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Aus der Stadt Kein Schmerzensgeld für Treppensturz
Hannover Aus der Stadt Kein Schmerzensgeld für Treppensturz
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08:40 18.04.2015
Von Michael Zgoll
Der Reiseveranstalter Tui muss nicht für einen Treppensturz einer 53-jährigen Frau auf Mallorca bezahlen.
Der Reiseveranstalter Tui muss nicht für einen Treppensturz einer 53-jährigen Frau auf Mallorca bezahlen. Quelle: dpa (Symbolbild)
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Hannover

Eine 53-Jährige war in der Lobby ihrer Unterkunft in Cala Millor gestürzt und konnte sich die restliche Ferienzeit nur noch im Rollstuhl und auf Krücken fortbewegen. Zu Hause in Deutschland wurde dann ein Bruch des Sprungbeins diagnostiziert – der eine entsprechende Langzeitbehandlung nach sich zog. Doch blitzte die Frau mit ihrem Ansinnen ab, vom Touristikkonzern Tui 3000 Euro Schmerzensgeld plus Rechtsanwaltskosten erstattet zu bekommen.

Amtsrichterin Dagmar Frost sah die Forderung der Klägerin als nicht gerechtfertigt an: Ihr Sturz zähle zum „allgemeinen Lebensrisiko“. Das Landgericht Hannover schätzte den Fall jetzt genauso ein und wies die Berufung der in Bayern wohnenden Frau zurück.

Die 53-Jährige und ihr Mann hatten im Herbst 2013 eine einwöchige Pauschalreise nach Mallorca gebucht. Bereits am Vormittag des zweiten Urlaubstages, als die Frau das Hotel verlassen wollte, stürzte sie. Wie das Paar später feststellte, betrug der Höhenunterschied bei den weitaus meisten Stufen jeweils 15 Zentimeter; der Abstand der letzten Stufe zum Boden aber maß nur 5 Zentimeter. Der Ehemann meldete den Unfall der Reiseleitung, seine Frau wurde ins Krankenhaus gebracht.

Ihren Schmerzensgeldanspruch begründete die lädierte Urlauberin später damit, dass das Hotel und die Tui als Reiseveranstalter ihre Verkehrssicherungspflicht verletzt hätten. Ein derart geringer Treppenstufen-Abstand wie in Cala Millor sei ein Sicherheitsdefizit, das für den mitteleuropäischen Raum nicht typisch und daher zu kennzeichnen sei. 

Richterin Frost wies die Klage aus zweierlei Gründen zurück. Zunächst einmal habe die Mallorca-Urlauberin ihren Schadensersatzanspruch bei der Tui erst nach drei Monaten angemeldet – das sei zwei Monate zu spät gewesen. Doch auch in der Sache selbst kam die Juristin nicht ins Straucheln: Sie könne in der unterschiedlichen Stufenhöhe kein schuldhaftes Verhalten von Hotel oder Veranstalter erkennen. Frost zitierte ein Urteil des Landgerichts Wiesbaden: Demnach sei eine Verkehrssicherung, die jeden Unfall ausschließe, nicht möglich.

Auch der Bundesgerichtshof hatte vor etlichen Jahren geurteilt, dass einem Fußgänger zuzumuten sei, sich auf seinem Weg auf gewisse Unebenheiten und Niveauunterschiede einzustellen. Die niedrigere Treppenstufe, so Dagmar Frost, stelle keine wirkliche Gefahrenquelle dar; einem „umsichtigen Menschen“ hätte der abweichende Abstand der unteren Treppenstufe zum Boden auffallen müssen. Und deshalb müsse die Geschädigte die Folgen ihres Unglücks selbst tragen – so hart das in ihrem Fall auch sein möge.

Bernd Haase 20.04.2015
Volker Wiedersheim 20.04.2015