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Aus der Stadt Hier plant die Region neue Windräder
Hannover Aus der Stadt Hier plant die Region neue Windräder
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00:15 23.03.2015
Von Bernd Haase
Derzeit stehen in der Region 252 Windenergieanlagen.
Derzeit stehen in der Region 252 Windenergieanlagen. Quelle: dpa
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Hannover

Die Region plant den Ausbau der Windenergie im Raum Hannover. An insgesamt 31 Standorten dürfen sich künftig Rotoren drehen, unter ihnen sind neun neue. Außerdem sollen veraltete Anlagen in vorhandenen Windparks modernisiert werden. „Es ist ein Spagat, den wir zu leisten haben“, sagt Planungs- und Umweltdezernent Axel Priebs in dem Bewusstsein, dass die Windenergieanlagen vor allem bei Anliegern häufig umstritten sind.

Welches Ziel verfolgt die Region?

Die Politik fordert Klimaschutz; Windenergie spielt dabei in der Region schon seit Mitte der neunziger Jahre eine führende Rolle. Derzeit bedecken Windparks etwa 0,8 Prozent des Regionsgebietes; künftig werden es etwa 1,4 Prozent sein.

Warum werden Standorte festgelegt?

Die Region weist die Standorte in ihrem Regionalen Raumordnungsprogramm auf, das derzeit neu aufgestellt wird. „Wir betreiben damit auch Verhinderungsplanung“, erläutert Sonja Beuning, Leiterin des Fachbereichs Raumordnung. Will heißen: Windenergieanlagen sind ähnlich wie landwirtschaftliche Gebäude gesetzlich privilegiert. Theoretisch dürfen sie überall außerhalb von Siedlungen stehen. Praktisch verhindert die Region das. Indem sie Flächen für die Windparks reserviert, schließt sie gleichzeitig aus, dass auf allen anderen welche errichtet werden.

Wo befinden sich die Flächen?

Hochburgen der Windenergie sind in von je her das weiträumige Neustädter Land sowie der Osten und Südosten der Region. In diesen Gebieten liegen auch die neun neuen Standorte. In Hannover und den angrenzenden Städten spielt die Windenergie dagegen so gut wie keine Rolle. „Dort ist die Bebauung zu dicht“, sagt Marc Herrmann, Windenergieexperte der Regionsverwaltung. Außerdem ist nach Angaben von Priebs die Haltung der Städte unterschiedlich: Im Rathaus von Barsinghausen oder in Lehrte reagiert man beim Thema skeptisch, in Neustadt, Burgdorf oder Uetze sehr aufgeschlossen. Einen Sonderfall bildet die Wedemark. Dort würde man liebend gern mehr Windparks sehen, muss aber verzichten – aus Naturschutzgründen. Generell will die Region anders als zwischenzeitlich diskutiert weder Windräder in Landschaftsschutzgebieten noch solche in großen Waldgürteln erlauben.

Was ändert sich für Anwohner?

Einige alte Windräder stehen nur 300 Meter von Häusern entfernt, künftig müssen es mindestens 800 Meter sein. „Damit und durch modernere Techniken wird es leiser“, sagt Herrmann. Der früher beklagte Diskoeffekt, wenn drehende Räder Sonnenlicht reflektieren und dadurch blitzen, tritt nur noch selten auf, weil die Rotorblätter mit absorbierenden Lacken beschichtet werden. Die Abstandsregeln führen dazu, dass bei einigen bestehenden Windparks der Flächenzuschnitt geändert werden muss. Insgesamt vier werden ganz verschwinden. Altanlagen genießen dabei Bestandsschutz, solange sie die Betreiber nicht selbst entfernen wollen.

Wie ändern sich die Anlagen?

Ganz einfach – sie werden höher. Maßen Windräder früherer Generationen insgesamt 100 Meter, reichen moderne an die 200-Meter-Marke heran. Das erhöht die Stromausbeute.

Was bedeutet das in Zahlen?

Zurzeit stehen im Raum Hannover 252 Windräder, das neue Raumordnungsprogramm lässt 280 zu. Weil dabei auch durch die Modernisierung bestehender Anlagen die installierte Leistung überproportional steigt, wird die Bedeutung der Windenergie im Raum Hannover wachsen. Derzeit deckt sie rechnerisch zehn Prozent des Gesamtstrombedarfs, künftig sollen es bis zu 25 Prozent sein. Stromexport in andere Gebiete findet dabei nicht statt. „Der hier erzeugte Strom wird auch komplett hier verbraucht“, betont Herrmann.

Wie geht es weiter?

Das Raumordnungsprogramm muss von den Politikern der Regionsversammlung beschlossen werden, was voraussichtlich im kommenden Jahr passiert. Es gilt dann für einen Zeitraum von zehn Jahren. Im Vorfeld plant die Region öffentliche Beteiligungen und Informationsveranstaltungen.

Kein neuer Standort in Hannover

Auf dem Stadtgebiet Hannovers wird es bis auf Weiteres keine neuen Windräder geben. Das bekümmert die Stadtwerke, die sich seit einigen Jahren selbst auf diesem Feld tummeln und zwei 140 Meter hohe Rotoren am nördlichen Kronsberg auf Anderter Gebiet errichten wollten. Das Vorhaben war mit zehn Millionen Euro veranschlagt. „Wir haben das geprüft. Es geht aus Naturschutzgründen nicht“, sagt Regionsdezernent Axel Priebs. Zum einen lebten in dem Gebiet Fledermäuse, zum anderen liege das Waldgebiet Gaim sehr nahe. Perspektivisch könnten die Stadtwerke noch auf der Deponie Lahe nach Ende der dortigen Rekultivierungsarbeiten sowie auf dem Teutonia-Gelände in Misburg zum Zuge kommen. Das würde, wenn überhaupt, erst in fernerer Zukunft passieren. Damit bleiben zwei bestehende Windräder auf dem Kronsberg sowie das in Marienwerder zunächst die einzigen in der Stadt.

Saskia Döhner 23.03.2015