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Aus der Stadt Waffennarr schweigt zum Prozessauftakt
Hannover Aus der Stadt Waffennarr schweigt zum Prozessauftakt
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19:04 29.10.2013
Von Michael Zgoll
Foto: Als Serieneinbrecher machte er Millionenbeute, wanderte 20 Jahre hinter Gitter, dann wurde es ruhig. Nun steht der 69-Jährige in Hannover vor Gericht, nachdem bei ihm haufenweise Waffen und Diebesgut gefunden wurde. Wird er die Herkunft preisgeben?
Als Serieneinbrecher machte er Millionenbeute, wanderte 20 Jahre hinter Gitter, dann wurde es ruhig. Nun steht der 69-Jährige in Hannover vor Gericht, nachdem bei ihm haufenweise Waffen und Diebesgut gefunden wurde. Wird er die Herkunft preisgeben? Quelle: Christoph Schmidt
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Hannover

Im November 2012 machte die Polizei im Zooviertel einen aufsehenerregenden Fund: In einer Einzimmerwohnung in der Löwenstraße entdeckte sie ein Waffenlager und Berge von Wertsachen. All das hatte Uwe Giesemann gehortet, ein in Hannover vor Jahrzehnten als „Villenschreck“ bekannter Einbrecher und Dieb. Im April dieses Jahres wurde der 69-Jährige im tschechischen Kurort Karlsbad gefasst. Seit gestern muss er sich vor der 18. Großen Strafkammer des Landgerichts Hannover wegen Verstoßes gegen das Waffengesetz und Verbrechen nach dem Kriegswaffenkontrollgesetz verantworten. Zum Auftakt des Prozesses, den Richterin Gabriele Immen leitet, hüllte er sich in Schweigen.

Nach einem riesigen Waffenfund in zwei Privatwohnungen in Hannover muss sich seit Dienstag ein 69 Jahre alter Schwerkrimineller vor dem Landgericht verantworten.

Sein Äußeres hat Uwe Wilhelm Otto Giesemann, so sein vollständiger Name, in jüngerer Vergangenheit nicht geändert. Lang wallt das – jetzt immerhin frisch gewaschene – Haupthaar, üppig wuchert der aschblonde Bart im faltigen Gesicht. In gut einer Woche feiert der Angeklagte seinen 70. Geburtstag, sofern man in einer U-Haft-Zelle nahe der Schulenburger Landstraße von feiern sprechen kann. Gut 23 Jahre hat der im Harz geborene Berufsverbrecher schon im Gefängnis verbracht. Kommen nun noch ein paar Jahre hinzu? Immerhin, sagt sein Verteidiger Christian J. Neumann, stehe sein Mandant nicht wegen Waffenhandels, sondern nur wegen verbotenen Waffenbesitzes vor Gericht.

Die Liste der im Zooviertel-Domizil gefundenen Tötungswerkzeuge, die Staatsanwältin Regina Steig mit der Anklageschrift verliest, flößt Respekt ein. 29 Maschinenpistolen (davon 16 komplett), zwei Maschinengewehr-Korpusse, elf Handgranaten, zwei Tellerminen und eine Panzerfaust – das ist echtes Kriegsgerät. Hinzu kommen 142 Pistolen (davon 59 vollständig) und 28 Revolver (25 komplett). Bei den Waffen, die nicht komplett sind, fehlen Bauteile. 25 000 Schuss Munition zählen ebenfalls zu der Sammlung. Eine einzelne Handgranate fand die Polizei außerdem in der zweiten Wohnung Giesemanns in der Kronenstraße hinter dem Bahnhof. Zu Herkunft, Alter und Gebrauchsfähigkeit der Waffen wird am ersten Verhandlungstag noch nichts gesagt.

Sollte der 69-Jährige kein gefährlicher Waffenhändler sein – ist er ein Waffen-Messi? Im Gerichtssaal sitzt auch ein Mediziner, Fachgebiet Neurologie und Psychiatrie. Er wird im Lauf der nächsten Wochen zu Wort kommen. Auch die kriminelle Laufbahn von Giesemann gilt es später zu bewerten. Die letzte Haftzeit, von 1982 bis 1989 wegen Einbruchdiebstahls und illegalem Waffenbesitz verbüßt, liegt schon 24 Jahre zurück. Seither hat er nur noch ein paar Geldstrafen wegen kleinerer Vergehen kassiert, 2009 eine Bewährungsstrafe wegen Diebstahls.

Wegen Diebstahls? Das mutet bizarr an, denn in Giesemanns Wohnungen wurden auch knapp 290 000 Euro in bar gefunden. Außerdem Schmuck, Uhren, Münzen mit einem geschätzten Gesamtwert von einer Million Euro. Das Verfahren rund um diese sicher nicht legal erworbenen Wertgegenstände hat das Landgericht abgetrennt. Die Polizei braucht noch einige Zeit, die Besitzer ausfindig zu machen – sofern dies überhaupt noch möglich ist.

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