Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Aus der Stadt Diagnose: Geldmangel
Hannover Aus der Stadt Diagnose: Geldmangel
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:21 12.10.2014
Baustelle Klinikum: Für die beiden Krankenhäuser in Großburgwedel und Lehrte (oben und rechts) soll ein Neubau entstehen, Springe (unten) eine Praxisklinik umgewandelt werden.
Baustelle Klinikum: Für die beiden Krankenhäuser in Großburgwedel und Lehrte (oben und rechts) soll ein Neubau entstehen, Springe (unten) eine Praxisklinik umgewandelt werden. Quelle: Archiv
Anzeige
Hannover

Ende Dezember vergangenen Jahres ließ es sich schon erahnen. „Wir streben an, alle Standorte des Klinikums zu halten. Aber eine Garantie kann es nicht geben“, hatte damals Regionspräsident Hauke Jagau gesagt. Damit sprach er aus, was alle Protagonisten vorher scheuten. Wer Krankenhäuser schließen will, hat dafür keine Anerkennung zu erwarten, sondern Widerstand auf breiter Front – auch wenn die Gründe noch so plausibel sind. Wenn doch einmal Debatten aufkamen wie vor mehr als einem Jahrzehnt um den Standort Springe, wurden sie im Keim erstickt.

Mehr zum Thema

Weitere Informationen zum Thema sowie Berichte über die Reaktionen in den betroffenen Kommunen finden Sie auf unserer Themenseite.

Inzwischen ist die Lage allerdings mehr als ungemütlich geworden. Im Frühjahr 2013 musste die Region ihr Klinikum mit einer Finanzspritze von 75 Millionen Euro aus der Not retten. Geknüpft wurde sie an einen Konsolidierungsplan, der im Kern den sukzessiven Abbau von 400 der insgesamt 8500 Stellen vorsieht. Damit sollte erreicht werden, dass der kommunale Krankenhausverband zwar bis 2017 noch Defizite im Millionenbereich verkraften muss, aber dann wieder schwarze Zahlen schreibt. Offensichtlich glaubt man nun nicht mehr, dass die bisherigen Anstrengungen ausreichen.

Aktuell schreibt nach Angaben der Niedersächsischen Krankenhausgesellschaft die Hälfte der 191 Kliniken im Land rote Zahlen. Dafür nennen die Häuser vor allem zwei Gründe: So reichten die vom Sozialministerium in Hannover zur Verfügung gestellten Mittel für Gebäude und Großgeräte nicht aus. Der Investitionsstau summiere sich mittlerweile auf 1,5 Milliarden Euro. Zum anderen zeigten sich die Kassen knauserig: Bei den Vergütungen für die medizinischen Leistungen rangiert Niedersachsen im bundesweiten Vergleich auf den hinteren Plätzen.

Sozialministerin Cornelia Rundt (SPD) dringt deshalb auf „zukunftsfeste Strukturen“ – also auf Häuser, die sich effizienter führen lassen als bisher. Als Vorbild dienen die Krankenhäuser in Stadthagen, Rinteln und Bückeburg: Sie fusionieren zum Gesamtklinikum Schaumburger Land; ihr Neubau wird mit 25 Millionen Euro gefördert. In Cuxhaven und Delmenhorst stocken die Gespräche zurzeit, in Hildesheim pokern ein Schweizer Konzern, der Johanniter-Orden sowie der Landkreis um die drei Standorte. Die Krankenkassen unterstützen die Initiativen: „Jede Strukturverbesserung in der niedersächsischen Krankenhauslandschaft ist grundsätzlich zu begrüßen“, sagte AOK-Chef Jürgen Peter gestern. „Wir haben in Niedersachsen – und auch im Raum Hannover – erhebliche Optimierungspotenziale.“

Mit seinen geplanten Neubauten konkurriert das Klinikum Hannover allerdings mit anderen Standorten. Als der Krankenhausplanungsausschuss im Juli zusammentrat, lagen Förderanträge von rund einer Milliarde Euro auf dem Tisch – das Land kann aber nur 120 Millionen Euro ausgeben. Dass sich diese Summe in den kommenden Jahren signifikant erhöht, glauben Experten nicht.

Zuletzt hat das Land den Neubau des Klinikums Siloah in Hannover mit 96 Millionen Euro gefördert – da könne es schwer werden, schon wieder hohe Beträge für die Region Hannover loszueisen, sagt ein Fachmann. Die Kosten für den Umbau in Gehrden und den Neubau zwischen Lehrte und Großburgwedel werden auf 200 bis 300 Millionen Euro geschätzt.

Von Bernd Haase und Jens Heitmann

Michael Zgoll 12.10.2014
Bernd Haase 10.10.2014
Aus der Stadt Schostok, Konjunktur, Helene Fischer - Das ist heute in Hannover wichtig
10.10.2014