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Aus der Stadt „Ich bin ja nicht doof“
Hannover Aus der Stadt „Ich bin ja nicht doof“
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00:15 26.01.2014
Von Gunnar Menkens
Regionspräsident Jagau wird deutschlandweit zum „Dschungelcamp“-Kritiker Quelle: Symbolfoto
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Hannover

Wenn ein Verwaltungschef aus Hannover deutschlandweite Presse bekommt, kann er sich den Rahmen nicht aussuchen. Regionspräsident Hauke Jagau (SPD) musste genau hinsehen, um sein Interview in der „Bild“-Zeitung, Bundesausgabe, zu finden. Auf Seite sechs stieß er auf seinen Beitrag, gleich neben „Melanie Müller (25)“, der auf einem üppigen Foto zufällig Wasser über den nackten Busen floss. Frau Müller nimmt an der Insektensendung „Dschungelcamp“ teil, die mit vollem Namen „Ich bin ein Star, holt mich hier raus!“ heißt. Und Jagau hat dem Blatt erklärt, was er gern mit solchen Formaten täte: „Sendungen, die gegen die Menschenwürde verstoßen, müssten verboten werden.“ Die Schlagzeile auf Seite eins lautete dann verschärft: „Regionspräsident will das Dschungelcamp verbieten!“ Am Donnerstag erklärte Jagau: „Das habe ich nicht gesagt. Ich bin ja nicht doof, ich weiß, dass ich das nicht verbieten kann.“

Die Geschichte um den Sozialdemokraten und eine der Topsendungen des deutschen Publikums begann tatsächlich: im Dschungel. Oder wenigstens in einer Dschungel-Kulisse. Jagau war Gast beim Neujahrsempfang des Privatradios ffn, und er hatte keine Lust, sich in dieser Dekoration fotografieren zu lassen. Es war noch nicht lange her, da hatte er sich mit seinem 13 Jahre alten Sohn eine Folge der Show geschaut und hinterher besprochen, warum man sich das „Dschungelcamp“ nicht ansehen sollte. Beim Empfang ließ er dann eine Bemerkung fallen, dass man so etwas verbieten müsste.

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Es geht doch: Larissa und Winfried entpuppen sich als gutes Team bei der Dschungelprüfung. Und auch zwei andere Dschungelbewohner kommen sich näher. Tag 6 im Dschungelcamp.

Interessantes Thema, auch für Béla Anda, früher Sprecher von Carsten Maschmeyer wie Gerhard Schröder, jetzt stellvertretender Chefredakteur der „Bild“. In kleiner Runde sprach man über das Thema. Später telefonierten Anda und Jagau noch einmal, ein Interview entstand. So geriet Regionspräsident Hauke Jagau deutschlandweit ins Blickfeld, als Kritiker einer Sendung, die am Mittwoch von mehr als acht Millionen Menschen gesehen wurde. Marktanteil unter den angeblich werberelevantesten 14- bis 49-jährigen Zuschauern: 51 Prozent. Jagau ärgert es, dass um das „Dschungelcamp“ so ein Zirkus gemacht wird.

Nun trägt Jagau, der einer guten Schlagzeile nicht abgeneigt ist, zum Hype bei. Allerdings mit guten Argumenten. Er glaubt, dass das Format gefährlich ist, weniger für die vorgeführten Teilnehmer, sondern besonders für junge Zuschauer. „Es fördert Schadenfreude und Häme über die schwächsten Teilnehmer der Sendung. Sie ist weit weg von Empathie, wie ich sie mir für eine Gesellschaft vorstelle. Ich würde mir wünschen, dass es so etwas nicht geben würde.“

Am Donnerstag meldete sich RTL, der verantwortliche Sender, bei Jagau, und befragte ihn ebenfalls zu seiner Ansicht. Abends dann wurde der „mächtige Präsident der Region Hannover“ („Bild“) sogar selbst Teil der geschmähten Sendung. Die RTL-Moderatoren ulkten im Dschungel darüber, dass der „Medienexperte der SPD“, wie sie Jagau hämisch nannten, sie verbieten wolle. Nicht auszuschließen, dass der „mächtige Präsident der Region Hannover“ („Bild“) bald selbst im Camp vorkommt. In welchem Rahmen auch immer.

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