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Aus der Stadt Hannover gießt
Hannover Aus der Stadt Hannover gießt
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08:16 11.06.2015
Von Mathias Klein
Landwirt Holger Hennies bewässert seine Felder fast rund um die Uhr.
Landwirt Holger Hennies bewässert seine Felder fast rund um die Uhr. Quelle: Philipp von Ditfurth
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Hannover

Die einen freuen sich über eine länger anhaltende Phase mit halbwegs schönem Wetter - Schwimmbadwetter beinahe. Anderen aber gefällt die derzeitige Witterung gar nicht: Kleingärtner, Landwirte und auch einige Balkonbesitzer stöhnen über die große Trockenheit. Weil der Regen seit Wochen ausbleibt, brauchen die Pflanzen derzeit größte Aufmerksamkeit. Das spüren auch die Stadtwerke durch einen deutlichen Anstieg des Wasserverbrauchs. Betroffen von der Trockenheit sind aber auch Allergiker.

Die Lage ist außergewöhnlich: Seit Wochen hat es in und um Hannover nicht mehr richtig geregnet, von ein paar Tropfen Ende Mai abgesehen. Der Mai war insgesamt so trocken wie seit Langem nicht mehr. Im gesamten Monat fielen nur 20 Liter pro Quadratmeter, das ist nur ein Drittel der sonst üblichen Regenmenge im Mai. Und im Juni sieht es bisher noch viel schlechter aus: Bis jetzt wurde gerade einmal eine Regenmenge von insgesamt 0,9 Liter pro Quadratmeter gemessen, also fast gar nichts.

Die Kleingärtner: Immer wieder schaut Lucie Günzel in den Himmel. „Da hinten tauchen immer wieder schwarze Wolken auf“, sagt die Kleingärtnerin aus der Kolonie Waldfrieden I in Groß Buchholz. Sie zeigt in Richtung Nordwesten. „Dann denke ich immer, dass jetzt der Regen kommt.“ Aber sobald sich die Wolken der Kleingartenkolonie nähern, teilen sie sich und ziehen links und rechts an der Kleingartenkolonie vorüber.

Also ist die 77-Jährige seit Wochen fleißig am Wässern. Auf dem Rasen steht ein Regner, der die Grünfläche automatisch berieselt. Und Günzel ist mit der Gießkanne unterwegs, damit auch das Gemüse Wasser bekommt. Nur die Bohnen wüchsen von ganz allein, berichtet sie. Günzel hat im Kleingarten Grundwasser - „glücklicherweise“, sagt sie. „Trinkwasser wäre bei den Mengen, die ich dieses Jahr brauche, viel zu teuer.“

So schlimm wie in diesem Jahr war es selten, meint die 77-Jährige, die ihren Kleingarten seit fast 50 Jahren bewirtschaftet. „Immer wieder ist im Fernsehen von Regen die Rede, aber hier kommt nichts hin.“

Die Landwirte: Holger Hennies muss in diesen Tagen einiges umorganisieren. „Ich brauche allein einen Mitarbeiter für die Bewässerung“, berichtet der Landwirt aus dem Uetzer Ortsteil Schwüblingsen. Dieser Mitarbeiter ist den ganzen Tag damit beschäftigt, die vier Bewässerungsanlagen des Bauern immer wieder so zu platzieren, dass möglichst viel Ackerfläche Wasser abbekommt. „Eigentlich laufen die Anlagen nur bis 12 und nach 16 Uhr“, berichtet Hennies. Sonst würde zu viel Wasser verdunsten. Aber inzwischen ist es so trocken, dass er auch in der übrigen Zeit das Grundwasser hochpumpt und damit seine Felder beregnet.

Besonders Kartoffeln und Zwiebeln brauchen jetzt viel Wasser. „Die Zwiebeln sehen jämmerlich aus“, sagt Hennies beim Blick auf eines seiner Felder. Aber die Schlauchwagen könnten nicht überall gleichzeitig sein. Zwar hätten die Meteorologen gestern für das Wochenende und die kommende Woche Regen vorhergesagt. Aber die angekündigten Mengen für die Region von ein paar Litern pro Quadratmeter helfen nichts. „Für eine Entlastung sind 20 bis 30 Liter Regen pro Quadratmeter nötig“, sagt er. Alles andere würde durch Sonne und Wind innerhalb weniger Stunden wieder verdunsten.

