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Aus der Stadt Rettungsversuch für einen Klinikverbund
Hannover Aus der Stadt Rettungsversuch für einen Klinikverbund
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00:31 18.05.2014
Von Mathias Klein
Finanzieller Notfall: Im Henriettenstift hat vor allem die Altenpflege zum  Verlust beigetragen.
Finanzieller Notfall:Im Henriettenstift hat vor allem die Altenpflege zum Verlust beigetragen. Quelle: von Ditfurth
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2012 schrieb das Unternehmen drei Millionen Euro Minus, im vergangenen Jahr stieg die Summe bereits weiter an, für die nächste Zukunft kalkuliert die Geschäftsführung nun sogar mit sieben bis neun Millionen Euro Jahresverlust. Jetzt soll ein 91 Millionen Euro schweres Sicherungskonzept das Unternehmen retten – die Mitarbeiter sollen über Gehaltsverzicht fast 25 Millionen Euro beitragen, die Landeskirche einen ebenso hohen Beitrag.

Finanzdilemma

Nach dem HAZ-Bericht am Donnerstag über das Finanzdilemma bei den DDH bestätigt sich zunehmend, dass das Hauptproblem in der Henriettenstiftung liegt. Dem Vernehmen nach soll dort nicht so sehr der Klinikbetrieb, sondern vor allem die Altenpflege zum Verlust beigetragen haben. Insider sprechen von Managementfehlern der Vergangenheit. DDH-Geschäftsführer Utz Wewel, der vom privaten Paracelsus-Konzern kam, hält sich mit Schuldzuweisungen zurück. Kein Wunder: Er muss sich in Diplomatie üben, weil er Belegschaft und Landeskirche zu Zugeständnissen bewegen muss.13 Betriebgesellschaften sind seit 2006 unter dem Dach der DDH gebündelt – die drei diakonischen Kliniken allerdings machen 80 Prozent des Umsatzes aus. Während das Annastift als wirtschaftlich relativ gesund gilt und das Friederikenstift sogar als sehr gesund, macht die Henriettenstiftung seit Jahren Probleme. Wewel formuliert vorsichtig, das Haus sei schon bei DDH-Gründung „knapp ausgestattet“ und habe wegen eines Investitionsstaus später hohe Beträge benötigt. Ein Insider sagt es deutlicher: Das Haus habe hohe Schulden mitgebracht, die sich schließlich auf 60 Millionen Euro summierten, aber es habe auch deutliche Managementfehler gegeben.

Fehlbesetzungen auf Führungspositionen

Öffentlich muss immer die unzureichenden Finanzierung durch die Kostenträger herhalten, wenn Gesundheitsunternehmen über rote Zahlen klagen. „Es erstaunt allerdings, dass vor allem kirchliche und kommunale Häuser Probleme bekommen, während private Krankenhäuser mit dem Geld meist hinkommen“, sagt der Krankenhauskenner. Er zweifelt daran, dass allein die Altschulden aus der Zeit vor der DDH-Gründung das Hauptproblem sind. „Schulden stehen in der Bilanz und sind so sichtbar und lösbar. Die Probleme der DDH liegen tiefer“, sagt er. Vielmehr fehle es in kirchlichen und kommunalen Häusern oft am Willen, Mängel abzustellen und Fehlbesetzungen auf Führungspositionen zu ändern. „Wenn die Aufsichtsgremien nicht die Stärke haben, durchzugreifen, potenzieren sich die Probleme.“
Mit dem Sanierungskonzept will DDH-Manager Wewel jetzt die Wende schaffen. Insgesamt 41,2 Millionen Euro wollen die DDH durch Einsparungen und Umorganisationen erwirtschaften. So will das Unternehmen eingeplante Stellen nicht wieder besetzen – ein Sparvolumen von 3,2 Millionen Euro. Noch aber fehlen am Konzept Details. All das frustriert die Mitarbeiter. Und die Geschäftsführung verliert den Rückhalt. „Die haben kein Ziel, sie wissen nicht, wo sie hinwollen“, sagt eine Mitarbeiterin.

Sorge um Verpflichtungen

Die Liquidität ist von 25 auf 19 Millionen abgesackt, berichtet Wewel. „Das macht uns Sorge“, stellt er fest. Etwa 30 Millionen Euro braucht das Unternehmen in den kommenden vier Jahren zur Sicherung des laufenden Geschäfts. Eine Vorstufe zur Insolvenz sei das nicht, sagt er einerseits. Andererseits müsse etwas getan werden. Sonst fehle Geld, um den Verpflichtungen nachzukommen.Um Geld in die Kasse zu bekommen, war die Geschäftsführung schon im vergangenen Sommer aktiv. Sie verkaufte das Zehn-Millionen-Euro-Aktienpaket der DDH, „um Liquidität zu bekommen“, berichtet der Vorsitzende der Geschäftsführung. Jetzt benötigt sie erneut Geld. Ob die Mitarbeiter und die Landeskirche Zugeständnisse machen, ist völlig offen. „Denkbar ist auch, dass die Landeskirche infrage stellt, ob drei Krankenhäuser nötig sind“, sagte der Experte. Die Synode berät das Thema im Juni.

Michael Zgoll 16.05.2014
Simon Benne 15.05.2014
Simon Benne 15.05.2014