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Aus der Stadt Rentner zockt Sparer ab
Hannover Aus der Stadt Rentner zockt Sparer ab
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00:16 21.11.2013
Von Michael Zgoll
Kassierer Hans-Jürgen I. und Anwalt Norbert Cech vor dem Amtsgericht. Quelle: Frank Wilde
Hannover

Elf Monate steckten 20 Mitglieder einer Südstädter Kneipenrunde Geld in einen Schrank mit Sparfächern. Aus einer Laune heraus. Der 2. Dezember 2012 sollte für die fidele Truppe ein Festtag werden: In „Stephans Eck“ am Stephansplatz wollte man gemeinsam tafeln, dann sollte jeder seinen Anteil des Ersparten ausgezahlt bekommen. Doch das Treffen endete mit einem bösen Erwachen: Der Verwalter des Geldes war verschwunden – und mit ihm die stolze Summe von 17.495,50 Euro. Gestern musste sich der 67-jährige Hans-Jürgen I. vor dem Amtsgericht Hannover wegen gewerbsmäßiger Untreue in 46 Fällen verantworten. Das Urteil: Ein Jahr und neun Monate Freiheitsstrafe auf Bewährung. Außerdem muss der Rentner 200 Stunden gemeinnütziger Arbeit leisten.

Gebeugt wirkt der weißhaarige ältere Herr mit Brille, der auf der Anklagebank sitzt. Er gesteht alles. Wie er seit Januar 2012 das Geld der Spargemeinschaft einsammelte. Wie er immer dienstags in „Stephans Eck“ vorbeikam, den 2011 im Kneipenkeller gefundenen Schrank leerte und die Scheine zur Postbank brachte. Zunächst. Meist waren es Beträge zwischen 300 und 400 Euro, die I. einsackte. 46-mal. Mit dem einen oder anderen aus der Kneipenrunde war der gelernte Buchbinder befreundet, einige Kinder kannten ihn als Fußballtrainer. Der Mann galt als vertrauenswürdig.

Weihnachtssparen in Kneipen

Sparklubs gibt es schon seit dem 19. Jahrhundert. Sie wurden in Betrieben, Vereinen oder Gaststätten gegründet. Gelegentlich dienten die Einlagen zur Unterstützung der Mitglieder in Notfällen, häufig ging es darum, Geld für besondere Anlässe zurückzulegen – etwa beim „Weihnachtssparen“. In Firmen oder Kneipen standen oft hübsch gestaltete Sparschränke aus Holz, in deren Fächern die Scheinchen und Umschläge landeten. In regelmäßigen Abständen wurde das Geld zur Bank gebracht. Wer eine laut Satzung vereinbarte Einzahlung versäumte, musste ein „Strafgeld“ zahlen. Dass Geldinstitute diese Form der Rücklagenbildung förderten, ist naheliegend, wollten sie doch neue Kunden gewinnen. Seit den achtziger Jahren verschwindet die gesellige Form des Sparens allmählich in der Versenkung – und damit treten auch immer seltener betrügerische Kassierer in Erscheinung.

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Was offenbar niemand wusste: Hans-Jürgen I. steckte in einer tiefen Lebenskrise. Im vorangegangenen Herbst hatte sich seine Frau von ihm getrennt, auch durfte er seine heute 15 Jahre alte Tochter nicht mehr sehen. „Mein Mandant war privat und wirtschaftlich heillos überfordert“, formulierte es sein Anwalt Norbert Cech. Als der Kassierer dann Woche für Woche Bares in der Hand hatte, wurde er schwach. Irgendwann zahlte er die Scheine nicht mehr bei der Bank ein, sondern steckte sie in die eigene Tasche. Das bereits eingezahlte Geld hob er ab. 8000 von den 17 500 Euro, erzählte er gestern vor Gericht, habe er einem Freund geliehen – der nun aber nichts zurückgeben wolle.

Summen zwischen 300 und 3000 Euro

Ansonsten, sagte I., habe er damals „in den Tag hineingelebt“; richtig gut gegangen sei es ihm dabei allerdings nicht. Als der Auszahlungstermin in „Stephans Eck“ näherrückte, füllte der Rentner jede Woche zehn Lottoscheine à 25 Euro aus: „Ich habe gehofft, das Geld der Spargemeinschaft wieder reinholen zu können.“ Doch auch dieses Glück blieb I. verwehrt. Anfang Dezember meldete er sich noch einmal telefonisch, dann tauchte er ab – nach Thailand. Wenige Wochen später kehrte er nach Hannover zurück.

Drei Zivilverfahren hat der betrügerische Kassierer, der bislang nicht vorbestraft war, schon hinter sich. Die Summen, die er den Südstädter Sparern schuldet, schwanken zwischen 300 und 3000 Euro. Studenten sind dabei, die I. mehr als ein Jahr lang ihr Trinkgeld anvertrauten, Familienväter, die ihren Lieben von dem Ersparten Weihnachtsgeschenke kaufen wollten. Wut, Enttäuschung, Verzweiflung: Das waren die Reaktionen, als der Schwindel aufflog. Die Aussichten, dass der Rentner den Gläubigern von seiner monatlichen Rente von 800 Euro – abzüglich 100 Euro Unterhalt und 380 Euro Miete – etwas zurückzahlt, sind eher mau. Er wolle aber, erklärte der reumütige Angeklagte, bald einen 400-Euro-Job annehmen und seine Schulden abstottern. Wie lange das dauern würde, sagte er nicht.

Die Bewährungsstrafe, die Richterin Svenja Tittelbach-Helmrich gegen den 67-Jährigen verhängte, war identisch mit dem Strafrahmen, den Staatsanwältin und Verteidiger vorgeschlagen hatten. Das Urteil ist rechtskräftig. Und die Spargemeinschaft? Existiert nicht mehr – was „Stephans Eck“ sicherlich eine entspanntere Adventszeit beschert als im Jahr zuvor.

Der ehemalige Oberbürgermeister-Kandidat der CDU, Matthias Waldraff, hat keine Ambitionen mehr, sich in die Stadtpolitik einzubringen. „Ich bin jetzt im Gespräch mit Menschen wie David McAllister und Ulf Thiele“, sagt Waldraff.

Andreas Schinkel 21.11.2013

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