. Es ist die längste Radwegstrecke, die die Region in den kommenden Jahren baut.

Umstrittener Bahnübergang erhält neue Straße

Weg mit den Schranken: Der Bahnübergang in Wunstorf-Poggenhagen dürfte schon etliche Auto- und Radfahrer zur Weißglut getrieben haben. Denn fast immer, so scheint es, sind die Schranken heruntergeklappt. Tatsächlich ist der Bahnübergang 14 Stunden am Tag geschlossen, wie die Region festgestellt hat. Eine Brücke anstelle des Bahnübergangs zu bauen, sei an Ort und Stelle technisch unmöglich, meinen die Experten in der Regionsverwaltung. Daher soll nun eine neue Straße mit einer Brücke an anderer Stelle helfen, den Verkehrsfluss wieder in Gang zu bringen. Mehr als neun Millionen Euro kostet das Vorhaben. Mehrere Behörden beteiligen sich an der Planung. Mit den Städten Wunstorf und Neustadt am Rübenberge sowie der Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau habe man bereits eine „Absichtserklärung“ formuliert, sagt die Region. Die Planung beginnt im nächsten Jahr, der Bau aber nicht vor 2020. Bis dahin müssen sich Autofahrer und Radler noch in Geduld üben.

Karten der Baumaßnahmen zum Download:

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