Die städtischen Gärtner: Lothar Stark ist den ganzen Tag mit dem Wasserwagen des städtischen Grünflächenamtes in Hannover unterwegs. Unter anderem mittwochs werden die zahlreichen Pflanzkübel in der Stadt gegossen. Das ist deshalb besonders wichtig, weil die Betonkübel keinen Kontakt zum Erdboden haben und deshalb auch nur wenig Wasser speichern können.

Die Kübel in der City gießen Stark und seine Kollegen zweimal pro Woche, einige kleine Kübel sogar dreimal. Bäume gießt die Grünflächenverwaltung nur im ersten und zweiten Jahr nach der Anpflanzung - insgesamt rund 2600 Stück, wie Stadtsprecher Dennis Dix vorrechnet. Die Experten in der Grünflächenverwaltung rechnen derzeit damit, dass die jungen Bäume in diesem Jahr häufiger als in früheren Jahren gegossen werden müssen.

Die andauernde Trockenheit stresst besonders die Straßenbäume, weil diese keine optimalen Lebensbedingungen hätten, sagt Dix. Derzeit ist zu sehen, dass Bäume wegen der Trockenheit Blätter abwerfen. Das sei jedoch ein normaler Schutzmechanismus, um die Verdunstungsfläche zu verringern, erklärt Dix. „Bedrohlich ist die Lage nicht, trotzdem wäre baldiger Regen für die Vegetation sehr hilfreich.“

Die Trinkwasserexperten: Die Stadtwerke beobachten einen Anstieg des Wasserverbrauchs durch die Trockenheit und die hohen Temperaturen der vergangenen Tage, berichtet Sprecher Carlo Kallen. Beispielsweise wurden am vergangenen Freitag in Hannover 150 000 Kubikmeter Trinkwasser verbraucht, damit ist der Spitzenwert des vergangenen Jahres um 10 000 Kubikmeter übertroffen worden. Es müsse sich bei einer länger anhaltenden Trockenperiode allerdings niemand Sorgen um die Trinkwasserreserven in Hannover machen, betont Kallen: Der 300 Quadratkilometer große unterirdische See, aus dem die Stadtwerke einen Großteil des Trinkwassers für Hannover pumpen, könne Trockenphasen gut ausgleichen. Zudem gehen Haushalte und Industriebetriebe wesentlich sparsamer mit dem Wasser um, deshalb zapfen die Stadtwerke heute im Vergleich zu 1976 ein Drittel weniger aus dem Grundwassersee.

Die Meteorologen: Es gibt derzeit keine Aussichten auf eine Ende der Trockenheit. Zwar kann es ab dem Wochenende in der Region Hannover immer mal wieder Schauer oder Gewitter geben - die von den Wetterexperten erwarteten Regenmengen bleiben jedoch sehr gering.

Hannover gießt also weiter.

Fünf Gießtipps für Garten und Balkon

Peter Bayer ist Gärtnermeister beim Gartencenter Stanze in Hemmingen. Derzeit verbringt er viel Zeit damit, die Pflanzen mit ausreichend Wasser zu versorgen. Der 49-Jährige hat fünf Tipps zum richtigen Gießen und Bewässern für Klein- und Hobbygärtner sowie für Balkonbesitzer.

  • Den Abend nutzen: Pflanzen sollten grundsätzlich nicht in der Mittagssonne gegossen werden. Zum einen verdunstet das Wasser dann viel zu schnell. Außerdem können die Pflanzen das Wasser am Abend wesentlich besser aufnehmen.
  • Wasser ins Erdreich: Beim Gießen sollte man den Schlauch oder die Gießkanne nicht einfach über die Pflanzen halten und die Blätter benetzen, sondern das Wasser direkt auf das Erdreich gießen.
  • Nicht tröpfeln, sondern gießen: Wer seine Pflanzen liebt, sollte lieber einmal am Tag intensiv als fünfmal nur ein bisschen gießen. Denn nur wenn viel gegossen wird, kommt auch ausreichend Wasser in die Erde um den Wurzelballen zu erreichen.
  • Warmes Wasser ist besser als kaltes: Niemals sollte mit ganz kaltem Wasser gegossen werden. Es ist also sinnvoll, nach dem Gießen Wasser im Schlauch zu lassen, damit es sich für das nächste Bewässern aufheizen kann. Wer mit der Gießkanne unterwegs ist, kann etwas warmes Wasser aus der Leitung hinzugeben oder die gefüllte Gießkanne einfach einige Stunden stehen lassen.
  • Gedüngte Erde anfeuchten: Wer seine Pflanzen während einer Trockenperiode düngt, sollte die Erde drumherum anfeuchten, dann düngen und anschließend gießen. Sonst können die Wurzeln Schaden nehmen.
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