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Aus der Stadt Region sagt Leichenschau vorerst ab
Hannover Aus der Stadt Region sagt Leichenschau vorerst ab
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00:08 07.11.2009
Vorerst keine Ausstellung: „Uns fehlt vor allem die glaubhafte Einwilligung der Spender", sagt der Sprecher der Gesundheitsbehörde Klaus Abelmann. Quelle: Thomas

Die Gesundheitsbehörde der Region Hannover hat die erforderliche Genehmigung bisher verweigert. „Uns fehlt vor allem die glaubhafte Einwilligung der Spender, dass Teile ihres Körpers plastiniert und in einer Ausstellung zu wissenschaftlich-didaktischen Zwecken gezeigt werden dürfen“, erklärt Behördensprecher Klaus Abelmann. Die von den Veranstaltern vorgelegte Bescheinigung eines Labors in den USA, das die Exponate für die Ausstellung vermittelt, sei der Behörde „zu pauschal“ gewesen.

Drei Kriterien müssen die Ausstellungsmacher nun erfüllen, um eine Ausnahmegenehmigung vom niedersächsischen Bestattungsgesetz zu bekommen, das eigentlich das Zurschaustellen von Leichenteilen verbietet. Oberstes Kriterium ist besagter Nachweis über das Einverständnis der Spender, damit zusammen hängt der Beleg, dass die Schau einen wissenschaftlich-didaktischen Charakter besitzt und nicht überwiegend wirtschaftlichen Zwecken dient. Drittens will die Behörde wissen, ob die toten Körper würdevoll in Szene gesetzt sind und „das sittliche Empfinden der Allgemeinheit“ beachtet wird. Um zu klären, ob zumindest die beiden letztgenannten Bedingungen erfüllt sind, werden am heutigen Sonnabend um 10 Uhr Mitarbeiter des Gesundheitsamtes die Ausstellungsräume auf dem Expo-Gelände in Augenschein nehmen. Für Besucher bleibt die Schau also zunächst geschlossen. Das soll auch ein Polizeiaufgebot sicherstellen.

Der Veranstalter, die Agentur Premium Exhibition, gibt sich kämpferisch. „Die Ausstellung wollen wir heute im Laufe des Tages auch für das Publikum öffnen“, sagt Organisator Carsten Krause. Man werde sich auf Artikel fünf des Grundgesetzes beziehen und die „Freiheit der Wissenschaft“ einfordern.

In anderen Städten stieß die Wanderausstellung bisher nicht auf solchen Widerstand der Behörden. In Leipzig, wo die Schau vor drei Jahren erstmals gezeigt wurde, verlängerte man die Ausstellung wegen des großen Besucherinteresses sogar. In Hannover ist ein solches Vorgehen des Gesundheitsamtes bisher ohne Beispiel. Einzig im Jahre 2003 argumentierte der damalige Oberbürgermeister Herbert Schmalstieg mit dem niedersächsischen Bestattungsgesetz, als Gunther von Hagens seine „Körperwelten“ – ebenfalls plastinierte Leichenteile – auf dem Expo-Gelände zeigen wollte. Von Hagens zog zurück und ging stattdessen nach Stuttgart. Dort hatte man die Schau aber nur unter Auflagen genehmigt. Dagegen klagte von Hagens bis zum Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg. Die dortigen Richter entschieden, dass der Leichenpräparator seine „Körperwelten“ künftig ohne eine Sondergenehmigung nach dem Bestattungsrecht zeigen darf, weil von Hagens’ Plastinate einem wissenschaftlichen Zweck dienten. Das Verbot, Leichen auszustellen, gelte nicht für anatomische Institute wie von Hagens’ Institut für Plastination. Jedoch könne die Polizei im Einzelfall verbieten, bestimmte Exponate zu zeigen.

von Andreas Schinkel und Sonja Fröhlich

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